Noch kein Termin für Sanierungsarbeiten

Nach Feuer: Flüchtlingsunterkunft in Helsa bleibt unbewohnbar

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Völlig zerstört: In diesem Zimmer in der Helsaer Flüchtlingsunterkunft ist das Feuer ausgebrochen.

Helsa. Seit dem Brand vor zwei Wochen ist die Flüchtlingsunterkunft Helsa-Eschenstruth weiterhin unbewohnbar.

Ein 28-jähriger Hausbewohner aus Syrien soll nach bisherigen Erkenntnissen zwei Somalier im Alter von 21 und 27 Jahren mit einem Küchenmesser angegriffen und verletzt haben. Nach dem Angriff auf seine Mitbewohner hat der Tatverdächtige möglicherweise Feuer in dem Fachwerkgebäude gelegt.

„Wir wollen, dass die Unterkunft so schnell wie möglich wieder bewohnbar ist“, sagte Kreissprecher Harald Kühlborn bei einem Besuch des Brandortes. Ein genauer Termin stehe allerdings noch nicht fest. Erst vergangene Woche sei ein Sachverständiger von der Gebäudeversicherung vor Ort gewesen und habe sich die Schäden angeschaut. Noch mindestens vier Wochen wird es dauern, bis der Experte sein Gutachten vorlegt.

Spuren der Brandes: Durch die Flammen wurden auch Teile des Dachs zerstört.

„Da die Doppelhaushälfte über einen gemeinsamen Heizungs- und Stromanschluss verfügt und dieser kaputt ist, musste die gesamte Unterkunft geschlossen werden“, erklärt Klaus Arthur Zeh, Leiter der Unterkünfte in Helsa und Wickenrode. Insgesamt hatten hier bis zu 32 Personen gelebt. Am Brandabend waren 17 Personen aus Syrien, Somalia und Afghanistan in dem Gebäude, alle konnten sich rechtzeitig ins Freie retten. „Kurz vorher sollte hier noch eine Familie mit Kindern einziehen. Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert“, so der 53-Jährige.

Nach dem Brand wurden sieben Personen in die Flüchtlingsunterkunft in der Pommernanlage in Wolfhagen gebracht, weitere acht Migranten mussten in eine Unterkunft in Helsa-Wickenrode umziehen.

Das Gebäude im Mühlenweg gehört einer Familie aus Helsa, der Kreis Kassel ist nur Mieter. „Wir müssen jetzt abwarten, wie es weitergeht. Wenn das Gutachten da ist, entscheidet der Eigentümer über die weiteren Sanierungsarbeiten“, erklärt Zeh. Das Haus soll weiterhin als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden.

Einsatz im Ortskern von Eschenstruth: Die Kaufunger Feuerwehr war am 14. März mit einer Drehleiter ausgerückt.

Der Sachschaden an dem Gebäude wurde nach ersten Schätzungen der Polizei mit rund 30.000 Euro beziffert, doch „der Schaden ist vermutlich höher“, so Kühlborn. Eine genaue Summe stehe derzeit noch nicht fest.

Erst im Juni 2016 wurde die Flüchtlingsunterkunft saniert, neue Küchen waren eingebaut worden. „Durch die brennhemmenden Wände konnten die Flammen nicht so schnell auf die anderen Zimmer übergegriffen. Sonst würde es hier heute anders aussehen“, sagt Zeh.

Die Polizei Kassel hält sich weiterhin bedeckt und macht keine weiteren Angaben zu dem Fall. Der mutmaßliche Täter, ein 28-Jähriger aus Syrien, sitzt seit Mitte März in Untersuchungshaft. Gegen ihn wird wegen Verdachts der versuchten Tötung und schweren Brandstiftung ermittelt.

Hintergrund: Weniger Flüchtlinge im Kreis Kassel

Der Kreis Kassel betreibt die Flüchtlingsunterkunft Helsa-Eschenstruth seit 2014. Sie zählt zu den älteren Gemeinschaftsunterkünften. Im November 2016 beherbergte der Kreis mit 3674 Personen die höchste Flüchtlingszahl. Derzeit sind es laut Kreissprecher Harald Kühlborn noch 3293. „Auch wenn die Neuzugänge merklich zurückgehen und alle inzwischen ein Dach über den Kopf haben, kommen jetzt ganz andere Herausforderungen auf uns zu: Integration, Erlernen der deutschen Sprache, Vermittlung von Berufspraktika, Zugang zu Schulen“, zählt Kühlborn auf.

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