Heinrich Keim erzählte witzige Anekdoten rund um die Ahle Wurst

Nichts geht über Ahle Wurst: Renate Härtel (von links), Lieselotte Diegler, Gerda Spohr, Anneliese Euler und Margret Kutzner ließen Wurst-Papst Heinrich Keim im Heimatmuseum Altenritte probieren. Foto: Dilling

Baunatal. Wann bei ihr zu Hause das letzte Schwein geschlachtet wurde, daran kann sich Gerda Spohr, Vorsitzende des Schlachtschweineversicherungsvereins Baunatal, nicht mehr erinnern.

Wohl aber daran, dass der Trichinenbeschauer für die Kontrolle eines vier Zentner schweren Borstenviehs zwei Mark (umgerechnet gut einen Euro) kassierte.

Privates Schlachten ist aus der Mode gekommen, doch die Tradition hält der 80 Mitglieder zählende Verein hoch. Beim Ahle-Wurst-Abend mit Verkostung zum Stadtjubiläum im Vereinshaus Altenritte schnitten Damen des Vereins für die mehr als 50 Gäste die nordhessische Spezialität - gestiftet von örtlichen Metzgern - mundgerecht auf.

Für den Appetit sorgte dann der Wurst-Papst, Nahrungswissenschaftler, Pädagoge und Ehrenfleischermeister Heinrich Keim aus Gudensberg. Der Mittachtziger, früher Leiter der Knipping-Schule in Kassel, unterhielt seine Zuhörer mit witzigen Anekdoten und erklärte ihnen die Feinheiten der Herstellung von Ahler Wurscht. Schon im Barock sei die Wurstzubereitung ein großes Thema gewesen, aber nicht nur das. Von historischen Zeichnungen wisse man, dass die Wurst bei der Anbahnung höchst unzüchtiger Beziehungen zwischen den Geschlechtern eingesetzt wurde. „Gibst Du mir Deine Wurscht, lösch‘ich Dir Deinen Durst“, zitierte Keim aus einem alten Text über die Begegnung eines Manns und einer Frau.

Nordhessisches Kultobjekt

Im Mittelpunkt stand dann aber die Entwicklung der Ahlen-Wurscht zum nordhessischen Kultobjekt: Dürre Hunde, dürre Runde, Stracke oder Keule. Die Ahle Wurscht kommt mit Spitznamen, in ganz verschiedenen Formen und Geschmacksrichtungen daher. Bei allen Sorten sei aber die Lufttrocknung die besondere Kunst.

Die Qualität hänge dabei auch von der Hülle ab. Am besten eigne sich dafür der Enddarm des Schweins oder Flomenhaut. „Die hat Oma früher zusammengenäht“, berichtete Keim. Das Ganze nannte man dann Schlackwurst. „Schlackwurst ist das Marzipan vom Schwein“, schwärmte der Wurstexperte. (pdi)

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