Fertigstellung frühestens 2019

Die Schienen senkten sich: Bauarbeiten an A44-Tunnel dauern länger 

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Das Südportal bei Helsa ist fast fertig: Beim Bau des A 44-Tunnels Hirschhagen gab es Probleme durch instabile Verhältnisse im Boden. Die Hessen-Mobil-Mitarbeiter Horst Sinemus (links) und Reinhold Rehbein informierten die HNA über den Stand der Arbeiten.

Helsa/Hessisch Lichtenau. Wegen schwieriger geologischer Verhältnisse durch losen Sand im Boden verzögert sich die Fertigstellung des A44-Tunnels Hirschhagen bei Helsa.

Statt im Jahr 2018 kann der mit 4,1 Kilometer längste Straßentunnel in Hessen frühestens 2019 in Betrieb genommen werden.

Der anschließende Bau der bis zu 80 Zentimeter starken Beton-Innenschale wird ein Jahr in Anspruch nehmen (bis Ende 2016). Der Einbau der Fahrbahn, von Entwässerung und technischer Ausstattung wird weitere zwei Jahre dauern. Bis zu 250 Arbeiter sind auf der Großbaustelle beschäftigt. Die Baukosten belaufen sich auf 247 Millionen Euro.

Die vergangenen Monate waren für die Tunnelbauer an der A 44 bei Helsa eine große Herausforderung: Als die Mineure beim Bau des Tunnels Hirschhagen die Losse unterquerten, trafen sie immer wieder auf wenig tragfähige Schichten wie losen Sand mit Braunkohle-Einsprengseln und Wasserlinsen. Das bewegliche und nachrutschende Material im Boden musste aufwendig mit Beton und Stahl stabilisiert werden. „Das hat Zeit gekostet“, sagte Reinhold Rehbein von Hessen Mobil bei einem Baustellenrundgang mit der HNA. Ein halbes Jahr sei man deswegen im Zeitverzug. Ob sich auch die Baukosten erhöhen, sei noch unklar, denn in Teilbereichen habe man günstiger bauen können.

Die beiden Tunnelröhren führen in 20 Meter Tiefe unter der Losse, der Bundesstraße 7 und der Lossetalbahn hindurch. Die Bauarbeiten haben an der Oberfläche Spuren hinterlassen. So haben sich die beiden Verkehrswege deutlich gesenkt.

Die B 7-Fahrbahn setzte sich laut Rehbein im Laufe der vergangenen Monate insgesamt um zwölf Zentimeter ab. Allerdings werden nur aufmerksame Autofahrer die sanfte Mulde auf einer Länge von hundert Meter am Bahnhof Eschenstruth wahrnehmen. Eine Gefahr sieht Rehbein in dieser Senkung nicht. Seit der Fertigstellung der beiden Röhren in diesem Bereich habe sich die Erde beruhigt. So habe man die Tonnage-Begrenzung auf der B 7 auf maximal 44 Tonnen, die während des Baus galt, inzwischen aufgehoben.

Auch eine weitere Straße - die Wilhelm-Ströpke-Straße, die zur Siedlung Waldhof führt - ist betroffen. Dort bildete sich ein Riss in der Fahrbahn, er wurde provisorisch geschlossen.

Gravierend waren die Senkungen bei der Lossetalbahn: Die Schienen haben sich insgesamt um 30 Zentimeter gesetzt. Allerdings nicht auf einen Schlag, sondern peu à peu. In den vergangenen Wochen rückte immer wieder ein sogenannter Stopfzug an, der in nächtlichen Einsätzen neuen Schotter unter die Schienen presste und so die Gleise jeweils wieder auf das ursprüngliche Niveau beförderte. „Das hat super funktioniert“, sagt Hessen-Mobil-Planer Rehbein. Durch eine aufwendige Messeinrichtung waren Veränderungen an den Gleisen automatisch registriert worden.

Probleme bereitete auch Grundwasser, das sehr stark mit Giftstoffen aus der früheren Munitionsfabrik Hirschhagen belastet war. „Glücklicherweise war das nur eine geringe Menge“, sagte Rehbein. Es sei in der Aktivkohle-Filteranlage an der Baustelle gereinigt und dann in die Losse geleitet worden.

Mithilfe von 20 Brunnen sei der Grundwasserspiegel nun so weit abgesenkt, dass das Wasser die im Boden ruhenden Giftstoffe nicht mehr erreiche. „Das Grundwasser ist jetzt weitgehend sauber“, so der Planer. Das Wasser werde überwacht und in einem Labor in Marburg untersucht. Die Ergebnisse gehen auch an das Regierungspräsidium in Kassel. Nach Abschluss der Bauarbeiten werde man den Wasserspiegel wieder anheben. „Dann stellt sich der Zustand her, wie er vorher war“, meint Rehbein.

Der Planer ist zuversichtlich, dass die Arbeiten nun zügig vorangehen. Die kritische Stelle der Unterquerung von Bach und Verkehrstrassen sei nun geschafft. 

Hintergrund

Von der Ost-Seite (Hessisch-Lichtenau) haben sich die Tunnelarbeiter bis jetzt 2300 Meter weit in den Berg vorgearbeitet, von der West-Seite (Helsa) sind es etwa 1000 Meter. Für Anfang November rechnen die Planer von Hessen Mobil mit dem Tunneldurchstich.

Bau des A44-Tunnels Hirschhagen dauert länger

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