Landkreis reagiert auf Forderung nach Zusammenlegungen und Schließungen kleiner Grundschulen

Es gibt nur wenige Problemfälle

Kreis Kassel. Die Zwergschulen im Visier hat der hessische Landesrechnungshof. Gerade im ländlichen Bereich hätten viele kleine Einrichtungen immer weniger Schüler, argumentierte kürzlich Rechnungshof-Präsident Manfred Eibelshäuser. Er forderte deswegen die Zusammenlegung und auch Schließung von kleinen Schulen.

Im Landkreis Kassel stehe jedoch aktuell keine der 50 Grundschulen auf der Kippe, betont dazu Kreissprecher Harald Kühlborn. Auch wenn die Zahl der Schüler zwischen den Schuljahren 2000/01 und 2011/12 von 11 044 auf 7886 zurückgegangen sei. Das Credo von Landrat Uwe Schmidt (SPD) laute weiterhin, dass jede politische Gemeinde eine Grundschule habe. Kühlborn: „Das werden wir sicherstellen.“

13 Kinder pro Klasse

Trotzdem: Einige Problemschulen gibt es schon im Landkreis. Dazu zählen die Grundschulen in Rothwesten, Eschenstruth, Ippinghausen, Oberelsungen, Gieselwerder und Oelsheim. Die magische Grenze für das Überleben liegt nach Maßgabe des Landes bei mindestens 13 Kindern pro Klasse. Rothwesten zum Beispiel liegt bei den Einschulungen für das Schuljahr 2013/14 bei 14 Kindern, 2014/15 nur bei 10, 2015/16 bei 13, 2016/17 wieder bei 14. Eschenstruth liegt 2013/14 bei 11 Kindern, 2014/15 bei 17, 2015/16 bei 13 Einschulungen - wobei die Zahlen durch Zu- oder Wegzüge schwanken können.

Ein probates Mittel, wenn es eng wird, ist es laut Kühlborn, die ersten zwei Klassen einer Grundschule zusammenzulegen, um die 13er-Hürde zu überspringen. In Ippinghausen und Zierenberg zum Beispiel werden die ersten beiden Klassen und die dritte und vierte Klasse gemeinsam unterrichtet. 2006 waren durch den Neubau in der Neuen Mitte die Grundschulen Mönchehof und Hohenkirchen zusammengefasst worden. Aufgelöst wurde zuletzt zum aktuellen Schuljahr der Grundschulstandort Holzhausen.

„Wir werden um jede Grundschule kämpfen.“

Kreispressesprecher Harald Kühlborn

Dabei könnten sich im Sinne des Landesrechnungshofes durchaus Einsparungen durch die Schließung von Grundschulstandorten ergeben. Beispiel Eschenstruth: Bei der letzten Prüfung des Landkreises durch den Rechnungshof 2005 war von diesem vorgeschlagen worden, die 96 Schüler von dort auf die Schäferlandschule nach Helsa zu schicken. Durch eine Schließung und die Einsparung der Kosten für Hausmeister, Sekretärinnen, Heizung, Tafeln und Tische wären für Eschenstruth laut Kühlborn pro Jahr 143 000 Euro zusammengekommen.

„Betriebswirtschaftlich sinnvoll, pädagogisch aber Unsinn“, sagt der Kreissprecher. Denn Schule sei „mehr als die Kosten, die sie verursacht“. Sie stehe gerade auch bei den kleinen Orten für Lebensqualität und beeinflusse die Entscheidung junger Familien, in diesen Ort zu ziehen. Deshalb werde der Landkreis um „jede Grundschule kämpfen“.

Von Stefan Wewetzer

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