Sippenbuch liegt im Archiv des Geschichtsvereins

Er führte Buch über jeden Helsaer Bürger

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Mutter tötete Kind aus „Unvorsichtigkeit“: Johann Adam Vogt, der bis 1835 Bürgermeister in Helsa war, führte Buch über seine Bürger.

Helsa. Ein Bürgermeister, der ein Buch über seine Bürger führt? Das ist heute schwer vorstellbar. Einer, der damit seine Zeit verbrachte, war Johann Adam Vogt (1773 - 1845).

Von 1791 bis 1835 erfüllte Vogt als Grebe ähnliche Aufgaben wie ein Bürgermeister. Er hatte offenbar eine ganz eigene Art und Weise, mit den Persönlichkeiten seines Dorfes umzugehen. In einer Art Sippenbuch notierte er nicht nur die Geburts-, Hochzeits- und Todesdaten der Bürger von Helsa, sondern fügte diesen auch persönliche Kommentare hinzu – höchst subjektiv und mit Vermutungen, wie es zu den genannten Verfehlungen gekommen war. Der akribisch geführte Wälzer liegt im Archiv des Geschichtsvereins Helsa.

Mutter tötete Kind aus „Unvorsichtigkeit“: Johann Adam Vogt, der bis 1835 Bürgermeister in Helsa war, führte Buch über seine Bürger.

Darin ist zum Beispiel die Rede von einem Bürger als „besonders bösem Burschen“. Zum Tod eines Kleinkindes in damaliger Zeit hielt er handschriftlich fest, es sei „aus Unvorsichtigkeit der Mutter“ mit kochendem Wasser übergossen worden und starb an den Folgen der Verbrennung. Zur Geburt eines unehelichen Kindes heißt es spitzfindig: „Der Papa war kaum 18 Jahre alt, als er die Fähigkeit des Beischlafs erlangte“.

Wertvolles Dokument

Gerd Vogelsang

„Da war die Stasi nichts dagegen“, bringt es der Vereinsvorsitzende Gerd Vogelsang auf den Punkt. Wenn auch das Buch als lustige Lektüre angesehen werden kann – dem Geschichtsverein ist es ein wertvolles Dokument. „Man kann daran die Bevölkerungsstruktur erkennen“, sagt Vogelsang. Vogt sei nah an den Bürgern dran gewesen. Seine Notizen ermöglichten heute, vieles über die damalige Zeit herauszufinden. Das Buch hatte man in einer Bodenkammer der Gaststätte Weißes Ross entdeckt. Vogts Frau hatte die Gaststätte und damit auch das Buch geerbt. (ali)

Info: Das historische Archiv des Geschichtsvereins Helsa im Obergeschoss des Gemeindezentrums Helsa in der Berliner Straße 20 ist mittwochs zwischen 9 und 12 Uhr geöffnet. Kontakt zu dieser Zeit unter Tel. 05605/8065355.

www.geschichtsverein- helsa.de

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