Duo ist nicht überall erwünscht

Assistenzhund Albero unterstützt Niestetalerin

Niestetal. Er hört aufs Wort und weicht nicht von ihrer Seite. Albero öffnet Türen, und wenn etwas runtergefallen ist, hebt er es wieder auf. Er ist ein echter Gentleman – auf vier Pfoten. Der Labrador-Retriever-Mischling ist der Assistenzhund von Daniela Schmidtmann.

Die 30-jährige Niestetalerin leidet unter Mukopolysaccharidose. Eine Krankheit, die Skelett und Organe angreift. Schmidtmann fällt das Gehen schwer. Den Weg vom Wohnzimmer zum Bad schafft sie, den zum Bäcker nicht. Für lange Wege nimmt sie den Rollstuhl. Immer dabei ist Albero.

„Ich wollte schon immer einen Hund“, sagt die Verwaltungsfachangestellte. Als sie einen Bericht über die Assistenzhunde sieht, ist sie begeistert. Schuhe aufmachen, Jacke ausziehen – Assistenzhunde sind für Menschen mit Handicap eine große Hilfe. Schmidtmann bewirbt sich beim Verein Partner-Hunde Österreich. Der Verein bildet die Hunde für den deutschsprachigen Raum aus und vermittelt sie.

Wie sieht Schmidtmanns Alltag aus, wie ihr Krankheitsbild? Ist die Frau stur oder nachgiebig? Ein Fragebogen klopft Physis und Psyche ab. Der Verein will sichergehen, dass die Chemie zwischen Hund und Frauchen passt.

Sind seit 2008 ein Team: Daniela Schmidtmann und Assistenzhund Albero meistern zusammen den Alltag. Die Niestetalerin sitzt wegen einer Krankheit die meiste Zeit im Rollstuhl.

Ein Jahr vergeht. 2008 die gute Nachricht: Es gibt einen Assistenzhund für Schmidtmann. Damit sich die beiden auch verstehen, lernt Schmidtmann Kommandos. Zwei gemeinsame Wochen machen aus den beiden ein Team. „Nach dem dritten Tag war alles klar“, sagt Schmidtmann mit einem Lachen. „Albero hat geguckt, wo er mir helfen kann.“

Doch diese Hilfe ist nicht überall erwünscht. Immer wieder gibt es Probleme: Im Supermarkt, in der Confiserie und im Elektronikfachmarkt. Mal ist es die Sorge um den neuen Teppich, mal die Tatsache, dass frische Lebensmittel verkauft werden. Schmidtmann darf rein, aber ohne ihren Hund. Albero muss draußen bleiben.

In diesen Momenten beweist die Niestetalerin Geduld. Gebetsmühlenartig erzählt sie ihre Geschichte und dass sie auf den Hund angewiesen ist. Sie zeigt ihren Assistenzhund-Ausweis und zwei Schreiben von Stadt und Landkreis Kassel. Die Ausnahmegenehmigungen der Lebensmittelüberwachungsbehörden sind ihre stärksten Argumente.

„In Österreich gibt es diese Probleme nicht“, erklärt Schmidtmann. Dort ist gesetzlich geregelt, was Assistenzhund dürfen und was nicht. In Deutschland fehlt eine klare Gesetzgebung

„Manchmal überlege ich, ob mir die Diskussionen noch antue“, sagt Schmidtmann. In Kasseler und Niestetaler Geschäften kennt man sie inzwischen. „Es bringt aber nichts, wenn ich hier reinkomme und woanders nicht, ich will mich mit dem Rollstuhl frei bewegen.“

Von Anke Laumann

Rubriklistenbild: © Laumann

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