Einwohner von St. Ottilien sind in Sorge

Böllerschüsse, mit Farbe beschmierte Autos: Stalker terrorisiert ganzes Dorf

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Haben Sorge um ihre Familien und ihren Besitz: Die Anwohner (von links) Inge und Horst Möller sowie Nachbarin Hannelore Wolfrom.

Helsa. Nächtliche Böllerschüsse, dass die Regale wackeln, mit Farbe besprühte Autos, Nägel in Fahrzeugreifen, zugeklebte Autoscheiben: Anwohner der Dorfstraße in Helsas Ortsteil St. Ottilien werden derzeit offensichtlich von einem Stalker terrorisiert. Sie sorgen sich um ihre Familien und ihren Besitz.

Der Mann hat es anscheinend auf seine Ex-Freundin abgesehen, die zwar aus Hessisch Lichtenau kommt, deren neuer Lebensgefährte aber in St. Ottilien wohnt. Unter seinen Attacken leidet nicht nur die Frau, sondern auch die Nachbarn. „Mitte Oktober ging es hier los“, sagt Inge Möller. Allein in den vergangenen zwei Wochen sei an fast allen Abenden „illegale polnische Pyrotechnik“ geflogen, sagt Horst Möller. Der neue Freund des eigentlichen Stalkingopfers ist Mieter im Haus des Ehepaars.

Mehrere Böller binde der Stalker, der in Oberweser lebt, mit Klebeband zusammen, damit der Lärm besonders groß sei, vermuten die Nachbarn. „Das hört man noch am anderen Ende des Dorfes und sogar in den Nachbarorten“, sagt Karina Jakob-Kleppe. Ihre beiden Kinder hätten mittlerweile Angst, schlafen zu gehen. „Der Mann raubt uns die Nächte.“

Die ehemalige Freundin des Stalkers habe längst eine neue Nummer, doch Post bekomme sie immer noch – zusätzlich zu den nächtlichen Attacken. Auch ihr neuer Freund werde zum Opfer: Sein Auto war es, das mit Farbe besprüht und dessen Nummernschilder gestohlen wurden, auch ein Reifen sei kaputt gegangen, weil Nägel davor verstreut wurden. Die Ex-Freundin des Stalkers sei „fix und fertig“, sagt Horst Möller. Die 40-Jährige, die zwei Kinder habe, sei „eine rechtschaffende Frau, die das nicht verdient hat“. Die Möllers haben Angst, dass das Haus irgendwann in Flammen steht – und damit in der Fachwerkstraße auch andere Häuser.

Die Polizei haben sie mittlerweile an mehreren Abenden angerufen, berichten die Nachbarn. „Wir fühlen uns aber im Stich gelassen“, sagt Möller. Matthias Mänz, Sprecher des Polizeipräsidiums, bestätigt, dass Kollegen an zwei Abenden in St. Ottilien waren, weil jemand Böller genutzt habe. Es sei aber nicht klar, ob das der vermeintliche Stalker gewesen sei. Die Frau aus Hessisch Lichtenau habe aber mittlerweile Anzeige wegen Stalkings erstattet.

Die Nachbarn aus dem Helsaer Ortsteil tun sich mittlerweile regelmäßig in Grüppchen zu Nachtwachen zusammen und behalten die Hauptstraße im Blick. Sie haben sich fest vorgenommen, den Stalker auf frischer Tat zu ertappen und zu überführen.

Die Polizei gibt folgende Tipps zum Schutz vor Stalkern:

• Dem Stalker sofort und unmissverständlich klar machen, dass man keinerlei Kontakt mehr wünscht und konsequent bleiben.

• Öffentlichkeit kann schützen: Betroffene sollten Familie, Freunde, Arbeitskollegen und Nachbarn informieren.

• Bei einer akuten Bedrohung, beispielsweise, wenn der Stalker den Betroffenen verfolgt oder in die Wohnung eindringt, den Polizeinotruf 110 wählen.

• Verfolgt ein Stalker sein Opfer im Auto, sollte die nächste Polizeidienststelle angefahren werden.

• Alles, was der Stalker mitteilt, schickt oder unternimmt, sollte in einem Kalender notiert werden, um Fakten und Beweismittel zu haben.

• Persönliche Daten gehören nicht in den Hausmüll, beispielsweise Briefe oder Katalogsendungen.

• Bei Telefonterror und anderen Stalking-Handlungen wie über den PC, sollte man sich über technische Schutzmöglichkeiten wie geheime Rufnummern, Fangschaltung, Anrufbeantworter, Handy oder Zweitanschlüsse informieren. 

• Opferhilfeeinrichtung zu Rate ziehen.

• Bei gesundheitlichen Problemen sollte ärztliche oder pyschotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen werden.

• Anzeige bei der Polizei zu erstatten kann helfen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen hat sich gezeigt, dass vor allem schnelles und konsequentes Einschreiten der Polizei gegen den Stalker Wirkung zeigt und die Belästigungen nach einer Anzeige häufig aufhören.

• Um sich vor Stalking zu schützen, kann beim Familiengericht eine „Einstweilige Verfügung/Schutzanordnung“ beantragt werden.

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