VW-Azubis und polnische Schüler ziehen Bilanz ihres Einsatzes im früheren Konzentrationslager Auschwitz

Das Grauen hat für Nachdenken gesorgt

Führung durch das Baunataler Werk: Benjamin Blessmann erklärt seinem Wolfsburger Azubi-Kollegen Domenic Spilner (links) das Steuergerät einer Werkzeugmaschine. Svenja Nieborg (von links), Regina Wunsch, Magda Sikora, Marina Pfleging, Monika Handzel und Florian Kripstädt hören aufmerksam zu. Foto: Dilling

Baunatal. „In der Schule und zu Hause haben wir ab und zu über Konzentrationslager gesprochen. Doch wenn man in Auschwitz ist, wird das Grauen erst richtig greifbar“, sagt Magda Sikora und blickt auf die Fotos von der Gedenkstätte mit dem zynischen Spruch „Arbeit macht frei“ über dem Eingang, die im Flur von Volkswagen Coaching im Baunataler VW-Werk hängen. Die 18-Jährige ist mit neun anderen polnischen Berufsschülern nach Kassel gereist, um mit 15 Auszubildenden der VW-Werke Baunatal und Wolfsburg den gemeinsamen 14-tägigen Freiwilligen-Einsatz vom Mai im polnischen Auschwitz aufzuarbeiten.

Eine Woche sind die deutschen Azubis und die polnischen Berufsschüler im Rahmen des vom Internationalen Auschwitz-Komitees und vom VW-Konzern seit Jahren organisierten Austauschprogramms in der Kasseler Region und Berlin unterwegs. Man wolle den polnischen Jugendlichen den ganz normalen Alltag in Deutschland zeigen und damit zugleich deutlich machen, dass die Deutschen von heute sich gewandelt haben und nichts mehr mit dem menschenverachtenden Nazi-Regime von damals gemein haben, sagt Regina Wunsch (21). Sie lernt im Baunataler VW-Werk Werkzeugmechanikerin.

Wie die polnischen Berufsschüler betont sie, dass der gemeinsame Arbeitsaufenthalt in der Gedenkstätte ihren Blick für die Gräueltaten geschärft habe. „Da hat sich gar nicht so viel geändert“, sagt die 21-Jährige.

Der Völkermord, der vor Jahren in Afrika am Volk der Tutsi begangen worden ist, sei dafür nur ein Beispiel. Monika Handzel aus Polen erzählt, dass in ihrer Heimat die Jugendlichen vor allem die Tötung unschuldiger Demonstranten in Ägypten empört habe.

Drohende Abstumpfung

„Die Erinnerung an die Gräueltaten von Auschwitz muss lebendig gehalten werden“, meint Marina Pfleging, Azubi im Baunataler VW-Werk. Wer die fast täglich von den Medien gesendeten Gewalttaten in vielen Teilen der Welt sehe, drohe gegen das Leid abzustumpfen, meint sie, ebenso wie ihr Kollege Benjamin Blessing. Der Besuch in Auschwitz hingegen habe den Blick dafür geschärft.

Am Sonntag endet das Austauschprogramm in Berlin. Die Baunataler Azubis werden die Ergebnisse ihrer Arbeit nächste Woche in einer Versammlung der Jugendvertretung präsentieren.

Von Peter Dilling

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