Fragen und Antworten zum Projekt

Ausbau der A44: In 18 Metern Tiefe geht es durch den Berg

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Direkt westlich von Mariengrund schließt sich das Tal „Hinter der Mühle“ an. Dieser Bereich wird komplett verschwinden.

Helsa. Der in einigen Jahren anstehende Bau des A44-Tunnels Helsa beschäftigt die Menschen vor Ort.

Vor allem hat sich bei den Anwohnern der Siedlung Mariengrund schon jetzt ein Berg von Fragen aufgetürmt – fast direkt unter ihrer Siedlung soll der Tunnel durch den Berg gebaut werden.

Jetzt gibt Hessen Mobil Antworten – „so gut es geht“, sagt Sprecher Horst Sinemus, denn der aktuelle Planungsstand erlaube derzeit bestenfalls Annahmen und Abschätzungen. „Da kann sich noch einiges ändern“, sagt Sinemus.

Wann ist frühestens mit dem Baubeginn des Tunnels zu rechnen?

„Eine seriöse Antwort hierauf gibt es noch nicht“, sagt Sinemus. Erst im dritten Quartal 2018 sei mit dem Beginn des Planfeststellungsverfahrens mitsamt Anhörung und Planfeststellung zu rechnen. Ob danach Klagen den Baustart verzögerten, sei völlig offen. Erst nach Vorliegen des Baurechtes könne dann mit der Vergabe der Bauleistung begonnen werden. Weil EU-weit ausgeschrieben werde, „kann es auch hier wieder zu Verzögerungen wegen Bieterklagen kommen“.

Wie lange wird am Tunnel gebaut werden?

Die Bauzeit für den Tunnel Helsa dauert etwa 3,5 Jahre.

Wo wird die Logistik für den Tunnelbau platziert?

Konkrete Planungen liegen noch nicht vor. „Wie beim Tunnel Hirschhagen sollten durch die Baulogistikflächen aber keine zusätzlichen Eingriffe verursacht werden“, sagt Sinemus. In der bisherigen Planung ist vorgesehen, dass der Trassenbereich und die Flächen der Geländemodellierungen am Westportal (Hinter der Mühle) als Baulogistikflächen genutzt werden. Sollte das Areal nicht ausreichen, könnten die späteren Fahrbahnflächen der A 44 in Richtung Kassel zur Erweiterung der Baulogistikfläche genutzt werden.

Wird die Baulogistikfläche mit der B 7 verbunden, oder mit der Straße Mariengrund?

Verbindliche Aussagen lassen sich auch an dieser Stelle noch nicht machen. „Es ist aber davon auszugehen, dass die Baustelle wie auch beim Tunnel Hirschhagen über die B 7 erschlossen wird“, sagt Sinemus. Eine Nutzung der Zufahrt nach Mariengrund könne jedoch nicht ganz ausgeschieden werden. Wegen der Betroffenheit der Anwohner wäre eine solche Erschließung aber nicht für größere Erdmassentransporte geeignet.

60 Meter entfernt von den letzten Häusern oben im Talschluss von Mariengrund (Standort Fotograf) wird der Tunnel Helsa durch den Berg gebaut – in 18 Metern Tiefe. 

Inwieweit wird die Siedlung während der Bautätigkeit vor Lärm, Schmutz und Staub geschützt?

„Ganz ohne Belastungen der Anwohner ist der Bau der A 44 und auch der Bau des Tunnels Helsa nicht realisierbar“, sagt Sinemus. Auch während der Bauzeit seien aber gesetzliche Grenzwerte in Bezug auf den Baulärm einzuhalten. „Die Siedlung Mariengrund erfährt aber allein wegen ihrer Topographie schon einen gewissen Schutz, da die Wohnbebauung durch einen bewaldeten Geländerücken vom Portalbereich getrennt ist“.

Und wie wird die Siedlung nach Fertigstellung des Tunnels vor Lärm und Abgasen geschützt?

Grundsätzlich müssen im Siedlungsbereich gesetzliche Grenzwerte sowohl für Lärm als auch für Luftschadstoffe eingehalten werden. Bisherige Gutachten zeigen, dass Luftschadstoffe aus dem Tunnelportal (der Tunnel wird ausschließlich über die Portale be- und entlüftet) nah am Fahrbahnrand bereits deutlich verdünnt werden. „Eine Überschreitung der Luftschadstoffgrenzwerte in Mariengrund ist daher nicht zu befürchten“, sagt Sinemus. Mit Blick auf den von der A 44 und der Anschlussstelle ausgehenden Lärm müssen adäquate Lärmschutzwände oder -wälle gebaut werden. Diese werden in ihrer Dimensionierung noch durch das Luftschadstoffgutachten genau bemessen.

Was für eine Geologie herrscht im Berg unter Mariengrund?

Der Tunnel Helsa wird im Bundsandstein aufgefahren. „Deutliche Hinweise auf Störzonen wurden nach Probebohrungen nicht festgestellt; diese können jedoch bei der vorliegenden Morphologie nicht ausgeschlossen werden“, sagt Sinemus. Störzonen wie im Bereich der Lossequerung des Tunnels Hirschhagen sind aber im Verlauf des Tunnels Helsa nicht zu erwarten.

Muss beim Tunnelvortrieb gesprengt, oder kann auch gebohrt werden?

Genaue Angaben zum Vortrieb werden erst vom neu zu beauftragenden Tunnelplaner gemacht. Es ist aber davon auszugehen, dass Bagger- und auch Sprengvortrieb zum Einsatz kommen werden.

Was für Folgen haben Sprengungen für die Siedlung Mariengrund?

Wie auch beim Tunnel Hirschhagen sind Erschütterungen und bei geringer Überdeckung auch Absenkungen der Oberfläche nicht gänzlich auszuschließen. „Daher sind für Gebäude, die weniger als 100 Meter vom Tunnel entfernt liegen, womöglich Beweissicherungsverfahren und Erschütterungsmessungen vorzusehen.

Wie viele Meter tief und in welchem Abstand zur Siedlung wird der Tunnelvortrieb vonstattengehen?

Die geringste Entfernung zwischen Wohnbebauung (Mariengrund 18 und 20) und Tunnelröhre beträgt horizontal etwa 60 Meter. Die nördliche siedlungsnähere Tunnelröhre hat in diesem Bereich eine Überdeckung von 18 Metern. Sinemus: „Diese Werte können sich im Zuge weiterer Planungen noch ändern“.

Mit wie viel Kubikmetern Tunnelabraum ist zu rechnen? Wohin wird er gebracht? Wie viel dieser Menge wird für die Aufschüttungen für Lärmschutz im Bereich der AS Helsa West aufgewendet?

Im jetzigen Planungsstadium können hierzu noch keine belastbaren Angaben gemacht werden.

Wie weit wird das westliche Tunnelportal von der Siedlung entfernt liegen?

In der bisherigen Planung beträgt die Entfernung zwischen Portal und Siedlungsrand etwa 250 Meter.

Wie Hessen Mobil mitteilt, soll es nach Abschluss der Planung des A 44-Abschnitts zwischen Helsa und Kassel (mit Tunnel Helsa) eine Info-Veranstaltung für Anwohner geben. Hessen Mobil betont, schon jetzt eng mit der Gemeinde Helsa zusammenzuarbeiten.

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