Posaunenchor Großenritte feiert seinen 100. Geburtstag gemeinsam mit britischen Vorbildern

Mit hellem, vollem Bläserklang

Víel Blech im Gleichklang: Thomas Wagner (rechts vorn) probt mit seinen Bläsern im Gemeindehaus für das große Jubiläumskonzert mit Musikerkollegen aus Wales in der Baunataler Stadthalle. Foto: Dilling

Baunatal. Brass-Bands haben in Großbritannien eine lange Tradition. Seit mehr als 150 Jahren gibt es dort viele Orchester, die ausschließlich mit speziellen Blechblasinstrumenten spielen, deren Markenzeichen ein heller, voller Klang ist. Brass (zu deutsch Blech). Inzwischen reicht die Tradition bis nach Großenritte, nämlich in den dortigen Posaunenchor.

Bei Susan Samuel ist „Brass“ Familiensache. Die Waliserin spielte mit acht Geschwistern in einer Band, bevor sie der Liebe wegen nach Baunatal kam. Dort hat sie auch musikalisch eine neue Heimat gefunden, die nach der alten klingt: Seit vier Jahren spielt Samuel das Cornett (ähnlich einer Trompete) im Posaunenchor, der seit den 70er-Jahren den Brass-Bands von der britischen Insel nacheifert.

Zum 100-jährigen Bestehen des Posaunenchors der evangelischen Kirchengemeinde werden die Großenritter mit ihren englischen Vorbildern ein gemeinsames Konzert geben. Die elfköpfige Pembroke Borough Silver Band aus Wales kommt nach Baunatal. Das wird zugleich ein Familientreffen für Samuel sein. Denn einige Verwandte spielen in dieser Band. „Wir haben vorher die Noten der Stücke per Post ausgetauscht und getrennt eingeübt“, erzählt Dirigent Thomas Wagner.

Der Brass-Band-Stil ist längst zum Markenzeichen des Großenritter geworden und steht für eine Zeit des Umbruchs im Ensemble. „Es gab damals viele junge Leute im Posaunenchor, die konnte man mit Kirchenmusik allein nicht halten“, sagt Jürgen Kothe, der zweite Vorsitzende. Der damalige Dirigent Manfred Deuble erweiterte das Repertoire, indem er Noten aus England besorgte.

Das brachte Zulauf an Musikern und eine steigende Beliebtheit des Posaunenchors. Er spielte auf vielen Festen, begleitete die Einweihung des Parkstadions und eröffnete musikalisch den Hessentag in Baunatal. Zuletzt zeigten die Großenritter während eines Konzerts mit dem Gesang- und Kulturverein Kirchbauna, wie vielseitig Brass ist: Neben Chorälen haben die 15 Aktiven Rock, Pop und Filmmelodien im Repertoire.

Daran haben die Gründerväter des im Dezember 1912 von elf Bläsern ins Leben gerufenen Chors, der bei seinem ersten Auftritt im Weihnachtsgottesdienst „Oh du fröhliche...“ spielte, sicher nicht gedacht. Damals umrahmten die Bläser vor allem die Beerdigungen musikalisch. Während der Nazi-Zeit erwiesen sich Trompeter und Posaunisten als standhaft: Sie weigerten sich, aus dem Chor oder der Kirche auszutreten.

Kirchliche Feste

Der Kirchengemeinde ist der Posaunenchor bis heute eng verbunden, auch wenn er konfessionsoffen ist. Er spielt zu allen wichtigen kirchlichen Feiertagen. Um den Nachwuchs muss das altersmäßig gut gemischte Orchester immer neu werben. Die Konkurrenz anderer Freizeitangebote sei groß, sagt Wagner.

Als ausgebildeter Musiklehrer hilft er Neulingen über die ersten Hürden hinweg. Interessierte können bei den Proben des Chors „schnuppern“.

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