Handicap ist hier willkommen

Elke Helberg

Baunatal. Ein Café zum Verweilen und Unterhalten, soziale Beratung und jede Menge Freizeitaktivitäten für fast jedes Alter: Das werden die Baunataler ab April 2014 im ehemaligen Postgebäude am Marktplatz unter einem Dach auf drei Etagen finden.

Das Besondere daran: Menschen mit Handicap, mit körperlichen, geistigen und Mehrfachbehinderungen sind hier willkommen.

Mit Verzögerung ist jetzt der Rohbau des um ein Staffelgeschoss aufgestockten Gebäudes fertig geworden. Bald sollen Fenster eingesetzt und die Wände gedämmt werden. Bei der Sanierung und dem Umbau erlebten die Planer einige unangenehme Überraschungen: Die Kellerdecke musste vollständig saniert und eine Trafostation umgesetzt werden. Dennoch liege man noch im Kostenrahmen, sagte Manfred Lenhart, Geschäftsführer des Planungsbüros Baufrösche nun beim Richtfest. Das Haus werde über eine erstklassige Wärmedämmung verfügen, die deutlich über den heutigen Standards liege.

Die Gesamtkosten des Projekts liegen laut Bürgermeister Manfred Schaub bei 2,5 Millionen Euro. Am 1. April 2014 soll die Einweihung sein.

Nutzer des dreigeschossigen, großzügig verglasten Gebäudes werden die Baunataler Diakonie Kassel (BDKS), die Kirchengemeinde Altenbauna, die Diakonie-Station Baunatal und die Bäckerei Döhne sein. Letztere wird das Café im Erdgeschoss betreiben. Das Kirchenbüro zieht in das neue Begegnungszentrum um, ebenso der Kleiderladen des Leiseltreff. Es soll eine Suchtberatung und Wohnungslosenhilfe geben. Der Hospizverein Kassel hat ebenfalls Interesse. Ein abtrennbarer Versammlungsraum soll auch vermietet werden.

Im alten Postgebäude sollen sich behinderte und nichtbehinderte Menschen begegnen und einen Teil ihrer Freizeit miteinander gestalten, gemeinsame Fahrten organisiert werden. Diese Projektziele formuliert Elke Helberg, Leiterin des Wohnverbunds Süd der BDKS, die der Hauptmieter des städtischen Gebäudes sein wird. „Für behinderte Menschen kann es am Wochenende manchmal sehr langweilig sein. Die gehen gerne durch die Innenstadt, um Leute zu sehen“, sagt sie.

Helberg will mit Tanz-Workshops, Kochkursen in der geplanten großen Küche, oder einem Lehrgang zum Puppenbasteln eine Plattform schaffen, auf der Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam ihre Freizeit verbringen und sich kennenlernen. „Wir haben ganz viele Ideen“, erklärt sie. Daneben könnten Beschäftige der Werkstätten eine Chance auf einen richtigen Job erhalten. Man sei mit der Bäckerei Döhne im Gespräch, Behinderten ein Praktikum im Café der Begegenungsstätte anzubieten. Momentan verhandeln die Baunataler Diakonie und die Stadt über einen langfristigen Mietvertrag. Beim Preis komme die Stadt der BDKS sehr entgegen, sagte deren Vorstandschef Pfarrer Joachim Bertelmann. Man werde sehr um Spenden werben müssen, um das Projekt langfristig auf finanziell sichere Füße zu stellen.

Von Peter Dilling

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