Kritik: Geplanter Senioren-Komplex in Helsa wird historisches Gebäude verdecken

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Bald von der Bildfläche verschwunden? Von dem früheren Sanatorium und heutigen Seniorenpflegeheim in Helsa wird nichts mehr zu sehen sein, wenn das geplante Bauprojekt für betreutes Wohnen auf der Wiese an der Berliner Straße umgesetzt ist. Kritiker sprechen von Gigantomanie, die es zu verhindern gelte.

Helsa. Was wird man von dem früheren und denkmalgeschützten Sanatorium an der Fröbelstraße in Helsa noch sehen, wenn der geplante Neubau für betreutes Wohnen auf der Wiese davor fertig ist? Rein gar nichts! Dessen ist sich Anwohner Heinz Müller sicher.

Der 65-Jährige hat die Unterlagen im Helsaer Rathaus eingesehen und Widerspruch gegen das Bauprojekt eingelegt. Außerdem hat er die Denkmalpflege in Wiesbaden informiert.

Die Denkmalschützer hatten sich bereits vorher eingeschaltet und eine Veränderung der Baupläne bewirkt. So soll der Gebäudekomplex deutlich flacher ausfallen als ursprünglich vorgesehen. Der Investor Wilhelm Kurth aus Schleswig-Holstein werde auf das zweigeschossige Satteldach verzichten und nur ein zurückgesetztes Staffelgeschoss mit flach geneigtem Dach bauen, so hatte Gemeindevertreter Holger Wittich Anfang August das Gemeindeparlament informiert. Auch die Verbindungsgeschosse zwischen den drei Gebäuden würden niedriger ausfallen. Im Ergebnis werde etwa ein Drittel des Obergeschosses des historischen Gebäudes von der Berliner Straße her sichtbar bleiben, so Wittich damals.

Falsch, meint Heinz Müller, der sich den vorhabenbezogenen Bebauungsplan genau angesehen hat. Von einem angenommenen Standort an der Berliner Straße - Augenhöhe in zwei Meter Höhe über dem Boden - hat er die Sichtachse über den geplanten Gebäudekomplex eingezeichnet. Das Ergebnis: „Von der Berliner Straße aus ist das historische Gebäude dann überhaupt nicht mehr sichtbar“, erläuterte er der HNA. Um auch nur den Dachfirst zu sehen, müsste das historische Gebäude entweder um einiges höher sein, oder man müsste von einem erhöhten Standort waagrecht über den Neubau schauen.

Heinz Müller fragt, warum bei so einem Großprojekt - Investitionssumme: 17,2 Millionen Euro - von der Gemeinde keine 3 D-Animation bei der Planung angefordert wurde. Damit wären die Größenverhältnisse sofort für jeden erkennbar. So aber, fürchtet der Rentner, werde es bei vielen Helsaer Bürgern nach Fertigstellung des Rohbaus ein böses Erwachen geben.

Er selbst werde von seinem Haus, das direkt neben dem geplanten Neubau steht, künftig statt in die Natur auf eine gewaltig hohe Hauswand blicken.

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