Tunnel 20 Meter unter Lossebahn

A 44: Tramstrecke und B 7 bei Eschenstruth unterquert

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Heikler A 44-Bauabschnitt: Die Gleise der Lossetalbahn bei Eschenstruth werden in den kommenden Tagen von den Tunnelbaumaschinen in 20 Metern Tiefe unterquert. Um die Bahnstrecke auf Bodensetzungen zu kontrollieren, wurden auf den Schwellen Prismen (gelbe Halterung mit rundem Prisma) installiert, die von hochpräzisen Messgeräten überwacht werden.

Helsa. Arbeiter haben sich beim Bau des A 44-Tunnels Hirschhagen bereits 580 Meter weit in den Boden gegraben und über Ostern die B 7 bei Eschenstruth erreicht. In 20 Metern Tiefe wurde die B 7 unterquert. Bis Mai wollen die Mineure mit ihren schweren Baggern in der Erde auch die parallel verlaufende Lossetalbahn erreichen.

In wenigen Wochen werden sie dann die Losse 20 Meter tief im Boden passieren.

Die drei Querungen sind mit die heikelsten Abschnitte beim Bau des 4,2 Kilometer langen Tunnels Hirschhagen. Ein Absinken des Bodens sei nicht auszuschließen, sagte Hessen-Mobil-Sprecher Horst Sinemus, die Experten hätten "geringfügige Setzungen prognostiziert".

Um Verwerfungen des Bodens durch die Tunnelarbeiten zu minimieren, wurden laut Sinemus umfangreiche Vorkehrungen getroffen. So wurde vor den Querungen das Vortriebsverfahren unter Tage verändert. Es werden nun sogenannte Rohrschirme aus hochfestem Stahl 15 Meter weit in Tunnelrichtung in den Boden getrieben und mit Zement ummantelt. Das so entstehende Stahlbeton-Gewölbe soll ein Absinken des Gesteins und damit Beschädigungen an der Tramstrecke und der Bundesstraße verhindern. Erst wenn das Gewölbe tragfest ist, wird das innenliegende Gestein mit Baggern gelöst, um es dann mit Muldenkippern aus der Tunnelbaustelle ins Freie zu transportieren.

Die Autofahrer werden auf der B 7 vorsorglich mit dem Schild "Unebene Fahrbahn" auf mögliche Bodenwellen aufmerksam gemacht. An der Tramstrecke wurden hochsensible Messgeräte installiert, um Setzungen des Bodens zu erfassen. Zwei sogenannte Tachymeter, die westlich der Tramtrasse aufgebaut wurden, registrieren Veränderungen an den Gleisen in den drei Koordinatenrichtungen (längs, quer, in der Höhe).

Dazu wurden auf einer Länge von 130 Meter in regelmäßigen Abständen Prismen an den Bahnschwellen angebracht, die von den Tachymetern kontrolliert werden. Registriert werden schon minimale Veränderungen, die unter einem Millimeter liegen. Eines der teuren Präzisionsgeräte war Anfang März von Unbekannten abmontiert und gestohlen worden, mittlerweile ist es aber ersetzt. Außerdem wurden die Schwellen und die Fundamente der Oberleitungsmasten mit Neigungsmessern versehen. Die Messstationen sind an ein Steuergerät angeschlossen, das die Daten über Funk an einen zentralen Rechner sendet. Hier werden sie kontinuierlich ausgewertet und mit vorher festgelegten Warnwerten verglichen.

Archiv-Video: Baubeginn des Tunnels Hirschhagen

Bei einer Überschreitung werden der Fahrdienstleiter in Kassel und andere Verantwortliche umgehend per SMS und E-Mail informiert. So kann innerhalb von fünf Minuten die Fahrgeschwindigkeit der Bahnen reduziert werden; bei größeren Setzungen wird die Strecke sofort gesperrt.

Archiv-Bilder von den Bauarbeiten am Tunnel

Baustelle Tunnel Hirschhagen

Von Holger Schindler

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