Sand sorgt für Probleme

A44-Tunnel Hirschhagen: Baustelle jetzt unter B7 und Lossetalbahn

Helsa. Derzeit läuft der wohl schwierigste Abschnitt beim Bau des 4,2 Kilometer langen A 44-Tunnels Hirschhagen. Die Tunnelbauer befinden sich zurzeit in 20 Metern Tiefe exakt unter der B7.

Maschinen kreischen. Es ist dunkel und heiß, die Luft ist durchsetzt mit feinem Staub. Wasser tropft von der Decke. Im gleißenden Licht eines Scheinwerfers versuchen Tunnelarbeiter, den Sand in der Wand der Tunnelspitze mit Spritzbeton und Armiereisen zu stabilisieren. Wir befinden uns 20 Meter tief unter der Bundesstraße 7 bei Helsa und gut 600 Meter weit im Berg.

Es ist der schwierigste Abschnitt beim Bau des 4,2 Kilometer langen A 44-Tunnels Hirschhagen. Grund ist die Beschaffenheit des Bodens. Denn die Tunnelbauer treffen hier nicht wie bisher auf roten Buntsandstein, sondern auf losen Sand und Ton mit Einsprengseln von Braunkohle. Zusammen mit Wasser ist das ein gefährliches Gemisch - der Berg ist hier nicht stabil, sondern zähflüssig wie Pudding. Entsprechend langsam kommen die Arbeiter unter Tage zurzeit voran. Wo die Mineure bisher 30 Meter pro Woche schafften, sind es nun im gleichen Zeitraum nur vier bis fünf Meter.

15 Meter langer Betonschirm 

Um Senkungen und Einbrüche zu verhindern, stabilisieren die Tunnelarbeiter den Berg zunächst mit einem 15 Meter langen Betonschirm, der waagrecht in den Boden getrieben wird. Erst dann kann das darunterliegende Material mit einem Bagger entfernt und mit Muldenkippern nach draußen befördert werden.

Die Seitenwände werden zur Stabilisierung mit Stahl und Spritzbeton ausgekleidet. In der Mitte der Tunnelröhre bleibt als Stütze noch Material stehen. Erst wenn alles stabil ist, wird es mit einer Diamantsäge herausgeschnitten.

Trotz aller Anstrengungen und Sicherheitsvorkehrungen hat sich das Gelände über der Tunnelröhre leicht gesetzt. Das sei normal und zu erwarten gewesen, heißt es von der Verkehrsbehörde Hessen Mobil.

Sechs bis sieben Zentimeter ist der Boden im Bereich der B 7 in den vergangenen zwei Monaten abgesunken, teilte Reinhold Rehbein von Hessen Mobil mit. Er rechnet hier mit keinen weiteren Setzungen.

Auch die Schienen der Lossetalbahn, die in den nächsten Wochen ebenfalls in 20 Metern Tiefe vom Autobahntunnel unterquert werden, haben sich bereits um ein bis zwei Zentimeter gesenkt, sagt Rehbein. „Die Fahrgäste merken davon nichts.“

Überwachungssystem 

Für die Kontrolle der Tramtrasse wurde ein kompliziertes Überwachungssystem aufgebaut, das vollautomatisch Absenkungen des Bodens aufzeichnet und bei größeren Setzungen in Echtzeit Alarm auslöst. In diesem Fall - der noch nicht eingetreten ist - würden Trambahnen sofort gestoppt beziehungsweise aus der Gefahrenzone bugsiert.

A44-Tunnel Hirschhagen

Zur Stabilisierung der Gleise wurde das Schotterbett jedoch bereits einmal nachgestopft. Dazu steht in Kassel ein entsprechender Zug bereit. Bei den Tramgleisen könnte es weitere Setzungen geben, denn noch befindet sich die Baustelle nicht genau unter den Gleisen.

Der schwierige Bauabschnitt führt noch weiter und unterquert demnächst auch die Losse. Um ein Absaufen des Tunnels zu verhindern, wurde das Bachbett in diesem Bereich mit Folie ausgekleidet. Außerdem wurden vier Brunnen gebohrt, mit denen der Grundwasserspiegel abgesenkt wird.

Hintergrund

Baukosten von 6 Millionen Euro pro Monat 

Der A 44-Abschnitt zwischen der im Bau befindlichen Anschlussstelle Helsa-Ost und Hessisch Lichtenau ist 5,9 Kilometer lang.

4,2 Kilometer misst allein der Tunnel Hirschhagen; es wird der längste Straßentunnel in Hessen und der zweitlängste in ganz Deutschland. Die restlichen 1,7 Kilometer verlaufen als freie Strecke am Hang des Stiftswalds. 2018 soll der ganze Abschnitt fertig sein.

Die Kosten für die 5,9 Kilometer Autobahn belaufen sich auf 250 Mio. Euro. Zurzeit verschlingt die Baustelle pro Monat 6 Mio. Euro.

Von Holger Schindler

Rubriklistenbild: © Schindler, Holger

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