Besondere Bäume werden als Denkmale deklariert: Zwölf Exemplare im Bauna-Tal

Großer Schutz im Kleinen

Rüdiger Germeroth

Baunatal/Schauenburg. Das Hessische Naturschutzgesetz gibt es vor: „Naturdenkmale sind rechtsverbindlich festgesetzte Einzelschöpfungen der Natur, deren besonderer Schutz erforderlich ist.“ So steht es im Paragraf 14. Der Begriff „Einzelschöpfung der Natur“ wirft beim Naturschutz-Laien allerdings Fragen auf.

„Bei einem Naturdenkmal handelt es sich um einen Baum oder einen Lebensraum, der schlicht zu klein für die Ausweisung als Naturschutzgebiet ist“, erläutert Rüdiger Germeroth vom Fachbereich Bauen und Umwelt des Landkreises Kassel.

Als Abteilung des Fachbereichs Bauen und Umwelt ist die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises mit Sitz in Wolfhagen für die Ausweisung von Naturschutzdenkmalen verantwortlich. Sie übernimmt auch deren Pflege.

Ob ein Baum als Denkmal ausgewiesen wird, hängt von seiner Seltenheit oder Besonderheit ab. Auch kommt es auf seine geschichtliche Bedeutung an. Deshalb sind Grenzbäume, Gerichtsbäume und dorfprägende Bäume häufig Naturdenkmale. Germeroth: „Aufgrund der spezifischen Geschichte des Landkreises spielen bei uns auch Hutebäume eine wichtige Rolle – besonders im Reinhardswald.“

Nach Ende des deutsch-französischen Krieges 1870/71 wurden deutschlandweit viele Friedenseichen gepflanzt, von denen es auch einige zu Naturdenkmalen gebracht haben, wie die Sedans-Eiche bei Oberlistingen oder die Erinnerungseiche am Breitenbacher Friedhof in Schauenburg.

Ein Besuch bei den als Naturdenkmal gekennzeichneten Bäumen zeige, wie sich Natur und Landschaft in den vergangenen Jahren verändert haben, sagt Germeroth. „Eine im Osten Lohfeldens als Naturdenkmal deklarierte Eiche war sicherlich lange Zeit ein solitärer Baum am Ortsrand – jetzt ist er von der A 7 und der A 49, einem Baumarkt und zwei Möbelhäusern umgeben“, so Germeroth.

Der Baum habe zwar seine beherrschende Rolle in der Landschaft verloren, seine Bedeutung als Symbol für Beständigkeit jedoch behalten.

Ein Symbol für Beständigkeit ist auch das jüngste Naturdenkmal im Landkreis Kassel: die Rohrbacheiche. „Die Eiche mit einem Stammumfang von über 4,60 Metern ist über 130 Jahre alt. Allerdings wurde sie erst 2007 Naturdenkmal“, erklärt Germeroth.

Dieser Baum sei das Wahrzeichen der Rohrbacher Bruderschaft und habe aufgrund seines ortsbildprägenden Charakters und seiner Größe die Ausweisung verdient.

In Zierenberg gibt es acht Baum-Naturdenkmale, die 20 Bäume umfassen. Zudem sind neun flächenhafte Naturdenkmale wie der Helfenstein am Hohen Dörnberg in der Gemarkung ausgewiesen. Germeroth: „Damit liegt Zierenberg an der Spitze bei den flächenhaften Naturdenkmalen im Kreis.“ Bei den Bäumen gibt es die meisten in Wolfhagen mit 29.

In Baunatal sind es übrigens acht Bäume, in Schauenburg vier. (red/akl) Archivfoto: nh

„Natürliches Kulturgut – Vergangenheit und Zukunft der Naturdenkmale im Landkreis Kassel“, ISBN 3-932583-17-5, 19,80 Euro, cognitio-Verlag, im Buchhandel.

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