Interview: Vize-Landrätin Susanne Selbert über die Schließung des Heims Rotte Breite

„Haus nicht vergammelt“

NIESTE. Der Landkreis Kassel gibt das Freizeitheim Rotte Breite bei Nieste auf. Das Areal in der Nähe der Jugendburg Sensenstein steht zum Verkauf. Über die Entscheidung sprachen wir mit Vize-Landrätin Susanne Selbert (SPD).

Frau Selbert, in einer aufwendigen Aktion hat die SPD im vergangenen Jahr 13 000 Unterschriften für den Erhalt der Jugend- und Freizeitheime des Landkreises auf Sylt, in Berchtesgaden und auf dem Sensenstein gesammelt, während gleichzeitig das Freizeitheim Rotte Breite vergammelt ist. Wie passt das zusammen?

Susanne Selbert: Die Rotte Breite ist nicht vergammelt. Nach den eingeholten Wertgutachten befindet sich die Liegenschaft in einem guten Erhaltungszustand. Die Rotte Breite war seit über zehn Jahren verpachtet und wurde vom Pächterehepaar privatwirtschaftlich betrieben. Konzeptionell hatte sie mit den anderen Einrichtungen, die der Eigenbetrieb selbst betreibt, nichts zu tun.

Warum ist das Heim klammheimlich dichtgemacht worden?

Selbert: Das Heim ist nicht klammheimlich dichtgemacht worden. Das Pächterehepaar hat aus Altersgründen fristgemäß zum Ende letzten Jahres gekündigt.

Herr Pietsch, der Leiter des Eigenbetriebs Jugend- und Freizeiteinrichtungen, spricht von einer veralteten Anlage. Aber veraltet ist sie doch nur, weil der Landkreis dies so wollte.

Selbert: Die Konzeption des bisherigen Pächterehepaares setzte darauf, Räumlichkeiten mit einfachem Ausstattungsniveau und einer sehr familiären Betreuung für Gruppen anzubieten. In der Rotten Breite gibt es nur Zimmer ohne WC und Dusche. Im Vergleich zur Jugendburg und Sportbildungsstätte Sensenstein weist die Rotte Breite daher einen nicht mehr zeitgemäßen Zimmerstandard auf. Wer die Rotte Breite buchte, hatte andere Bedürfnisse als die Lehrgangsteilnehmer des Landessportbundes auf dem Sensenstein. Die Rotte Breite hat insoweit auch nicht mit anderen Einrichtungen von uns konkurriert – es war ein spezielles Angebot für eine spezielle Zielgruppe.

Wann ist zuletzt eine größere Summe in das Heim Rotte Breite gesteckt worden?

Selbert: Der Vertrag mit den Pächtern sah vor, dass sämtliche Unterhaltungs- und Reparaturmaßnahmen seitens der Pächter zu erfolgen haben. Wir haben als Letztes 2006 das Dach des Unterkunftshauses neu decken lassen.

Gruppen, die das Freizeitheim Rotte Breite regelmäßig genutzt haben, müssen sich jetzt eine neue Bleibe suchen. Kann der Landkreis Alternativen bieten?

Selbert: Die Kapazitäten der Jugendburg und Sportbildungsstätte Sensenstein stehen zur Verfügung.

Welche Rolle spielt der Druck des Regierungspräsidiums bei der Entscheidung, sich von dem Freizeitheim zu trennen? Ist der Verkauf eine Beruhigungspille für Herrn Dr. Lübcke?

Selbert: Das Regierungspräsidium hat hier keine Rolle gespielt. In Kreistag und Betriebskommission des Eigenbetriebs Jugend- und Freizeiteinrichtungen ist bereits seit Langem entschieden, dass der Landkreis jeweils nur ein Heim in den Bergen, an der See und im Landkreis betreibt.

Gibt es schon Interessenten für das Areal?

Selbert: Sechs Interessenten haben das Exposé angefordert.

Die Ausflugsgaststätte Königsalm liegt nur einen Steinwurf von dem Freizeitheim entfernt. Es wird bereits darüber spekuliert, dass auf dem Gelände ein Hotel entstehen könnte.

Selbert: Uns sind keine Pläne dieser Art bekannt. Der Flächennutzungsplan sieht für das Gelände eine Nutzung als Freizeiteinrichtung für Jugendliche vor.

Welche Kriterien muss ein Käufer erfüllen?

Selbert: Er muss seriös sein und die ausreichende finanzielle Leistungsfähigkeit nachweisen. HINTERGRUND

Von Peter Ketteritzsch

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