Finanzschutzschirm sieht dies vor

Gemeinde Helsa verkauft markantes Fachwerkhaus an der Berliner Straße

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An die Kirche angebaut: Die frühere Gemeindeschenke in Helsa ist eines der markantesten Fachwerkgebäude im Altkreis Kassel. Jetzt will die Gemeinde das Haus verkaufen. Sie erfüllt damit eine im Schutzschirm-Vertrag festgelegte Verpflichtung.

Helsa. Eines der markantesten Fachwerkhäuser im Altkreis Kassel steht zum Verkauf. Die Gemeinde Helsa stößt die frühere Gemeindeschenke an der Berliner Straße ab.

Am vergangenen Samstag erschien im Immobilienteil der HNA erstmals eine Anzeige, in der für das ungewöhnliche Haus geworben wurde. Dass sich die Gemeinde nach fast 280 Jahren von dem Gebäude mit den markanten Butzenscheiben trennen muss, hängt mit ihrer angespannten Finanzsituation zusammen. In dem Vertrag über den Schuldenerlass (Finanzschutzschirm), den Helsa und das Land Hessen geschlossen haben, verpflichtet sich die Gemeinde zum Verkauf.

Hintergrund: Bürger-Protest vereitelte Abriss

Ohne die Proteste engagierter Helsaer würde die frühere Gemeindeschenke wohl nicht mehr stehen. Anfang der 1970er-Jahre war geplant, das Fachwerkhaus für die Verbreiterung der Bundesstraße 451 abzureißen. In den letzten Kriegstagen entging das Haus nur knapp einem alliierten Fliegerangriff. Die einstige Schenke sorgte bis vor gut 100 Jahren immer wieder für Zwist zwischen der politschen Gemeinde und der Kirchengemeinde. Weil der Schankbetrieb direkt neben dem Gotteshaus den Pfarrern ein Dorn im Auge war, wurde er schließlich im Jahr 1901 eingestellt. Aus der Schenke wurde ein normales Wohnhaus, später entstanden Räume für Vereine. Die alte Gemeindeschenke liegt schräg gegenüber dem Merten-Jäger-Haus, das im Sommer 2011 bei einem Brand schwer beschädigt wurde.

„Unterhaltskosten und Einnahmen stehen in keinem vernünftigen Verhältnis“, sagte Bürgermeister Tilo Küthe (SPD) am Dienstag auf HNA-Anfrage. Einzige nennenswerte Einnahmequelle war die Vermietung von Räumlichkeiten für Familienfeiern. Dementsprechend bescheiden fällt die Bilanz der vergangenen Jahre aus: Einnahmen von jährlich 2000 Euro stehen Ausgaben in Höhe von 18.000 Euro gegenüber. Im Interesse einer „langfristigen, nachhaltigen Entwicklung der Gemeindefinanzen“ habe sich das Gemeindeparlament daher für den Verkauf entschieden. Küthe: „Denn dieses Haus wird nie eine Nullnummer.“

Die Zahl der Interessenten ist bislang allerdings überschaubar. Seit der Veröffentlichung der Anzeige in der HNA haben sich nach Auskunft der Gemeindeverwaltung lediglich drei potenzielle Käufer gemeldet. Mit einem Ansturm hatte Küthe auch nicht gerechnet. Der Bürgermeister räumt freimütig ein, dass es sich bei dem Fachwerkhaus um „keine einfache Immobilie“ handelt.

Zwar sei die alte Schenke baulich in Schuss - einfach so einziehen könne man dort aber nicht. Der Grund: Lediglich im Dachgeschoss gibt es eine (seit Jahren nicht mehr vermietete) Wohnung, die beiden unteren Etagen des 1735 erbauten Hauses dienen als Vereinsbüros und Versammlungsräume. Unter anderem haben dort noch der Verkehrsverein, die DLRG-Ortsgruppe und die Christdemokraten ihr Domizil. „Ein Privatmann muss investieren“, stellt der Bürgermeister klar. Er kann sich daher auch eher vorstellen, dass Selbstständige wie beispielsweise Architekten Gefallen an dem alten Haus finden. Zu welchem Preis die Gemeinde einem Käufer den Zuschlag erteilen würde, darüber schweigt sich Küthe aus. Er lässt allerdings durchblicken, dass man wohl Abstriche machen muss. Völlig ungerührt ist Küthe angesichts des geplanten Verkaufs übrigens nicht. „Das Haus ist ein Sahneschnittchen, das man nicht gern weggibt.!

Von Peter Ketteritzsch

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