Eineinhalb Jahre Bauzeit

700.000 Euro Kosten: Evangelisches Gemeindehaus in Helsa endlich fertig

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Markant, aber unaufdringlich: Das neue Gemeindehaus wurde in Grautönen gestrichen. Die Fläche vor dem Gebäude soll noch bepflanzt werden. Die Farbe des Satteldachs nimmt die dunkle Fassade des benachbarten Pfarrhauses auf.

Helsa. Nach gut eineinhalbjähriger Bauzeit ist das evangelische Gemeindehaus in Helsa kaum wiederzuerkennen.

Pfarrer müssen sich häufig mit Dingen beschäftigen, die mit Seelsorge nichts zu tun haben. Zum Beispiel Wannen aufstellen, weil es durch das Dach tropft. Oder viel Geld für eine fällige Sanierung eines Kirchengebäudes auftreiben und Unterstützung für das Projekt organisieren. Davon kann Pfarrer Matthias Friedrich in Helsa ein Lied singen: Er war vor vier Jahren mit dem Problem eines maroden Gemeindehauses konfrontiert, das zudem noch jede Menge Energie verbrannte.

Das ist nun Vergangenheit: Nach gut eineinhalbjähriger Bauzeit ist das Gemeindehaus kaum wiederzuerkennen. Helle, hohe Decken, die neue moderne Beleuchtung, ein Satteldach statt des löchrigen Flachdachs, eine neue Küche, neue Sanitäranlagen und ein teilbarer Saal, der in Sachen Akustik keine Wünsche offen lässt, machen das neue Gebäude neben dem Pfarrhaus zu einem Schmuckstück, innen wie außen. Vom alten Haus sind nur die Grundmauern erhalten geblieben. Am Dienstag, 3. Oktober, wird das Gemeindehaus mit einem Festgottesdienst und Unterhaltungsprogramm eingeweiht.

Bis zuletzt werden noch die Handwerker zugange sein. Die Türen zum Saal sind mit Verspätung geliefert worden. Doch das Geschirr in der Küche haben Frauen des Kirchenvorstands schon einsortiert. Hinter dem Pfarrer liegt ein Hürdenlauf. Denn die Ausgangslage war schwierig. Die Kirche leidet unter knappen Kassen. „Andernorts werden Gemeindehäuser aufgegeben“, sagt Friedrich. Hinzu kam, dass der Verein für Denkmalspflege für die Sanierung der ehemaligen Gaststätte „König von Preußen“ ebenfalls um finanzielle Unterstützung warb.

Vorfreude auf die Einweihungsfeier: Pfarrer Matthias Friedrich, gelernter Organist, testet im neuen, hellen Saal des Gemeindehauses schon mal die Orgel, die für 5000 Euro generalüberholt wurde.

Zwei Versammlungsstätten in so einem kleinen Dorf, das war erklärungsbedürftig. Kirche und Verein taten sich jedoch erfolgreich zusammen und entwickelten ein gemeinsames Konzept für das Bespielen beider Gebäude und unterstützten sich gegenseitig. „Ich habe den Schulterschluss mit Jürgen Scholz geübt“, sagt der Pfarrer. Scholz ist Vorsitzender des Vereins. Im Frühjahr 2016 hatten dann alle Geldgeber grünes Licht gegeben.

Es gibt mehr Platz

Das neue Gemeindehaus wird nun knapp zur Hälfte auch von nichtkirchlichen Gruppen wie der Chorgemeinschaft genutzt. Lärmschutzfenster halten die Verkehrsgeräusche von der Bundesstraße fern. Insgesamt gibt es mehr Platz, weil im Keller die Ölheizung und die Tanks entfernt wurden. Das Niedrigenergie-Haus wird vom benachbarten Pfarrhaus aus mit Erdgas beheizt. Es wurde eine Behindertentoilette eingebaut, draußen gibt es einen Behindertenparkplatz und einen barrierefreien Zugang. Drei neue Parkplätze sind mit historischem Pflaster befestigt wie der Platz vor dem Pfarrhaus. 

Einweihungsfest des Gemeindehauses am Dienstag, 3. Oktober, ab 10 Uhr mit Festgottesdienst und einer Aktion „Unser neues Gemeindehaus“. Anschließend gibt es Mittagessen, Kaffee und Kuchen. Es treten Gruppen des Tanzsportvereins Helsa, des Männertreffs und der Nicolaichor auf. Auch für Kinder gibt es Unterhaltung.


Hintergrund: Baukosten von 700.000 Euro 

Die Erneuerung des Gemeindehauses in Helsa hat inklusive der Außenanlagen 700.000 Euro gekostet. Die Landeskirche hat sich mit 285.000 Euro beteiligt, der Kirchenkreis Kaufungen mit 120.000 Euro. Der evangelische Gesamtverband Helsa hat 60.000 Euro aufgebracht. Außerdem gab es Landeszuschüsse von 235.000 Euro aus dem Dorfentwicklungsprogramm. Mit acht Benefizkonzerten und weiteren kulturellen Veranstaltungen spielte die Kirchengemeinde 29.000 Euro Spenden ein, die für die Anschaffung des neuen Inventars verwendet wurden. 36 kirchliche und nichtkirchliche Gruppen werden das Haus nutzen. Demnächst werden sie sich wohl an den Kosten für den Unterhalt mit einem kleinen Beitrag beteiligen müssen. Denn die Landeskirche plane, alle Zuweisungen für die Unterhaltung der Gemeindehäuser zu streichen, teilte Pfarrer Friedrich mit.

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