A44-Weiterbau bei Helsa: Große Angst vor dem Tunnel

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„Was kommt auf uns zu?“: Schon jetzt kreisen Norbert Schöben (links) und Kai Hesse täglich die Gedanken um den Bau des A44-Tunnels Helsa. Im Hintergrund ist das letzte Haus im Tal Mariengrund zu sehen. Dort wo die beiden Männer stehen, wird in etwa 20 Metern Tiefe der Tunnel Helsa durch den Fels getrieben.

Helsa. Noch werden Jahre bis zum Bau des A44-Tunnels Helsa vergehen. Hessen Mobil ist nach wie vor mit der Detailplanung des letzten Autobahnstücks von Helsa nach Kassel durch das Lossetal beschäftigt. 

Mit Beginn des Planfeststellungsverfahrens wird gegen Ende 2018 gerechnet. „Doch denken wir schon jetzt fast täglich an diesen Tunnel“, sagen Norbert Schöben und Kai Hesse aus Helsa. Die beiden leben mit ihren Familien in der Siedlung Mariengrund am Hang des Stiftswaldes und sie wissen: Der rund 1400 Meter lange Tunnel Helsa wird bald fast direkt unter ihren Häusern hindurch in den Fels gesprengt werden. „Das macht uns natürlich Sorge“, sagen Schöben und Hesse. Sie sprechen für alle Anwohner in Mariengrund, 14 Häuser stehen dort, jeder kennt hier jeden.

Noch warten sie auf klärende Worte von Hessen Mobil, dem Baulastträger, der das ganze Vorhaben plant und durchführt. „Noch wissen wir fast gar nichts“, sagen die beiden.

Sorge bereiten ihnen nicht nur die zu erwartenden Sprengungen im Berg. „Was ist mit den Erschütterungen? Könnten unsere Häuser beschädigt werden?“, fragen Schöben und Hesse. Immerhin wird die Tunnelröhre nicht besonders tief durch den Berg geführt, „vielleicht 20 Meter?“, mutmaßen die beiden. Störzonen oder Ton-Sand-Braunkohle-Einschlüsse im Buntsandstein könnten zu Absenkungen führen. „Bei der Querung des Tunnels Hirschhagen unter dem Lossetal sind Senkungen von bis zu 40 Zentimetern vorgekommen“, sagt Schöben. Und überhaupt: Wohin kommt die riesige Logistikfläche für den Tunnelbau? So könnte sie direkt am West-Portal des Tunnels Helsa – keine 300 Meter westlich von Mariengrund entfernt – eingerichtet werden. „Wer sich die Logistikfläche für den A44-Tunnel Hirschhagen am Westportal an der B7 gegenüber von Waldhof ansieht, ahnt, um welche Dimensionen es sich dabei handelt. Ein Fußballfeld reicht da nicht mehr aus“, sagt Schöben.

Direkt westlich von Mariengrund schließt sich der Talschluss „Hinter der Mühle“ an. In diesem Bereich wird das Westportal des Tunnels Helsa mitsamt Anschlussstelle gebaut.

Nach seiner Einschätzung reiche der kleine Talschluss direkt westlich von Mariengrund, genannt „Hinter der Mühle“, nicht für solch eine Logistikfläche aus. Heute befinden sich dort Pferdekoppeln, alte Bäume, Hecken und eine kleine Feuchtwiese. „Ein Idyll“, sagt Schöben, das die Menschen vor Ort für Spaziergänge nutzten. Das alles würde verschwinden – „sowieso, denn hier sollen ja Teile des Tunnelabraums hin, auch um Lärmschutz für die geplante Anschlussstelle aufschütten zu können“, sagt Schöben.

Eine dritte große Sorge ist der ganze Baustellenverkehr, der ganze Staub, Dreck und Lärm, der auf die Leute in Mariengrund zukommen wird. So ist nicht klar, ob die schmale Straße Mariengrund überhaupt in irgendeiner Weise für den Baustellenlaster genutzt werden soll. „Oder soll der Verkehr doch über die B7 abgewickelt werden?“

Sicher ist indessen: Der Tunnel Helsa wird das Leben der Menschen in Mariengrund verändern – nicht erst nach seiner Fertigstellung, sondern auch schon während der etwa dreieinhalbjährigen Bauzeit. Den Kontakt zur lokalen Politik wollen sie demnächst suchen. „Wir wollen einfach nur nicht übergangen werden“, sagen die beiden.

Hintergrund: Planung des A44-Abschnitts

Wie Hessen Mobil in einer ersten Reaktion mitteilt, wird die Planung des A44-Abschnitts zwischen Helsa und Kassel derzeit fortgeschrieben. „Dabei fließen die Anmerkungen des Bundesverkehrsministeriums sowie die im Dialogverfahren gewonnen Erkenntnisse mit ein“, sagt Hessen-Mobil-Sprecher Horst Sinemus. Erst im Jahr 2018 sei die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens beziehungsweise die Fortführung des laufenden Verfahrens in Form eines Planänderungsverfahrens vorgesehen. So will Hessen Mobil in jedem Fall nach Abschluss der Planungen unter anderem zum Tunnel Helsa zu einer Info-Veranstaltung einladen, um die Bürger vor Ort direkt zu informieren. Trotz noch laufender Planungen will Hessen Mobil schon jetzt – soweit es der Planungsstand zulässt – Antworten auf die Fragen der Anwohner in Mariengrund geben. Die HNA wird hierzu in den nächsten Tagen eine entsprechende Veröffentlichung machen. 

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