Streit in Eschenstruth

Gemeinde baute Wasserleitung ab - Hausbesitzer: Nicht informiert worden

Sitzt auf dem Trockenen: Stefan Krein mit einer Wasserrechnung vor seinem Haus an der Mittelgasse in Eschenstruth. Foto: Dilling

Helsa. Das Namensschild der Mieterin hängt schon an der Haustür. Doch wenn sich in letzter Minute nichts tut, werde sie mit ihrem Kind nach dem geplanten Einzug in der dieser Woche buchstäblich auf dem Trockenen sitzen:

Denn das seit Langem leer stehende, jahrhundertealte Haus an der Mittelgasse in Eschenstruth hat keinen Wasseranschluss, Resultat eines Tauziehens, in dem sich die Gemeinde Helsa und der Hausbesitzer und künftige Vermieter Stefan Krein gegenseitig die Schuld zuschieben.

Und das kam so: Vor etwa drei Jahren erneuerte die Gemeinde die maroden Kanäle in der Mittelgasse. Dabei habe sich herausgestellt, dass die Wasserleitung des damals bereits leer stehenden Hauses undicht und zudem aus Blei gewesen sei. Deshalb sei man gezwungen gewesen, diese zu entfernen, sagt Bürgermeister Tilo Küthe (SPD). Hausbesitzer Krein, der bei seinen Eltern wohnt, ging in der Folgezeit auf Mietersuche für das Objekt.

Dieses Jahr wurde er endlich fündig. Erst als er deshalb die schon länger beschädigte Wasseruhr habe austauschen lassen wollen, sei ihm klar geworden, dass die Hausanschlussleitung verschwunden ist, sagt der 32-Jährige.

Nun soll Krein die gesamten Kosten des nötigen Wasseranschlusses zahlen, auch die Erdarbeiten in der Straße, die er vor drei Jahren gespart hätte, weil die Gasse wegen der Kanalarbeiten ja schon geöffnet war. Er rechne dadurch mit Mehrkosten von etwa 1000 Euro.

Denn es sei teuer, das Basaltpflaster auf der Gasse aufzunehmen und neu verlegen zu lassen, sagt der Hausbesitzer. Die Gemeinde müsse diese Kosten tragen, weil sie ihn während der Kanalarbeiten nicht über die günstigere Möglichkeit eines sofortigen Neuanschlusses informiert habe. Dem widerspricht Bürgermeister Küthe: Krein sei sehr wohl informiert worden. In welcher Weise, das könne heute nicht mehr gesagt werden.

Unstreitig ist allerdings, dass die Gemeinde dem Hausbesitzer weiter fleißig Rechnungen über Wasser schickte, welches Krein mangels Leitung gar nicht verbrauchen konnte. Das scheint beiden Seiten lange Zeit nicht aufgefallen zu sein.

Das sei „ein Fehler, der der Gemeinde zugerechnet werden muss und dafür entschuldige ich mich“, sagte Küthe. Wegen der automatisierten Erstellung des Bescheids sei das nicht aufgefallen.

Der angebliche Verbrauch sei niedrig geschätzt worden. Die Zahlungen würden Krein erstattet. Ansonsten bleibt der Bürgermeister hart. Es sei Sache des Hausbesitzers, für einen Anschluss zu sorgen. Man freue sich natürlich sehr, dass in ein leer stehendes Haus wieder Leben einkehre. Leider gebe es noch mehr leer stehende Häuser im Dorf.

Wenn Hauseigentümer Krein grünes Licht gebe, werde man sofort eine Baufirma in Marsch setzen, so Küthe. Er wolle sich erst einmal rechtlich beraten lassen, meinte der Hausbesitzer gegenüber der HNA.

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