Bevölkerungsrückgang von bis zu zehn Prozent prognostiziert

Bevölkerungsentwicklung: Helsa ist Schlusslicht

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Helsa. Es sieht schlecht aus für Helsa: Die 5600-Einwohner-Gemeinde ist die einzige im östlichen Landkreis Kassel, der ein Bevölkerungsrückgang von bis zu zehn Prozent prognostiziert wird. Wie will die Gemeinde gegen diese Entwicklung vorgehen?

Die Zahlen stammen aus einer Bevölkerungsvorausschätzung, die die Wiesbadener Hessen Agentur – ein Dienstleistungsunternehmen des Landes Hessen – veröffentlicht hat. So soll das Durchschnittsalter in Helsa im Jahr 2030 bei 53,5 Jahren liegen – 2000 lag es noch bei 43,9 Jahren.

Tilo Küthe

Laut Bürgermeister Tilo Küthe (SPD) sei es schwierig, die Bevölkerungsentwicklung einer Gemeinde vorherzusagen. Schließlich gebe es in Helsa und Waldhof zwei Altenheime, deren Bewohner in die Statistik einfließen. Ein weiteres Seniorenzentrum entsteht aktuell in Helsa.

Junge Familien anziehen

Er nennt jedoch ein Beispiel, das eine deutliche Sprache spricht: Im Ortsteil Eschenstruth sei man im vergangenen Jahr knapp der Schließung der Eschenwaldschule entkommen. Die Mindestschülerzahl der Grundschule sei „gerade so erreicht“ worden. „Ein weiterer Rückgang von Geburtenzahlen wäre fatal“, so der Verwaltungschef. Es gilt also, für Nachwuchs zu sorgen – und das geht am besten, indem man junge Familien anzieht und ihnen einen Anlass gibt, dort zu bleiben.

Küthes Zauberwort: Neubaugebiete. Nur so könne man „langfristig, aber auch schon mittelfristig eine gesunde Entwicklung der Gemeinde mit Weiterentwicklung der Kinderzahlen, als auch der Familien erreichen“. Er beruft sich allerdings im selben Atemzug darauf, dass die Gemeinde gerade keine neuen Baugebiete ausweisen kann, weil sie sich im Dorfentwicklungsprogramm befindet. Die Förderung sieht vor, die Ortskerne zu stärken, indem man Leerstände bekämpft und Baulücken schließt. „Das ist fatal, da derzeit eine enorme Nachfrage für Bauland besteht“, sagt der Rathauschef.

Gute Zusammenarbeit von Politik, Gemeinde und Ehrenamtlichen

Um dennoch Handlungsmöglichkeiten in Sachen Neubaugebiete für die Gemeinde zu schaffen, haben sich die Fraktionen des Gemeindeparlaments – SPD, CDU und GLH – zusammengeschlossen. Ins Leben gerufen wurde dies vom Vorsitzenden des Haupt- und Finanzausschusses, Karl-Ludwig Opper (SPD). Laut Florian Pohner (CDU) sei es „traurig, dass sich erst eine Arbeitsgemeinschaft gründen muss“, um das Problem anzugehen. Zwar gebe es eine gute Zusammenarbeit von Politik, Gemeinde und Ehrenamtlichen. „Gemeinden wie Nieste, Kaufungen und Großalmerode haben sich aber schon längst mit dem Thema befasst, neue Bauplätze zu schaffen“, so Pohner, der zudem der Meinung ist, dass von Seiten der Gemeinde mit mehr Nachdruck gearbeitet werden müsse.

Wenn auch die Schaffung neuen Wohnraums laut Bürgermeister dafür sorgt, dem Bevölkerungsschwund entgegen zu wirken – an anderen Stellschrauben werde bereits gedreht. Küthe verweist auf das „gute pädagogische Konzept“ in den Kindertagesstätten und die „sehr gute Versorgungssicherheit für die Familien“. Es gelte weiterhin, die Vereine in ihrer Gemeindearbeit zu unterstützen. Und auch die barrierefreie Umgestaltung des öffentlichen Raums und die Versorgung der Ortsteile mit schnellem Internet seien Ansätze.

Das sagen die Fraktionen

GLH: Neubaugebiet nur Sahneklecks 

„Die Schaffung eines Neubaugebietes kann nur der Sahneklecks auf dem Törtchen sein“, meint Fraktionsvorsitzender der Grünen Liste Helsa (GLH), Rainer Dallmann, auf Nachfrage der HNA. Um Helsa zukunftsfähig zu machen, brauche es stattdessen eine „gezielte Stadt- und Verkehrsplanung“. Damit die Gemeinde attraktiv ist und bleibt, brauche es eine gute Infrastruktur, Verkehrsanbindung an Kassel, schnelles Internet und lebenswerte Ortskerne. Besonderen Handlungsbedarf gibt es laut Dallmann bezüglich der historischen Ortskerne. Hier müsse der Straßenverkehr so geregelt werden, um Lärm und Gefahren zu verringern. „Die Hauptverkehrsstraßen sind ein Problem“, so Dallmann. 

CDU: Bürger leisten bereits viel 

Es dürfe nicht sein, dass das laufende Dorfentwicklungsprogramm generell verhindere, dass neu gebaut werden kann, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Florian Pohner. Die interfraktionelle Arbeitsgruppe kümmere sich darum, mögliche Bauplätze innerhalb der Dörfer zu sammeln und mit Grundstückseigentümern in Kontakt zu treten, um Möglichkeiten für Wohnraum aufzuzeigen. Pohner betont, dass sich in Helsa auch in anderen Bereichen bereits viel tut: „Ehrenamtliche halten das Freibad am Laufen, kümmern sich um den König von Preußen und auch für Kinder wird viel getan“. Wichtig sei es, dass Politik, Gemeinde und Bürger gut zusammenarbeiten. 

Die HNA-Anfrage an die SPD-Fraktion blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. 

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