Pfarrer Barth hält Gottesdienst der besonderen Art: Mit Taufe und Tauf-Erinnerung

„Gott ist auf Empfang“

Einmaliger Moment: Pfarrer Johannes Barth tauft Collin, der im Arm seiner Patin Constanze Heiderich liegt. Seine Eltern Vanessa und Stephan Schütze schauen mit Patin Hannelore Heiderich zu.

Kaufungen. Nahezu 30 Kerzen stehen auf dem Altar. Alle brennen, nur die hellblaue, pyramidenförmige nicht. Sie wird erst entzündet, wenn Collin an der Reihe ist. Collin ist sechs Monate alt und wird an diesem Tag im Oberkaufunger Stephanushaus von Pfarrer Johannes Barth getauft.

„Gott ist auf Empfang für dich, Collin“, sagt der Pfarrer, bevor das Wasser den Babykopf berührt. Dabei liegt der kleine Junge ganz ruhig in den Armen seiner Taufpatin, als ob er die Worte bereits begreifen könnte.

Ansprache, Taufspruch mit Evangelienlesung und letztlich die eigentliche Taufe - eine ganz normale Zeremonie im christlichen Glauben. Und doch auch nicht. Denn „zum ersten Mal veranstalten wir neben der Taufe eine Tauf-Erinnerung während der Familienkirche“, sagt Johannes Barth. Und dazu können alle Kinder ihre Taufkerzen mitbringen und anzünden - die dreißig brennenden Kerzen.

Nun stehen die Mädchen und Jungen im Halbkreis vor dem Taufbecken und blicken gespannt dem Geschehen zu. Als der Pfarrer seine rechte Hand ins Becken taucht und mit ihr sanft über Collins Kopf streicht, sagt er: „Ich taufe dich auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Das Baby weint kurz auf, seinen Eltern - Vanessa und Stephan Schütze - treten Tränen in die Augen. Ein emotionaler, ergreifender Moment, dessen Bedeutung auch die Mädchen und Jungen zu spüren scheinen, denn sie sind mucksmäuschenstill. Wie auch alle anderen Besucher des Stephanushauses.

Als Familie Schütze mit ihrem Sohn auf die Kirchenbank zurückkehrt, brennt auch die hellblaue, pyramidenförmige Kerze, Collins Tauflicht.

Während die Kinder gemeinsam mit den ehrenamtlichen Betreuern die Winterkirche in Richtung Spielprogramme verlassen und sich die übrigen Gottesdienstbesucher entspannt in ihren Stühlen zurücklehnen, beginnt für Pfarrer Barth der zweite Teil seiner Arbeit - die Predigt. Und die schließt sich inhaltlich an die Taufe an.

Es geht um Mose und seine Verbindung zu Gott. Und darum, dass Gott da ist - für jeden. Man müsse nur die Verbindung zu ihm suchen, so Barth, um das zu spüren. Genau das meint der Pfarrer auch mit „Gott ist auf Empfang“ während der Taufansprache.

Schön und aufregend

„Das war sehr schön und aufregend“, sagt Collins Mutter Vanessa Schütze am Ende. Nun kommen auch die Kinder aus der Betreuung zurück, um ihre Taufkerzen abzuholen. Doch noch ist das Programm nicht zu Ende: Kirchenbesucher und Mitarbeiter treffen sich im Gemeinderaum, um gemeinsam Mittag zu essen.

Mittendrin sitzt Pfarrer Barth. Kaputt? Schließlich hat der 41-Jährige bereits zwei Gotesdienste hinter sich. „Nein, gar nicht“, sagt er und lacht. Er sei es gewohnt, früh aufzustehen. Sein Tag hat bereits um sechs Uhr morgens begonnen. „Ich feile dann gerne noch einmal an den Predigten“, sagt er. Im Kirchenraum des Stephanushauses stehen noch wenige erloschene Kerzen auf dem Altar. Sie brennen erst wieder am Tauftag oder während der nächsten Tauf-Erinnerung.

HINTERGRUND, STICHWORT

Von Vera Glass

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