Konflikt zwischen Nachbarn: 61-jährige Frau erlitt Steißbeinbruch – 44-Jähriger muss hinter Gitter

Haftstrafe für Tritt in den Hintern

Niestetal / Kassel. Rund drei Stunden lang schweigt der Mann zu den Konflikten mit seiner Nachbarin. Im gemeinsam bewohnten Niestetaler Mietshaus habe er die 61-Jährige im Februar 2011 beleidigt und im März so kräftig in den Hintern getreten, dass sie einen Steißbeinbruch davontrug, wirft ihm die Anklage vor.

Der 44-Jährige muss sich vor dem Kasseler Amtsgericht dafür verantworten.  „Ich hab’s wirklich nicht getan“, beteuert er erst ganz am Ende der Verhandlung.

Richter Leyhe glaubt ihm nicht. Wegen Beleidigung und vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt er den 44-Jährigen zu einer Haftstrafe von sieben Monaten. Bewährung gibt es nicht. Leyhe verweist auf eine einschlägige Vorstrafe, für die der Angeklagte zur Tatzeit noch unter Bewährung stand.

Der Richter sieht es als erwiesen an, dass der Niestetaler die Frau aus Zorn über eine Anzeige wegen Beleidigung attackiert hat. Verletzungen, wie sie die 61-Jährige erlitt, habe er nicht herbeiführen wollen. Bei einem Tritt in den Hintern stehe eher das Herabwürdigende im Vordergrund. Der Angeklagte allerdings „boxe in einer völlig anderen Gewichtsklasse“ als die Nachbarin.

„Sie haben ihre Nerven nicht im Griff“, sagt Leyhe dem massigen Mitvierziger. Vor den Beleidigungen im Februar sei es um eine Bagatelle gegangen – die Frage, wer wessen Wäschetrockner benutzt habe. Der 44-Jährige habe die Konfrontation gesucht und bekommen. Denn auch seine Nachbarin gehe „keinem Streit aus dem Weg“.

Die 61-Jährige hatte dem Gericht berichtet, der Ärger mit dem Nachbarn währte bereits fünf Jahre. Sie habe versucht, das zu ignorieren, es sei aber immer schlimmer geworden.

Im Februar habe der 44-Jährige an ihrer Tür geklingelt, sie angefahren, sie mache ihn und seine Lebensgefährtin im Haus schlecht. Sie habe versucht, mit ihm zu reden, sei aber als „Schlampe“ beschimpft worden. Auch habe der Mann gesagt, sie habe ihr Geld „auf der Wolfhager Straße verdient“ – als Prostituierte.

Einige Wochen später habe sie den Mann an den Briefkästen gesehen und an ihm vorbeilaufen wollen, sagt die Frau aus – da habe sie einen Fußtritt ins Steißbein bekommen und dabei leise gehört, dies sei dafür, „dass du mich angezeigt hast“.

Es sei dann zu einer Auseinandersetzung im Treppenhaus gekommen, bei der sie schließlich einen Schraubenzieher gezückt habe. Die Frau will das Werkzeug mit Griff nach oben gehalten haben. Ein junger Nachbar sagt aus, er habe die Spitze des Schraubenziehers gesehen.

Verteidiger Sven Schoeller hatte in seinem Plädoyer solche und andere Diskrepanzen betont, das Aussageverhalten der 61-Jährigen für nicht glaubhaft befunden – und Freispruch gefordert. Die Vertreterin der Staatanwaltschaft plädierte auf eine Freiheitsstrafe von 13 Monaten.

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