Flüchtlingsunterkunft in Eschenstruth hat jetzt einen Aufenthaltsraum

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Sie haben ein Herz für Flüchtlinge: Enise Türk (19, von links), Janine Biessler (19) und Thimo Gerth (18) von der Radko-Stöckel-Schule haben den Kassenraum entrümpelt und schön eingerichtet.

Helsa. Der Raum im Erdgeschoss des Hauses Mühlenweg 33 kann seine frühere Funktion nicht verbergen.

Gläserne dicke Scheiben und Schubmulden im langen Tresen erinnern noch daran, dass hier einst Mitarbeiter einer Genossenschaftsbank Geld an ihre Kunden auszahlten oder Einzahlungen verbuchten. Seit einigen Tagen ist der frühere Kassenraum die „gute Stube" für 36 Flüchtlinge, die in vom Landkreis Kassel angemieteten Räumen wohnen.

Den Aufenthaltsraum haben die 20 Schüler der Klasse 12A der Radko-Stöckel-Schule aus Melsungen an einem verlängerten Wochenende im November hergerichtet. Die Berufsschüler haben im Erdgeschoss auch ein Büro eingerichtet, in dem die Landkreis-Mitarbeiterin Inge Hessenauer die Flüchtlinge künftig beraten wird.

Aufenthaltsräume gehören nach den Worten von Jörg Roßberg, Fachbereichsleiter Soziales, in den übrigen Gemeinschaftsunterkünften des Landkreises Kassel bereits zum Standard. Nur in Eschenstruth, wo seit einem Jahr Asylsuchende untergebracht sind, fehlte ein solcher Raum. Die Melsunger Schüler hatten sich im Rahmen einer Projektarbeit entschieden, etwas für Flüchtlinge zu tun und dem Landkreis Kassel ihre Hilfe angeboten.

„Das Thema ist ständig in den Nachrichten, wir wollten etwas gegen die Vorurteile gegenüber Flüchtlingen tun und dafür sorgen, dass sie eine schönere Zeit haben“, sagt Janine Biessler, eine der Schülerinnen. Die Klasse hatte durch den Verkauf von Kaffee und Kuchen auf dem Kasseler Königsplatz und in ihrer Schule mehr als 1000 Euro erwirtschaftet und in die Renovierung investiert. Der Klassenraum war bis unter die Decke mit Matratzen und altem Mobiliar früherer Mieter gefüllt.

Ecke mit Plüschtieren

Die Möbel verwendeten die Schüler für die Einrichtung von Aufenthaltsraum und Büro. Sogar eine Spielecke mit Plüschtieren richteten sie ein. Denn viele Flüchtlinge haben ihre Kinder mitgebracht. Drei Babys seien schon hier geboren worden, berichtet Hajo Ullrich, Flüchtlingsbetreuer beim Landkreis. „Die Hilfe der Schüler ist genau zur rechten Zeit gekommen“, sagt er zur Initiative der Melsunger Jugendlichen.

Die Gemeinschaftsunterkunft in Eschenstruth gegenüber der Kirche ist mit 36 Flüchtlingen aus Somalia, Iran, Eritrea, Pakistan und Russland voll belegt. Es habe nur kleinere Anlaufschwierigkeiten gegeben, sagt Flüchtlingsbetreuer Hajo Ullrich: „Das hat sich gut eingespielt“. Die Geschäftsleute hätten sich inzwischen beispielsweise darauf eingestellt, dass es an der Kasse etwas länger dauere, wenn Flüchtlinge einkaufen. Drei Asylsuchenden habe man schon eine Wohnung in Eschenstruth vermitteln können.

„Es hat sich ausgezahlt, dass wir die Einheimischen von Anfang an mit ins Boot genommen haben“, erklärt Ullrich. Mit einem Unterstützerkreis gebe es einen regelmäßigen Austausch, die Hilfsbereitschaft der Eschenstruther sei groß.

Von Peter Dilling

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