Schleppende A44-Planung: Kaufungen sieht sich in seiner Entwicklung behindert – Ministerien mauern

Gewerbeflächen? Fehlanzeige

Erweiterung auf Eis: Die Gemeinde Kaufungen würde das Gewerbegebiet Papierfabrik gern erweitern. Auf dieser 17 Hektar großen Fläche „Im Nassen“ könnten neue Betriebe angesiedelt werden. Doch das Land hat der Gemeinde entsprechende Planungen untersagt, weil über das Gebiet vermutlich die geplante Autobahn 44 führen soll. Genaue Pläne halten die Ministerien in Wiesbaden und Berlin jedoch seit Jahren unter Verschluss. Foto: Schindler

Kaufungen. Die Gemeinde Kaufungen sieht sich durch die stockende Planung der Autobahn 44 in ihrer Gewerbeentwicklung massiv behindert. „Gäbe es die A44-Planung nicht, hätten wir nicht so ein großes Haushaltsproblem oder überhaupt keines“, sagte Bürgermeister Arnim Roß (SPD) im Gespräch mit der HNA.

Kaufungen könne seit Jahren keine neuen Gewerbegebiete planen, weil nicht klar sei, wo die Trasse der Autobahn verlaufen werde, sagte der Verwaltungschef. Kaufungen sei aber auf eine Ausweitung der Gewerbegebiete angewiesen. „Wir brauchen diese Einnahmen, um die Infrastruktur und Lebensqualität in Kaufungen erhalten zu können.“

Bei den Gewerbesteuereinnahmen sei ein steter Rückgang zu verzeichnen. So nahm Kaufungen im Jahr 2012 noch 4,5 Millionen Euro ein, im laufenden Jahr rechnet man mit 4,2 Mio. Euro, fürs kommende Jahr 2014 nur noch mit 4,0 Mio. Euro – bei dem Rückgang um 500 000 Euro innerhalb von drei Jahren müsse die Gemeinde gegensteuern, sagte Roß. Doch Kaufungen sind die Hände gebunden. So hat das Regierungspräsidium (RP) Kassel im Jahr 1997 den Bebauungsplan „Im Nassen“ bei Kaufungen-Papierfabrik einkassiert. „Wir dürfen die 17 Hektar große Fläche nicht beplanen, weil die A44 über einen Teil des Geländes führen soll“, sagte der Bürgermeister. Seit 16 Jahren seien der Gemeinde hier die Hände gebunden.

Vor zehn Jahren wurde auch das zusammen mit Niestetal geplante interkommunale Gewerbegebiet Heiligenrode-Süd von der Landesregierung mit Hinweis auf die A44 gestoppt.

Nicht besser sieht es für andere denkbare Standorte zur Gewerbeansiedlung etwa in Richtung Lohfelden aus. Die Gemeinde Kaufungen hatte vor zehn Jahren einen fünf Hektar großen Standort am Gacksberg an der Straße nach Lohfelden ins Auge gefasst, aber aus verschiedenen Gründen dann nicht fortgeführt.

„Wo genau gute Gewerbeflächen sind, das weiß man erst, wenn man den wirklichen Trassenverlauf der A44 kennt und wo die Autobahnzu- und -abfahrten sein werden“, sagt Roß.

Dass der Gewerbestandort Papierfabrik noch Potenzial hat, da ist er sich sicher. „Die Nachfrage ist da, der Standort ist gut“, meint der Bürgermeister. Umso enttäuschter ist er, dass die zuständigen Ministerien in Wiesbaden und Berlin die Trassenplanung immer noch unter Verschluss halten.

Anschlussstelle Kassel-Ost

Ein Vertreter des Landes hatte beim HNA-Lesertreff zur A44 Mitte Juni in Kaufungen die Prüfung von drei Punkten zugesagt: der Erhalt der Anschlussstelle Kassel-Ost, ein aktiver Lärmschutz sowie der Erhalt des Trinkwasserbrunnens Kohlenstraße. Das Ministerium werde die Gemeinde Kaufungen über das Ergebnis der Prüfungen unterrichten, hieß es damals. Das ist bisher nicht passiert. So tappt man in Kaufungen weiter im Dunkeln. HINTERGRUND,

KOMMENTAR

Von Holger Schindler

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.