Raub, schwerer Diebstahl, Computerbetrug: Haft für 23-jährigen Baunataler

Baunatal. Der kräftige junge Mann auf der Anklagebank ist ausgesprochen kleinlaut. Immer wieder sinkt seine Stimme ab, als er vor dem Amtsgericht gesteht, was er im Spätsommer in Baunatal getrieben hat. Bis dato war der 23-Jährige noch nie verurteilt worden.

Jetzt soll er ins Gefängnis - für zwei Jahre und neun Monate.Das Amtsgericht verhängt diese Strafe wegen einer ganzen Serie von Verbrechen und Vergehen: Raub und versuchter Raub, teils in Tateinheit mit Körperverletzung, schwerer Diebstahl und Computerbetrug. Wie es innerhalb von nur fünf Wochen zu solchen Taten kam, kann der 23-Jährige dem Gericht selbst nicht recht erklären.

Er sei damals bei einem Freund in Baunatal untergekommen, berichtet er. Beide hätten von Hartz IV gelebt. Das Geld sei schnell verbraucht gewesen, weil sie Essen geordert und für 20 bis 30 Euro am Tag Marihuana konsumiert hätten.

Irgendwann habe er nicht mal mehr Essen kaufen können, sagt der 23-Jährige. Ein dritter Kumpel habe die Idee gehabt, einer Frau die Handtasche zu entreißen. „Mulmig“ sei ihm deshalb gewesen. Und er habe sich etwas unter Druck gefühlt, erklärt er auf Nachfrage von Verteidiger Peter Gros: „Es wurde schon gesagt, dass jeder mal was machen muss, damit ein bisschen Geld in die Kasse kommt.“

91-Jähriger Tasche entrissen

Das erste Opfer war 91 Jahre alt. Durch das Zerren an ihrer Handtasche ging die alte Dame zu Boden und verletzte sich. Der Angeklagte sagt, er habe das nicht mitbekommen. Er sei geflohen, als er die Tasche nicht habe an sich bringen können. Beute: keine. Zwei Tage später sei er mit dem Mitbewohner in eine Pizzeria eingebrochen. Beute: zehn Flaschen Schnaps.

Kumpel dabei

Neun Tage später traf es abends einen Mitfünfziger. Da soll wieder der Kumpel dabei gewesen sein. Der habe den betrunken wirkenden Mann in ein Gebüsch geschubst und dann ihn zum Festhalten gerufen, sagt der 23-Jährige. Beute: 50 Euro aus dem Portemonnaie.

Im vierten Fall gelang es dem 23-Jährigen, einer zierlichen 61-Jährigen die Handtasche zu entreißen. Darin hätten er und der Mitbewohner eine Bankkarte nebst PIN-Nummer gefunden. Der Freund habe Geld abgehoben - für sie beide.

Oberstaatsanwältin Ingeborg Vesper nennt das Geständnis „erstaunlich offen“ - und fordert drei Jahre Haft. Der Angeklagte sei zu einem hohen Preis bereit gewesen, geringe Beute zu erzielen, betont sie: „Manche der Geschädigten trauen sich nicht mehr aus dem Haus.“ Reue fehle ihr.

„Tut mir wirklich leid“

Verteidiger Gros plädiert auf eine Bewährungsstrafe mit Arbeits- und Therapieauflage. Der 23-Jährige selbst versichert: „Es tut mir wirklich leid.“

Von Katja Schmidt

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