Seit knapp 20 Jahren wirkt Birgit Schmitt beim Karneval des SV Espenau mit

Mit Mut zur Hässlichkeit

Espenau. Ausgetretene Pantoffeln, dicke Wollsocken und eine unförmige Figur – für Birgit Schmitt kann das Bühnenoutfit gar nicht schrill genug sein. Seit knapp 20 Jahren wirkt die 55-Jährige derart kostümiert beim Karneval des SV Espenau mit.

„Mut zur Hässlichkeit gehört zu meinen Rollen schon seit jeher dazu“, sagt die passionierte Karnevalistin. Den hat sie denn auch bei ihren verschiedenen Soloauftritten eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Sehr zur Freude des närrischen Publikums.

Ob als Karnevalsgeschädigte (1995), Ehrenjungfrau (1996), Putzfrau der Gemeindeverwaltung (1997 und 1998) oder in ihrer Paraderolle als Landei (1999 bis 2002) – der Auftritt von Birgit Schmitt gehörte stets zu den viel umjubelten Höhepunkten der Espenauer Karnevalssitzungen.

„So etwas liegt wohl im Blut.“

Karnevalistin Birgit Schmitt

Wie man es schafft, das Publikum Jahr für Jahr wieder zu begeistern? „So etwas liegt wohl im Blut“, vermutet Schmitt und lacht. „Ich bin in einer vom Karneval begeisterten Familie aufgewachsen und von daher naturgemäß mit dem Karnevals-Gen infiziert.“

Ihr Vater Reinhard Kühneweg gehörte zu den Mitbegründern des Espenauer Karnevals. Mit ihm und weiteren Aktiven stand sie als 15-Jährige zum ersten Mal auf der Bühne. „Als die Les Humphries Singers“, erinnert sich Schmitt kichernd. „Das war lustig, weil nicht alle in der Gruppe Englisch konnten. Für die Proben habe ich dann alle Texte einfach so aufgeschrieben, wie man es ausspricht.“

Vom Karnevals-Gen haben übrigens auch Schmitts Brüder Klaus und Rüdiger Kühneweg etwas abbekommen. Während der drei Jahre jüngere Klaus seit vielen Jahren als Sitzungspräsident für unterhaltsame Moderation der Prunksitzungen sorgt, steht ihr Rüdiger seit 2003 als Bühnenpartner zur Seite. „Nach den vielen Soloauftritten musste einfach mal wieder etwas Neues kommen“, so Schmitt. „Deshalb hatte ich die Idee, als Duo mit meinem Bruder aufzutreten.“

Die Idee kam an beim Espenauer Publikum. Als die im Dauer-Clinch liegenden Seniorinnen Friedchen und Lieschen sorgten sie sechs Jahre lang für Heiterkeitsausbrüche und wahre Begeisterungsstürme bei den Zuschauern. Und auch in ihren derzeitigen Rolle als Horst und Helga haben sie stets die Lacher auf ihrer Seite. „Die Mischung aus

Wortwitz und szenischer Umsetzung trifft ganz offensichtlich den Geschmack der Gäste“, sagt Kühneweg.

Das Talent des außergewöhnlichen Paars blieb auch anderen Karnevalisten nicht verborgen. So trat das Duo bereits beim HR-Hessenkarneval sowie bei Prunksitzungen befreundeter Karnevalsgesellschaften auf. „Das wird aber auf Dauer etwas zu stressig“, sind sich die beiden einig.

Stress haben die Geschwister derzeit genug. Die heiße Phase für die Prunksitzung am 11. Februar hat bereits begonnen. „Zum gelungenen Auftritt gehört nicht nur ein lustiges Outfit, sondern auch viel Fleiß.“

Von Martina Sommerlade

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