Gewässerschutzverein warnt: Zu viel Nitrat im Fulda-Wasser

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Zu stark belastet? Die Fulda in Melsungen, hier auf einem HDR-Foto des Fotografen Gerhard Schmoll. Es zeigt im Hintergrund das B.Braun Werk in der Carl-Braun-Straße.

Kreis Kassel. Das Wasser der Fulda ist nach Ansicht des VSR-Gewässerschutzvereins stark mit Nitrat belastet und wird die Wasserrahmenrichtlinie bis 2015 nicht einhalten können.

Der private Umweltschutzverein hatte im April 2013 eine Messfahrt an der Fulda von Gersfeld in der Rhön bis zu ihrer Mündung in die Weser in Hann. Münden unternommen und dabei hohe Nitratkonzentrationen in dem Fluss gemessen.

Im Kasseler Raum liegt der gemessene Wert demnach bei 19,6 Milligramm pro Liter (mg/l). Nach Vorgaben der Länderarbeitsgemeinschaft Wasser (Lawa) dürfe er aber höchstens 11 mg/l Nitrat betragen, damit der Fulda noch ein guter Zustand attestiert werden könne.

Das Regierungspräsidium  (RP) Kassel entgegnete, der VSR lege bei seinen Untersuchungen die falsche Maßeinheit zugrunde und vergleiche Äpfel mit Birnen. Der Verein gebe seine Messwerte in Form von Nitrat an, so Otto Wilhelm Vicum vom RP. Bei Oberflächengewässern sei jedoch die Angabe in Nitratstickstoffkonzentrationen (Nitrat-N) üblich. Das bezeichnet die Menge an Stickstoff, die in Nitrat vorhanden ist. 

Sämtliche Messwerte des VSR müssten daher um den Faktor 0,226 nach unten korrigiert werden. Demnach schwanken laut Vicum die Werte zwischen 1,2 mg/l und 4,5 mg/l. Im Grundsatz seien sich RP und VSR aber einig, dass der Stickstoff-Eintrag in die Oberflächengewässer reduziert werden sollte.

Harald Gülzow vom VSR-Gewässerschutz verwehrt sich gegen die Vorwürfe des RP. Der Physiker sagt, es seien keine falschen Maßeinheiten verwendet worden. Nitratstickstoff und Nitrat seien nur unterschiedliche Namen für die gleiche Messgröße. Um die Daten vergleichbar zu machen, habe der VSR den Zielwert für die Güteklasse II (mäßig belastet) der Lawa von 2,5 mg/l Nitratstickstoff in den entsprechenden Wert für Nitrat (11 mg/l) umgerechnet.

Das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie prüft an sieben Messstellen regelmäßig den Nitratgehalt der Fulda. Pressesprecher Helmut Weinberger bestätigte die Größenordnung der vom VSR gemessenen Konzentration. „Soweit die Messstellen mit den von uns beprobten Gewässern vergleichbar sind, stimmen sie, im Rahmen der durch die vom VSR verwendeten Messverfahren erzielbaren Messgenauigkeit, überein“. Die Messwerte seien dementsprechend keineswegs neu.

Weinberger verweist allerdings auf die Oberflächengewässerverordnung (OGewV) vom 20. Juli 2011. Dort ist festgelegt, dass der einzuhaltende Grenzwert bei 50 mg/l Nitrat liegt. Im Einzugsgebiet der Fulda werde dieser deutlich unterschritten, so Weinberger. Der Grenzwert von 11 mg/l der Lawa sei lediglich ein Orientierungswert, eine Hilfsgröße, um einen guten ökologischen Zustand zu erreichen.

Dabei spielten aber neben den Nitratwerten viele weitere Faktoren eine Rolle und ein hoher Nitratwert sei nicht gleichbedeutend mit einem schlechten Zustand des Flusses. Erst das Überschreiten der in der OGewV festgelegten Umweltqualitätsnorm von 50 mg/l Nitrat sei für die Einschätzung der Wasserrahmenrichtlinie bedeutend.

Von Nicole Schippers

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