Berühmter Wickenröder: Johannes Kunckel hat das Gold-Rubinglas erfunden – Mit Adelstitel belohnt

Von Helsa bis London und Paris

Gold-Rubinglas: Johannes Kunckel hat im 17. Jahrhundert das Gold-Rubinglas erfunden.

Helsa. Wenn man heute im Telefonbuch unter Helsa blättert, findet man mindestens zehn Eintragungen unter dem Namen Gunkel, allesamt im Ortsteil Wickenrode. Schon im 16./17. Jahrhundert war dieser Name bekannt und hatte einen hohen Stellenwert.

Damals noch Kunckel oder Konckel geschrieben, werden viele von ihnen als tüchtige Glasmacher genannt. Dank gutem Sand und Ton entwickelten sich die Kunkels zu erfolgreichen Glasmeistern.

Der berühmteste unter ihnen ist Johannes Kunckel, der 1692 von König Karl XI. von Schweden mit dem erblichen Adelstitel „von Löwenstern“ ausgezeichnet wurde.

Erstmals als Betreiber einer Glashütte wurde 1543 Jörg Kunckel als „Glasermeister unten in der Nehist“ (Nieste) genannt. 1559 wird ein Friedrich Kunckel erwähnt. 16 Glashütten standen damals im Kaufunger Wald. 1574 betrieb Franz Kunckel an der Wengebach bei Nieste eine Glashütte. Später führte ihn seine Glasmacherkunst nach Holstein, gefolgt von sechs Hüttenknechten aus seiner Heimat. Sein Familienwappen befand sich im Gestühl der Eckenförder Kirche und ist jetzt im Museum zu sehen.

Sein Enkel Jürgen brachte es zum Glashüttenmeister, Scheidekünstler und Hofalchimist. Dessen Sohn Johannes sollte dann der berühmteste Kunckel werden.

Nach dem Erlernen des Gläsnerhandwerks widmete er sich der Apothekerkunst und arbeitete als Chemicus in Rendsburg. Als Geheimer Kammerdiener diente er 1667 bei Georg II von Sachsen. Wenig später wurde er in Brandenburg als Leiter des Kurfürstlichen Vorwerks in Drewitz/Podsdam benannt. In den folgenden Jahren baute er eine Glashütte auf der Pfaueninsel, wo ihm erstmals die Fertigung eines Gold-Rubinglases gelang. Diese so genannten Kunckelgläser stehen heute in Museen in Paris, London, München, St. Petersburg und auch Kassel.

Von Kurfürst Friedrich Wilhelm wurde er dafür mit Gut und Ländereien bedacht. Auf der Potsdamer Pfaueninsel errichtete er ein Glaslaboratorium und schrieb hier sein berühmtes Werk: „Die vollkommene Glaskunst“.

1688 starb der Kurfürst und sein Nachfolger Friedrich III entzog Kunckel alle Privilegien. König Karl der XI. von Schweden, der das Talent von Kunckel hoch einschätzte, holte ihn daraufhin als Bergrat nach Stockholm, wo er unter anderem als Berater im Kupferbergwerk Falun tätig wurde. Der Adelstitel ist der Lohn für seine erfolgreiche Arbeit. Im Jahr 1703 starb Johannes Kunckel. Die Kunkelstraße in Berlin, ein Gedenkstein auf der Pfaueninsel und eine Büste im Deutschen Museum in München erinnern noch heute an den berühmtesten Nachfahren der Wickenröder Glasmacher. (nh) Weitere Informationen: Die ausführliche Geschichte des Johannes Kunckel ist im Archiv des Geschichtsvereins Helsa nachlesbar. Das Archiv im Helsaer Rathaus (Dachgeschoss) ist mittwochs von 9 bis 12 Uhr geöffnet, www.geschichtsverein-helsa.de

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