Zensus 2011: Wegen PC-Problemen warten Helfer auf ihr Geld

Frustriert: Christoph Harnack aus Kaufungen hat seinen Job als Interviewer für den Zensus 2011 erledigt, das Geld dafür hat er aber noch nicht erhalten. Foto:  Janet Hahn /nh

Kaufungen / Kassel. Rund 50 Haushalte im Wohngebiet unterhalb der DRK-Klinik in Oberkaufungen klapperte Christoph Harnack als Interviewer für den Zensus 2011, die erste deutschlandweite Datenerhebung seit der Volkszählung 1987, ab.

Mit manchen Hausbewohnern führte der 40-Jährige Interviews, bei anderen gab er die Erhebungsbögen lediglich ab.

Das Honorar für die ehrenamtliche Tätigkeit - im Amtsdeutsch Aufwandsentschädigung genannt - beziffert Harnack mit 1000 bis 1200 Euro. Von dem Geld, das der Landkreis Kassel als zuständige Stelle an den sogenannten Erhebungsbeauftragten zahlen muss, hat der gelernte Bankkaufmann bis heute allerdings noch keinen Cent gesehen. Stattdessen erhielt er einen Brief von der Kreisverwaltung. Darin avisiert die Behörde dem Interviewer lediglich eine Abschlagszahlung von 250 Euro.

Brief vom Landkreis: In dem Schreiben kündigt die Behörde an, dass es erst mal nur eine Abschlagszahlung gibt.

Zur Begründung verweist Nadine Koch, Leiterin der Erhebungsstelle, in dem Brief auf das „hohe Arbeitsaufkommen“. Sobald alle Erhebungsbögen Harnacks erfasst worden seien, „werden wir Ihnen die restliche Aufwandsentschädigung überweisen“, schreibt sie.

Der Fall von Christoph Harnack - der Mann ist als Außendienstmitarbeiter tätig - ist im Landkreis kein Einzelfall. Mehr noch: Landauf, landab klagen Zensus-Beauftragte über ausstehende Zahlungen und wenig überzeugende Begründungen seitens der Behörden. In Goslar beispielsweise warteten Anfang August 280 Interviewer auf ihr Geld. Erst als die Medien über den Missstand berichteten, begann die Verwaltung der Harz-Stadt mit der Zahlung von Abschlägen. In der Stadt Kassel gibt es nach Auskunft von Pressesprecher Hans-Jürgen Schweinsberg ebenfalls einige Probleme bei der Eingabe der Daten in den Computer. Bis Ende September soll das Procedere beendet sein, danach erhalten die Zensus-Mitarbeiter laut Schweinsberg ihre Aufwandsentschädigung. Auf ausdrücklichen Wunsch der Betroffenen habe die Stadt in einigen Fällen aber bereits Abschlags- und Teilzahlungen geleistet.

Als Begründung für die Verzögerung habe die Leiterin der Erfassungsstelle beim Landkreis Kassel in einem Telefongespräch mit ihm ebenfalls Probleme mit der Computer-Software genannt, berichtet Interviewer Harnack. Sie habe ihm geraten, sich beim Statistischen Bundesamt in Wiesbaden zu beschweren.

Auch von der in Aussicht gestellten Abschlagszahlung von 250 Euro hat Christoph Harnack nach eigenen Angaben bis heute noch keinen Cent gesehen.

Von Peter Ketteritzsch

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