Anwohner klagen über Zustand von Gebäude und Grundstück in Simmershausen

Marder, Mäuse, Ratten und Waschbären im verfallenden Haus

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Verärgert: Die Nachbarn Sabine Linnerz (von links), Ute Ernst, Heinz Dreiling, Ute Dreiling und Helene Henneberg kritisierten den schlechten Zustand des leer stehenden Wohnhauses und des offenen Grundstücks Helfensteinstraße 11 mit den hohen Bäumen (im Hintergrund).

Fuldatal. Das Unkraut wuchert meterhoch, Bauschutt und Müll liegen rund um das Haus auf dem Grundstück Helfensteinstraße 11 in Simmershausen. Das Wohngebäude sei ein Schandfleck und verfalle zusehends, „aber seit Jahren passiert nichts“, kritisieren Ute Ernst und Heinz Dreiling, zwei der Nachbarn.

Bewohner des seit 2003 leer stehenden Hauses seien Marder, Mäuse, Ratten und Waschbären. Letztere „haben meine Hühner zerpflückt“, sagt Sabine Linnerz, deren Grundstück direkt angrenzt. Kinder nutzten das Gelände immer wieder als Abenteuerspielplatz, ergänzt ihr Ehemann Kai Linnerz. Gingen auch im Haus auf Entdeckungstour. Über den Kellereingang oder die Terrassentür gelangen sie ins Innere. Beide Zugänge sind an diesem Tag weit geöffnet.

Beim Blick ins Wohnzimmer oder durch einen Briefkastenschlitz sind verbliebener Hausrat, gammelnde Papierberge aus Zeitschriften und Wurfsendungen zu sehen. An einem Briefkasten ist noch der Name der ehemaligen Eigentümerin zu lesen, die in dem Haus eine Katzenpension betrieb. Den Kindern könne er das Spielen nicht verbieten, „ich kann sie nur ermahnen, passt auf, dass ihr da heil wieder rauskommt“, meint der 49-jährige Linnerz.

Der Garten: Dort verrotten diese Laube und alte Ställe.

Mit der Situation an der Helfensteinstraße wollen sich die Nachbarn nicht abfinden. Über Jahre wandten sie sich an die Gemeinde, an die Evangelische Kirche, der das Grundstück gehört und es über Erbpacht Ende der 60er-Jahre zur Verfügung stellte. Die Nachbarn schrieben an die Sparda-Bank als Gläubiger der mit Schulden belasteten Immobilie, setzten sich mit dem Hessischen Immobilienmanagement in Verbindung, das das Haus für die Oberfinanzdirektion in Frankfurt am Main betreut. Denn an das Land fiel das Wohnhaus, als das Erbe ausgeschlagen worden war.

Als Ziegel vom Dach fielen, seien die zwar ersetzt worden und das Holz abgestorbener Bäume hätten sich einige Nachbarn holen können, sagt Ernst. Ansonsten habe es aber immer nur geheißen, „es sei kein Geld da für die Pflege des Grundstücks“, sagt Sabine Linnerz. So räumten die Nachbarn vor zwei Jahren selbst auf. Davon ist inzwischen nichts mehr zu sehen.

Unverständlich ist Heinz Dreiling, dass das Haus noch keinen neuen Eigentümer hat. Immer wieder gebe es Besichtigungen durch Interessenten. Auch mehrere Zwangsversteigerungen blieben erfolglos, „obwohl es Käufer gab“, sagt der 67-Jährige. Soll das Haus verkauft werden, könne man es nicht in diesem Zustand lassen, meint Ute Ernst. Und: „Ich denke, die wollen gar nicht.“

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck habe „immer wieder“ das Amtsgericht auf den „völlig verwahrlosten Zustand“ von Haus und Grundstück an der Helfensteinstraße 11 hingewiesen, sagt Ute Stey. Sie ist im Landeskirchenamt für die Liegenschaften zuständig. Das Gericht habe das Erbbaurecht 2010 an das Land übertragen, das damit für die Pflege zuständig sei. „Wir dürfen nicht auf das Grundstück.“

Die Kirche habe ein „Interesse daran, dass die Sache endlich geregelt wird“. Zwar bekomme man den Erbbauzins, pro Jahr etwa 500 Euro. Geld vom Land zu erhalten, „ist für uns aber unbefriedigend, denn es wohnt damit niemand in dem Haus und pflegt das Grundstück“.

Bauschutt und Müll: So sieht es vor dem Eingang des Hauses aus.

Die Erbpacht werde durch das Land gezahlt, „wir bedienen aber keine Schuldzinsen“, sagt Renate Gunzenhauser vom Hessischen Immobilienmanagement in Frankfurt. Dies sei erst recht nicht bei Objekten wie in Simmershausen zu vertreten, bei denen kein Erlös erzielt werde. Denn durch den möglichen Verkaufspreis werde lediglich die Grundschuld bedient.

Daher habe auch die Bank zu 100 Prozent die Hand auf dem Wohnhaus, sei aber nicht kooperativ. So habe allein sie zehn Führungen mit Kaufinteressenten durch die Immobilie veranstaltet. Bisher habe die Bank einen Verkauf aber verhindert.

Der Oberfinanzdirektion und dem Hessischen Immobilienmanagement ist laut Gunzenhauser an einem Verkauf des Hauses gelegen, das „eine stabile Bausubstanz“ habe. Denn für alle entstehenden Kosten komme derzeit der Steuerzahler auf. Übrigens sei das Immobilienmanagement „auf Belange der Nachbarn eingegangen“, werde bei Gefahr im Verzug tätig und sorge jetzt auch umgehend dafür, dass das Haus wieder verschlossen werde. Mehr sei nicht möglich.

Die Nachfrage von potenziellen Käufern des Hauses an der Helfensteinstraße sei riesig. „Sobald wir aber das Gutachten verschicken, machen viele einen Rückzieher“, sagt Maklerin Gitte Seidel von der MSI Immobiliengesellschaft in Frankfurt, die das Gebäude für die BAG-Bank Hamm vermarktet. Diese übernahm die Grundschuld auf dem Haus von der Sparda-Bank Hessen.

Haus in Simmershausen verkommt immer mehr

Zur Zwangsversteigerung im Mai war das Haus mit 74.200 Euro bewertet worden. Zum nächsten Termin im November wolle die Bank 65.000 Euro erlösen. Dieser Betrag ist laut Maklerin zu hoch. Zumal noch 85.000 Euro für Sanierung hinzukämen.

Die BAG-Bank wollte sich auf Anfrage zum Objekt in Simmershausen nicht äußern, Gründe: Datenschutz und Bankgeheimnis.

Von Michael Schräer

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