"Große Läden machen uns kaputt"

Heckershäuser Geschäftsleute sind gegen Supermarkt-Pläne

Protest: Apotheker Klaus Heckmann ( von links), Inken Loose, Erdmute Gerk, Metzgermeister Fritz Frölich, Apothekeninhaberin Ulrike Jähnig-Frölich und Angela Hold. Fotos: Schräer

Ahnatal. Die überwältigende Mehrheit der Geschäftsleute in Heckershausen hält nichts von den im Parlament diskutierten Plänen, am Ortsrand an der Rasenallee einen neuen Rewe-Supermarkt zu errichten.

Sie spricht sich für den Erhalt des kleineren Edeka-Marktes im Zentrum aus. Dessen jetziger Betreiber hört Mitte 2014 auf.

„Wir sind zufrieden mit dem, was vorhanden ist, der Bedarf ist sehr gut abgedeckt“, sagt Ulrike Jähnig-Frölich, Betreiberin der Helfenstein-Apotheke. Diese Struktur würde mit den Bauplänen ruiniert. Es gehe um Arbeitsplätze, zum Beispiel acht in der Apotheke und neun in der Fleischerei ihres Mannes Fritz Frölich in Weimar. Dieser rechnet mit deutlichen Umsatzrückgängen, gebe es neben Weimar auch in Heckershausen einen großen Vollsortimenter.

Dieser Supermarkt wäre „mindestens dreimal so groß wie der jetzige im Ort“, sagt Jürgen Schäfer, Metzgermeister in Heckershausen. Woher sollten denn die Kunden kommen? Die könnten ihr Geld nur einmal ausgeben.

Für weiteren Einkauf im Ort: Blumenhändlerin Marion Ebert.

„Die großen Läden machen uns kleine alle kaputt und damit die ganze Dorfstruktur“, kritisiert Marion Ebert, Inhaberin eines Blumengeschäfts. Bliebe der kleinere Edeka-Markt im Ortskern, sei dies „gut für ältere Leute. Das sind unsere Kunden.“

Die Heckershäuser, besonders die älteren, wollten ihre kleinen Läden, wo sie auch ein Schwätzchen halten könnten. „In Großmärkten geht das alles verloren“, meint Astrid Wambach, Verkäuferin in der Bäckerei Welters. Im Juni hatte ihre Familie das Geschäft übernommen, ergänzt Viola Welters. Bäckerei und zwei Filialen nahe Bad Sooden-Allendorf hatte man bewusst für Heckershausen aufgegeben, „weil es hier keinen Supermarkt oder Discounter mit großer Backabteilung gibt“.

Vom Markt am Kreisel hält Frank Döring, Inhaber einer Baumschule, nicht viel. Er will weiter den Einkauf im Ort.

Ein Rewe-Markt an der Rasenallee „ist unmöglich. Ein Markt gehört in die Ortsmitte als Einkaufsmöglichkeit für alte Leute“, betont die 93-jährige Gertrud Haller, die kein Auto hat und auch nicht mit dem Bus nach Hause kommt.

Nicht nur für ältere Leute, auch für ihre Kinder, sieben und neun Jahre alt, sei es gut, im Ort einkaufen zu können, sagt Friseurmeisterin Heidi Endres. Auch deren Eltern Brunhilde und Dieter Rudolph, die einen Friseurladen betreiben, „kaufen alles im Ort ein. Mit einem neuen Rewe wird das Dorf nicht erhalten“, sagt Dieter Rudolph.

Friseurmeisterin Carola Vogt und Friseurin Angelika Herbold vom Salon schräg gegenüber wohnen nicht in Heckershausen, kaufen aber tagsüber im Edeka-Markt ein. „Man kommt schnell zu Fuß hin. Wir haben viele ältere Kunden, die das so sehen“, sagt Vogt.

Hintergrund

Bürgerbegehren gegen Supermarktbau

„Sind Sie dafür, dass die Errichtung eines weiteren Lebensmittel-Vollsortimenters am westlichen Ortsausgang von Heckershausen unterbleibt?“ Mit dieser Frage sammeln Initiatoren, für die Apothekerin Ulrike Jähnig-Frölich sowie Gerlinde Schaub und Birgit Hupfeld (Grüne) als Vertrauenspersonen aufgelistet sind, Unterschriften in Ahnatal für ein Bürgerbegehren gegen die Pläne zum Bau eines neuen Supermarktes an der Rasenallee. Zehn Prozent der Wahlberechtigten, knapp 670, müssen unterschreiben, damit das Bürgerbegehren in einen Bürgerentscheid mündet, der bei Mehrheit das Projekt verhindert.

Infostände zum Bürgerbegehren gibt es am Freitag, 29. November, ab 16 Uhr bei den Edeka-Märkten in Weimar und Heckershausen; am Samstag, 30. November, ab 9 Uhr am Edeka in Weimar; Montag, 2. Dezember, ab 9 Uhr am Edeka Heckershausen; Freitag, 6. Dezember, ab 16 Uhr an der Helfenstein-Apotheke (Heckershausen) und der Fleischerei Frölich (Weimar). (mic)

Gewerbeverein: Markt bedroht Existenzen

Dass sich die Gewerbetreibenden in Ahnatal von den Bauplänen eines Rewe-Marktes am Kreisel Rasenallee „existenziell bedroht fühlen, ist sicher nachzuvollziehen“. Mit diesen Worten reagiert der Gewerbeverein Ahnatal. „Man stellt sich die Frage: Wem nützt dieser Markt und wer braucht ihn?“, heißt es in einer Mitteilung des Vorsitzenden Holger Eckhardt. So seien die Einwohner in Weimar mit Einkaufsmöglichkeiten bestens versorgt, wie auch die Heckershäuser mit renoviertem Edeka, Bäcker und Metzger gut versorgt seien. Ein Supermarkt an der Rasenallee wäre generell und besonders von Senioren im Ort „fußläufig schlecht erreichbar“, betont der Vorsitzende des Gewerbevereins. (mic)

Das sagt Edeka

Für Hans-Richard Schneeweiß, Geschäftsführer der Handelsgesellschaft Hessenring in Melsungen, ist die Lage klar. Im Einzelhandel gebe es die Alternative: kleiner und gemütlicher oder größer und repräsentativer. Konkret auf Heckershausen bezogen setze Edeka auf die erste Variante im Gebäude an der Hauptstraße, das der Handelsgesellschaft gehört. Ein weiterer Vollsortimenter an der Rasenallee wie in Weimar „wäre Kannibalismus, einer von beiden wird gefressen“, meint Schneeweiß.

Auf 400 Quadratmetern Verkaufsfläche im Ortskern, das Gebäude soll für 350 000 Euro saniert werden, werde es mit rund 3000 Artikeln ein größeres Sortiment geben als bei Aldi. Schneeweiß ist sich sicher, eine Nachfolgefamilie als Betreiber zu finden, die den Markt „angemessen und gemütlich, auch als sozialen Treffpunkt“ führt. „Unser Bestreben ist, in Heckershausen zu bleiben.“ Die weitere Entwicklung hänge von der Entscheidung der Gemeindevertretung ab. Sollte ein neuer Supermarkt gebaut werden, „müssen wir neu denken“, sagt Schneeweiß. (mic)

Von Michael Schräer

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