Gruppe Crash-Art stellt Unfallszenen nach: Tiefe Wunden aus Bananenbrei

Schlimmer Arbeitsunfall: Janis Linde trennt sich - natürlich nur gespielt - mit der Axt die Hand am Gelenk ab. Foto: T. Hartung

Baunatal. Knochensplitter aus Styropor, rote Flüssigseife als Kunstblut, verbrannte Haut aus Latex und eine zermatschte Banane wird zu Hirnmasse oder Fleischfetzen umfunktioniert - diese Zutaten im richtigen Verhältnis miteinander vermischt ergeben optisch schreckliche Unfallverletzungen.

Die Formation „Crash-Art“ aus Baunatal, eine Gruppe von 50 überwiegend jungen Leuten, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Katastrophen und Unfälle möglichst realistisch darzustellen. Da kann es schon mal passieren, dass ein Darsteller bei einem Einsatz eine Hand verliert oder skalpiert wird - natürlich ist alles nur gespielt.

Wenn die Ersthelfer an einer Unfallstelle ankommen, wissen sie nicht, ob es sich um ein reales Unglück oder um eine Übung handelt. „Schauen die Leute angeekelt weg, haben wir alles richtig gemacht“, sagt Jochen Radtke, Leiter der Gruppe, und berichtet, dass sie die Helfer durch die Schockszenen vor allem psychisch belasten und fordern wollen. Radtke weiß, wie schlimm es an einem Unfallort sein kann, er hat selbst eine Ausbildung zum Rettungsassistenten absolviert.

Crash-Art gibt es seit 2010, einige der Mitglieder, die zwischen 16 und 42 Jahre alt sind und aus Waldeck-Frankenberg, dem Werra-Meißner-Kreis, dem gesamten Landkreis Kassel und sogar aus Wiesbaden kommen, standen schon vorher als Darsteller für Notarztübungen zur Verfügung. Die Gruppe organisiert sich über Facebook. „Dort werden Termine bekanntgegeben, zu denen sich Interessierte anmelden können“, so Radtke.

In diesem Jahr gab es schon sechs Einsätze, unter anderem bei einer Katastrophenschutzübung im Tunnel Hirschhagen bei Helsa. Die moderne Ausstattung sei komplett selbst produziert, sonst wäre der Kostenaufwand zu hoch, berichtet Julian Ludwig (24). Ein Honorar für ihre Einsätze nehmen die Darsteller nicht - nur eine Aufwandsentschädigung zur Deckung ihrer Kosten.

Während eines Einsatzes steht die Sicherheit an erster Stelle. Deshalb werden gefährliche Szenen mit Puppen nachgestellt. Zu Demonstrationszwecken haben die Unfalldarsteller im Garten von Crash-Art-Mitglied Janis Linde (19) und seiner Familie in Kirchbauna einen Arbeitsunfall beim Holzhacken nachgestellt. Dabei trennt sich ein Arbeiter (Janis Linde) die Hand mit dem Beil am Gelenk ab. Blut spritzt stoßweise aus der durchtrennten Arterie.

Eine Szene, die schlimm aussieht und technisch gut organisiert sein muss. Ein umfunktionierter Trinkrucksack mit Schlauch und Pumpe ersetzt die Ader und sorgt am Handstumpf dafür dass es zwischen Styroporknochen und Bananenbrei eine Blutung im Herzrhythmus gibt.

Natürlich werden die technischen Details unter einer Jacke versteckt. Die abgehackte Hand wird durch eine Plastikhand ersetzt. Schmerzensschreie und ein blass geschminktes Gesicht machen die Szene perfekt. Für die Zukunft wünschen sich Jochen Radtke und sein Team noch viel mehr Einsätze, bei denen sie dramatische Unfallszenen darstellen können - gerne auch im gesamten Bundesgebiet. Interessierte seien willkommen. Die Gruppe sucht außerdem neue Darsteller und Leute, die Verletzungen schminken können.

Kontakt: www.crash-art.de

Von Tina Hartung

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