Lohfelden hat  30 Gehwege vom Winterdienst ausgenommen und gesperrt

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Unverständnis: Die rigorose Absperrung von Wegen, die der Nahversorgung oder als Schulweg dienen, hat in Lohfelden für Ärger gesorgt. Am Fußweg von der Bushaltestelle in der Ochshäuser Dorfstraße zur Straße „Zum Hofe“ trafen sich Dieter Asthalter (von links), Heino Kirchhof und Rudolf Köster.

Lohfelden. In Lohfelden sorgen rot-weiss-gelbe  Absperrschranken für Aufregung: Wie in einer Nacht- und Nebelaktion hat die Ordnungsbehörde vor einigen Tagen mehr als 30 vom Winterdienst ausgenommene Gehwege im Gemeindegebiet geschlossen und deren Benutzung für Fußgänger untersagt.

Kommentar zu diesem Thema von HNA-Redakteur Holger Schindler

Die Maßnahme wird von der Verwaltung mit der Abwehr von Verletzungsgefahren bei Schnee- und Eisglätte begründet. Eine Beschilderung reiche nicht aus, um das Haftungsrisiko auszuschließen.

Viele Bürger halten das Vorgehen der Gemeinde für überzogen und verlangen, die Absperrungen unverzüglich zurückzunehmen. Die Reaktionen der Fraktionssprecher der Gemeindevertretung fallen unterschiedlich aus.

Walter Berthel

Der Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt- und Technik der Gemeinde Lohfelden, Walter Berthel (SPD), schlägt vor, die betroffenen Wege in den Winterdienstauftrag des Bauhofs einzubeziehen.

„Ich glaubte an einen verfrühten Karnevalsscherz“, schrieb Rudolf Köster aus dem Faustmühlenweg in einem der Redaktion vorliegenden offenen Brief an den Gemeindevorstand. Der früher für die CDU aktive Kommunalpolitiker geht davon aus, dass die Verwaltung die Absperrung und die sich widersprechende, „irrwitzige“ Beschilderung alsbald beseitigt. Die Nutzer der Gehwege würden das alles ohnehin nicht ernst nehmen, sagte Rudolf Köster. Die Schranken seien an vielen Stellen schon umgeworfen oder verschoben worden.

Hat die Gemeindeverwaltung den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gewahrt? „Es wird heute vieles übertrieben“, wer im Leben alle Risiken durch Versicherungen abdecken will, verlerne das Leben, weil es selbst ein Risiko sei, sagte Heino Kirchhof aus Vollmarshausen.

Dieter Asthalter, früher als Polizeibeamter aktiv, reagierte „schockiert“ auf die Sperrung der Wege. Die Gemeinde müsse ihre Immobilien von Schnee und Eis frei halten, zumal sie auch allen Bürgern Räum- und Streupflichten übertrage.

Das Rathaus hatte zunächst nur in ihrem Informationsblättchen über die Schließung „einzelner Verbindungswege“ informiert, legte am Dienstag jedoch mit einer auch der HNA zugeleiteten, zweiseitigen Information nach. Die Haftpflichtversicherung der Gemeinde verlange, so die Ordnungsverwaltung, dass die Hinweise auf einen unterbleibenden Winterdienst durch eine Absperrung und ein Durchgangsverbotsschild für Fußgänger erfolgen.

Beides ermögliche auch Menschen mit Sehbehinderung und Ausländern, das Verbot zu bemerken und zu beachten. Die Absperrung diene auch dem Schutz der Bürger und sei trotz des offenen Wetters unumgänglich gewesen. Eine zeitnahe Absperrung erst bei Schneefall könne nicht gewährleitstet werden.

Die Absperrung soll bis 31. März andauern, teilte die Gemeinde mit. Man wolle jedoch für die Zukunft prüfen, welche Wege durch feste Absperrungen im Winter gesperrt, in die Obhut des Bauhofs kommen oder den Anliegern zum Winterdienst auferlegt werden, so die Verwaltung.

Von Hans-Peter Wohlgehagen

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