Knackpunkt ist die Betreuung

Grundschule in Rothwesten von Schließung bedroht

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Noch wird eifrig gelernt an der Geschwister-Scholl-Schule in Rothwesten: Die Kinder der dritten Klasse beim Unterricht mit ihrer Lehrerin Anne Koell.

Fuldatal. Wegen geringer Einschulungszahlen könnte der Zwergschule nach 2017 die Schließung drohen. Das geht aus dem Schulentwicklungsplan hervor, den der Kreistag Anfang Februar beschlossen hatte.

„Die Gefährdung ist da, jetzt muss man überlegen, was man dagegen tun kann“, betont der Leiter der der Grundschule Rothwesten, Achim Kessemeier.

Im Vergleich mit den Grundschulen in Ahnatal, Vellmar, Espenau und in den Fuldataler Ortsteilen Ihringshausen und Simmershausen hat die Geschwister-Scholl- Schule (GSS) in Rothwesten die niedrigsten Schülerzahlen. Verantwortlich dafür sei vor allem der Rückgang der Geburten im Landkreis, sagt Kessemeier. Es gebe aber ein weiteres Problem: „Die Betreuung ist der Knackpunkt, daran müssen wir arbeiten“, sagt er. Die Kinder werden lediglich von 12 bis 14 Uhr betreut. Sind beide Eltern berufstätig, reicht das oft nicht aus. Die Folge: Eltern schicken ihre Kinder lieber auf die Grundschule nach Simmershausen. Dort wird mithilfe des Fördervereins eine Betreuung von 7.30 bis 16.30 Uhr angeboten.

Zurzeit besuchen zwei Kinder aus Rothwesten die Grundschule in Simmershausen. Nach den Sommerferien könnten vier Kinder hinzukommen. Allerdings stoße das Betreuungsangebot mittlerweile an seine Grenzen: „Jetzt muss etwas passieren“, fordert Kessemeier, der auch die Simmershäuser Grundschule leitet.

Enge Zusammenarbeit

Der 56-Jährige sieht die Lösung des Problems in einer engen Zusammenarbeit zwischen Kindergarten und Schule. Es müsse eine Möglichkeit gefunden werden, dass der Rothwestener Kindergarten sein Betreuungsangebot von 15 Uhr auf 16.30 Uhr ausweitet. Dann könne man einen gemeinsamen Hort schaffen, in den auch die Kinder aus der 200 Meter entfernten GSS gehen könnten.

Um diesen Vorschlag umsetzen zu können, sei man aber auf die Unterstützung der Gemeinde angewiesen. Nur sie habe die nötigen personellen Ressourcen und die Professionalität, sagt Kessemeier.

Bürgermeister Karsten Schreiber (CDU) spricht sich ebenfalls dafür aus, in Rothwesten in absehbarer Zeit ein erweitertes Betreuungsangebot zu schaffen. Ziel sei es, die Grundschule zu erhalten. Möglichst im April oder Mai solle es Ergebnisse geben. Der Vorsitzende des Elternbeirats, Michael Fiedler, ist der festen Überzeugung, dass die Bildungsstätte bereits das richtige Konzept mit flexiblem Schulanfang und klassenübergreifendem Lernen mitbringt: „Hier können Lehrer noch auf jeden einzelnen Schüler eingehen“, sagt der 46-Jährige. Was fehle, seien in erster Linie die Kinder. Fiedler hofft, dass es die GSS auch nach 2017 noch gibt: „Sie ist ein emotionaler Bindungspunkt im Dorf. Die Schule gehört einfach zu Rothwesten.“

Modellversuch: Flexibler Schulanfang

Der flexible Schulanfang ist ein Modellversuch für die Einschulung in der Grundschule. Er soll den unterschiedlichen Voraussetzungen der Kinder eher gerecht werden. Dabei können Grundschulen die Jahrgangsstufen 1 und 2 zu einer Einheit zusammenfassen.

Der Unterricht erfolgt in jahrgangs- oder entwicklungsgemischten Lerngruppen. Mithilfe von individualisierten Unterrichtsformen kann jedes Kind entsprechend seinen Voraussetzungen Lernangebote nutzen. Die Schüler können je nach Entwicklungs- oder Leistungsstandard die Jahrgangsstufen 1 und 2 in einem, zwei oder drei Schuljahren durchlaufen.

Von Nina Thöne

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