Familienvater traf auf den mutmaßlichen Täter

Feuer in Helsaer Unterkunft: Heinz Jordan rettete Flüchtlinge aus verqualmtem Haus

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Er brachte sich selbst in Lebensgefahr: Heinz Jordan alamierte den Notruf und rettete mit den Polizisten die Bewohner. Derzeit ist das Haus komplett abgesperrt und vom Brand gezeichnet.

Helsa. Zwei Tage nach dem Brand des Flüchtlingsheims in Helsa-Eschenstruth gibt es eine völlig neue Darstellung des Geschehens. Was die Polizei bis dato nicht berichtete.

Heinz Jordan, ein Familienvater aus der Nachbarschaft, hat den mutmaßlichen Täter, einen 28-jährigen Syrer, und einen jungen Afghanen aus dem völlig verqualmten Haus geholt.

Nach seinem Einsatz landete der Maschinenbauingenieur auf der Intensivstation des Marienkrankenhauses. Die Diagnose: Rauchgasvergiftung. Am Donnerstag meldete sich Jordan bei der HNA.

Er habe am Dienstagabend gerade zum Sport aufbrechen wollen, als er den Brand mitbekam. Der 56-Jährige, der in einem Fachwerkhaus in der Straße Hotzelgrund wohnt, überlegte nicht lange: Nachdem er telefonisch einen Notfruf abgesetzt hatte, lief er in das Flüchtlingsheim. Im Obergeschoss, wo der Brand offenbar gelegt wurde, entdeckte Jordan den Syrer. Er habe „am Boden gelegen. Er war fast bewusstlos“. Nach seiner Darstellung zog Jordan den Mann in das Treppenhaus. Auf einem Absatz habe sich der Syrer dann „wie eine Krake am Geländer festgeklammert“ und nach ihm geschlagen.

Dann sei ein Polizist zu Hilfe gekommen, wenig später noch eine Streifenbeamtin. „Zu Dritt haben wir den Syrer auf die Straße gebracht.“ Darüber hatte die Polizei nicht berichtet, und auch den Moment der Festnahme schildern Jordan und die Polizei unterschiedlich.

Brand in Flüchtlingsunterkunft in Helsa

Die Beamten und er hätten den nunmehr wegen der Messerstiche gegen zwei somalische Mitbewohner und des Verdachts der schweren Brandstiftung in Untersuchungshaft sitzenden Syrer aus dem Haus gebracht. Noch im Haus hätten ihm die Polizeibeamten Handschellen verpasst. „Der Mann hat die Polizisten attackiert“, berichtet Jordan. Im Polizeibericht hieß es dagegen nur, der mutmaßliche Täter sei in der Nähe des Heims festgenommen worden. Er habe das Messer bei sich gehabt. „Ich habe kein Messer gesehen“, berichtet Jordan, „das war bei diesem Qualm aber auch nicht möglich.“

Bevor er im Obergeschoss auf den mutmaßlichen Täter traf, hatte der Eschenstruther, der seit 1993 in dem Helsaer Ortsteil zu Hause ist, im Erdgeschoss die Türen mehrerer Zimmer eingetreten. Er stieß auf einen Afghanen, der wohl geschlafen hatte, und brachte ihn aus dem Haus. Die beiden Somalier, die durch die Messerstiche schwer verletzt wurden, hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits aus dem Gebäude gerettet.

Polizeisprecher Torsten Werner bestätigte am Donnerstag auf HNA-Anfrage die Darstellung von Heinz Jordan grundsätzlich. Aus ermittlungstaktischen Gründen habe die Polizei nicht detaillierter über das Geschehen berichtet. 

Polizei: „Tat ist in ihrer Schwere einzigartig“

„Die Tat ist in ihrer Schwere einzigartig“, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. Noch nie habe es in Nordhessen im Zusammenhang mit Flüchtlingen solch einen heftigen Fall seit Beginn des Flüchtlingszustroms 2015 gegeben. Keinesfalls dürfe aber aus den Ereignissen in Helsa der Schluss gezogen werden, dass das Leben im Landkreis durch die Anwesenheit von Zuwanderern gefährlicher geworden ist. 

„Kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen, ereignen sich diese meist in den jeweiligen Unterkünften“, sagt Werner. Gerade in Sammelunterkünften lebten oft viele Menschen aus unterschiedlichsten Kulturkreisen eng nebeneinander. „Missverständnisse und Konflikte sind da keine Seltenheit“, sagt Werner. Jedoch würden diese meist friedlich gelöst. „Fakt ist, dass Auseinandersetzungen, die dann tatsächlich eskalieren, genauso häufig in Flüchtlingsunterkünften stattfinden wie in privaten Haushalten von Einheimischen.“ 

Der Unterschied sei, dass Eskalationen in Flüchtlingsunterkünften viel häufiger zur Anzeige gebracht würden. „Hinzu kommt, dass schwere Vorfälle unter Flüchtlingen viel öffentlichkeitswirksamer sind als beispielsweise Fälle von häuslicher Gewalt.“ Das führe wiederum zu einer verzerrten Wahrnehmung in der Öffentlichkeit zuungunsten von Flüchtlingen. 

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