Bestatter Stephan George hat täglich mit dem Tod zu tun - Innere Stärke im Umgang mit Angehörigen wichtig

Helfen, die Trauer zu bewältigen

Umgang mit Menschen ist wichtig: Bestatter Stephan George versucht seinen Kunden soviele Wege wie möglich abzunehmen, dass ihnen genügend Zeit zum Trauern bleibt. Foto: Mohr

Fuldatal. „Der Tod gehört zum Leben dazu, man vergegenwärtigt sich das nur nicht so“, sagt Stephan George. Der 57-Jährige machte sich 1996 in Fuldatal-Simmershausen mit einem Bestattungsunternehmen selbstständig. „In den Medien sieht man nur positive junge Menschen und das strahlende Leben.“ Dass der Mensch nicht unendlich lebt, werde nicht thematisiert.

Direkte Vorsorge selten

Darin sieht George auch den Grund dafür, dass in den meisten Sterbefällen keine Vorsorge getroffen wurde und die Angehörigen mit sämtlichen Entscheidungen allein gelassen werden. „Eine direkte Vorsorge ist selten, als junger Mensch sollte man aber zu Lebzeiten verantwortungsbewusst auch an seine Angehörigen denken“, sagt Stephan George.

Von Alpha bis Omega

In Fällen, wo weder testamentarisch noch mündlich geregelt ist, wie sich der Verstorbene seine Beerdigung gewünscht hat, ist die Arbeit des Bestatters besonders wichtig. „Ich begleite die Verstorbenen von Alpha bis Omega. Das fängt bei den Formalitäten wie der Beurkundung, den Zeitungsanzeigen und der Anmietung der Kapelle an und geht bis zur Trauerbewältigung.“

Über 95 Prozent der Kunden entscheiden sich aufgrund von Empfehlungen für ein Bestattungsunternehmen, schätzt George. „Deshalb ist mir wichtig, dass sich die Angehörigen wohl und verstanden fühlen“, sagt Stephan George. Sehr schwer fällt es dem gläubigen Christen mit den Eltern von verstorbenen Kindern zu sprechen. „Wenn junge Leute sterben, fragen die Eltern mich auch häufig nach dem Grund. Dann muss ich mich im Glauben auch manchmal selbst stark machen. “, sagt George. „Ganz am Anfang wusste ich nicht, wie ich den Angehörigen eines Verstorbenen begegnen sollte, denn ich hatte ihnen ja den Angehörigen entgültig weggenommen.“

„Mein Beruf ist es, den Angehörigen soviel wie möglich abzunehmen“,

So dürfe ein Bestatter aber nicht denken. Es sei vielmehr wichtig, dass er und die Angehörigen immer miteinander reden können. „Mein Beruf ist es, den Angehörigen soviel wie möglich abzunehmen und sie zu beraten, damit sie Zeit zum Trauern haben.“ Das Ausdrücken der Trauer äußert sich laut George ganz unterschiedlich. „Mental gehen Deutsche mit dem Tod ganz anders um als zum Beispiel Deutsch-Russen“, sagt George. Bei Deutsch-Russen sei die Abschiednahme tiefergehend. „Da will man für den Verstorbenen alles möglich machen und wenn es geht, sogar ein ganzes Wochenende mit vielen Leuten die Trauer feiern.“

Viele Deutsche hingegen assoziieren laut Stephan George mit einer Trauertafel nach der Beerdigung gleich „Fellversaufen“. „Dann versuche ich den Angehörigen zu erklären, dass der Sinn einer Trauertafel ist, dass sich Freunde und Verwandte noch einmal an den Verstorbenen mit Anekdoten erinnern können. Sie dürfen dann durchaus lachen“, sagt George und lächelt.

Überhaupt sei die Pietät ein sensibles Thema, aber als Bestatter sei der Humor sehr wichtig. „Gerade in meinem Beruf ist es wichtig, dass man seine Fröhlichkeit nicht verliert und auch mal von Herzen gerne lacht.“

Statt Wald jetzt wieder Friedhof

Dominik Kracheletz vom Bestatter-Verband Hessen

Bestatter ist ein relativ junger Ausbildungsberuf. Erst 2003 wurde er als solcher eingerichtet und eine Sparte der Handwerkskammer. Dies sagt Dominik Kracheletz aus Kassel, Vorstandsmitglied des hessischen Bestatterverbandes.

Bis 2003 waren es zum Beispiel Schreiner, die sich als Bestatter selbstständig machten und nach fünf Jahren Berufserfahrung Fortbildungsprüfungen ablegen konnten, um ein Zertifikat zu bekommen. Heute gehören zu den Ausbildungsinhalten Bereiche wie Recht, Materialkunde, Trauerpsychologie und hygienische Versorgung.

Den Erd- oder Feuerbestattung mit Grabstellen auf Friedhöfen - vor zehn Jahren die Regel - folgten Naturbestattungen, sagt Kracheletz. Grabsteine, Kränze oder Kerzen dürfen dort nicht aufgestellt werden. „Dieser Boom ist durch. Die Menschen speziell die älteren Angehörigen haben gemerkt, dass sie nur schwer in den Wald kommen.“ Auch der Trend zu anonymen Gräbern gehe zurück. Hinterbliebene wünschten sich einen Platz zum Trauern auf gut erreichbaren Friedhöfen. Dort aber durchaus pflegeleichte oder pflegelose Grabstellen.

Trauerfeiern individuell

Die Trauerfeiern werden laut Kracheletz immer individueller von der Farbe des Sargs über spezielles Grün oder mit Musik von Freunden. Und sie finden auch an Wochenenden oder abends statt. Regional gebe es natürlich Unterschiede, nicht nur zwischen Stadt und Land. Kracheletz: „Im Ballungsraum Südhessen geht es nur um Kampfpreise und Entsorgung.“ (mic)

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