Geschichtsverein Helsa hat Fotos

Was war denn da los? Ex-Landrat flog 1970 mit Helikopter zum Ortstermin

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Der Landrat kam per Hubschrauber: Zu der Landung auf dem Sportplatz in Helsa-Wickenrode kamen viele Schaulustige.

Helsa. Ein Landrat, der mit dem Hubschrauber zum Termin fliegt? 1970 hat es das im Landkreis Kassel gegeben.

So kam der SPD-Mann Josef Köcher mit einem Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes (heute Bundespolizei) zum Auswechseln der Ortsschilder von Wickenrode.

Das geht aus Bildern hervor, die der Geschichtsverein Helsa in seinem Archiv hütet. Sie zeigen, wie Josef Köcher, der von 1951 bis zur Gebietsreform in Hessen, 1972, Landrat des Landkreises Kassel war, aus einem Hubschrauber aussteigt und zusammen mit den Bürgermeistern von Helsa und Wickenrode die Ortstafeln austauscht. Anlass zur Nutzung dieses besonderen Fortbewegungsmittels war, dass sich an diesem Tag 13 Orte in der Region zu Großgemeinden zusammenschlossen – unter anderem Helsa und Wickenrode.

Persönliche Kontakte?

Laut einem HNA-Bericht vom 30. November 1970 war der Hubschrauber mit dem Landrat in Hohenkirchen gestartet und auf dem Sportplatz Helsa-Wickenrode gelandet. Im Anschluss wurden die Schilder ausgetauscht: Wickenrode/Landkreis Witzenhausen wurde zu Helsa-Wickenrode. Danach hatte man sich im Gasthaus Goldener Adler eingefunden.

Warum ausgerechnet ein Hubschrauber des Bundesgrenzschutzes genutzt wurde, dass kann selbst Köchers damaliger Fahrer nicht beantworten. Kreissprecher Harald Kühlborn zieht Öffentlichkeitsarbeit als Grund in Erwägung: „Vielleicht wollte der Bundesgrenzschutz auch einfach mal seinen neuen Hubschrauber präsentieren.“

Erster Schritt zur Großgemeinde Helsa: Helsas Bürgermeister Anton Eich (links) und Wickenrodes Bürgermeister Ludwig Dann (rechts) tauschen 1970 das Ortseingangsschild aus.

Die Fliegergruppe der Bundespolizei teilt auf HNA-Anfrage mit, dass es nicht möglich sei, nach über 45 Jahren noch eine seriöse und gesicherte Auskunft bezüglich des Transports von Köcher zu geben. Heute würden mit Maschinen des Flugdienstes Personen des politisch- parlamentarischen Bereichs sowie Gäste der Bundesregierung transportiert.

Vermutlich spielten aber auch persönliche Kontakte des Landrats zur Regierung eine Rolle. Vor und während seiner Amtszeit als Landrat hatte er weitere politische Funktionen. So war er zwischen 1950 und 1974 Mitglied des Hessischen Landtags und in den Jahren 1954 und 1959 Mitglied der Bundesversammlung. Laut Harald Kühlborn habe Josef Köcher zu jenen Amtsinhabern gehört, die ein gewisse Laissez-faire-Mentalität an den Tag gelegt haben.

Heute könne man sich als Landrat so nicht mehr verhalten. Er habe viel bewegt, das noch in die heutige Zeit hineinreicht, und sei ein aufrechter Widerständler gewesen. Aber: „Er hat auch einfach mal gemacht“ – teils zupackend und ohne Konsequenzen abzuschätzen. „Wollte man ein Schwimmbad bauen, ist man auch mal mit nordhessischen Leckereien ausgestattet nach Wiesbaden gefahren“ – und kam mit dem Bewilligungsbescheid zurück, so Kühlborn. In dieser Zeit seien Dinge gemacht worden, die heute zum Eklat führen würden. „Aber damals sagte man eben: Das ist unser Landrat, der darf das.“

Innenministerium entscheidet wer fliegen darf: 

Der Flugdienst der Bundespolizei transportiert laut Sprecherin Fiona Roloff Personen des politisch parlamentarischen Bereichs sowie Gäste der Bundesregierung. Dazu gehören neben den Staatsgästen die Mitglieder der Verfassungsorgane wie der Bundespräsident, der Präsident des Bundesrates, die Bundeskanzlerin und der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes. Rechtlich geregelt ist das in Paragraf 60 des Bundespolizeigesetzes und im Gemeinsamen Ministerialblatt Nr. 28 vom 18. Oktober 1989, in dem seit 1950 amtliche Änderungen der Bundesministerien eingetragen werden. Die Entscheidung, wer mit einem Hubschrauber transportiert wird, treffe heute das Innenministerium. (ali)

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