Die Hasics aus Kassel arbeiten seit drei Generationen bei Bode Holzbau in Kaufungen

Handwerk liegt in der Familie

Drei Generationen: Bei Bode Holzbau in Kaufungen arbeitet Novad Hasic (von links), sein Vater Ismet Hasic war bis 1992 angestellt. Armin Hasic macht eine Ausbildung zum Zimmermann. Foto: C. Hartung

Kaufungen. Warum sich heutzutage junge Menschen nicht mehr für eine Ausbildung zum Zimmermann entscheiden, weiß Armin Hasic ganz genau: „Die wollen sich ihre Hände nicht schmutzig machen.“

Der 24-Jährige macht derzeit eine Ausbildung zum Zimmermann bei der Firma Bode Holzbau in Kaufungen. Und er ist damit nicht der Erste in seiner Familie, die aus Bosnien stammt: Auch sein Opa Ismet (73) und sein Vater Novad (48) arbeiten in der Firma, die bereits seit 104 Jahren besteht. Novad Hasic machte zwar keine Ausbildung bei Bode, aber lernte dort das nötige Handwerk eines Zimmermanns. „Als Hilfskraft wurde ich angelernt“, erzählt er. Jetzt gehört er zum festen Mitarbeiterkern der Firma.

1970 begonnen

Armins Opa Ismet setzte als erster einen Fuß in das Unternehmen. Bevor er in den 1970er Jahren bei Bode anfing, war er Montagearbeiter. Als er schließlich für ein Jahr nach Berlin ziehen sollte, kündigte er. „Ich habe anschließend sofort Arbeit bei Bode gefunden“, erzählt der 73-Jährige. Seinen Sohn Novad nahm er oft mit an die Arbeit. „Ihn interessierte das Zimmermannshandwerk.“

Dass auch einmal sein Enkel in seine Fußstapfen treten würde, hätte Ismet Hasic damals nicht gedacht. Mittlerweile ist Armin im dritten Ausbildungsjahr. Im kommenden Jahr steht bei ihm die Gesellenprüfung auf dem Plan.

„Die Zeit verging wie im Flug“, erzählt Armin. Die Ausbildung zum Zimmermann erfordere ein hohes Maß an Disziplin und Genauigkeit. „Bei Dachkonstruktionen muss jedes Holz passgenau sein. Das ist richtige Präzisionsarbeit“, sagt Armin. Außerdem sei die Arbeit körperlich sehr anstrengend. Das war auch früher schon so, weiß Opa Ismet.

100 Quadratmeter pro Tag

Doch einen entscheidenden Unterschied gebe es zur Arbeit als Zimmermann in den 1970er Jahren: „Damals reichte es, mit zwei Mann am Tag sechs Quadratmeter zu bauen, um Geld zu verdienen.“ Heute müsse man pro Tag 100 Quadratmeter bauen, damit es sich lohnt.

Freie Ausbildungsplätze zu besetzen sei sehr schwierig, weiß Fikret Basic, der neben Stephan Bode Geschäftsführer ist. „Leider wollen nicht mehr viele Zimmermann lernen.“ Einige Abiturienten seien unter den Bewerbern, allerdings sei für sie die Ausbildung nur der Einstieg in ein anschließendes Studium. „Diese Leute bleiben leider nicht bei uns nach der Ausbildung.“

Von Carolin Hartung

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