Arbeit unter schlimmen Bedingungen

Munitionsfabrik Hirschhagen: Grüne fordern Mahnmal für Zwangsarbeiter

+
Der Europaplatz beim Ortseingang Helsa-Eschenstruth: Hier wäre laut GLH-Fraktion Helsa noch Platz für ein Mahnmal für die Zwangsarbeiter der Munitionsfabrik Hirschhagen.

Helsa. Das Schicksal der Zwangsarbeiter und der zu Frontdiensten gepressten Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg gehört zu den dunkelsten Kapiteln der Geschichte von Helsa.

Die Grüne Liste Helsa fordert nun, mit dem Aufstellen eines Mahnmals für die Zwangsarbeiter ein Signal gegen das Vergessen zu setzen.

Sie kamen aus vielen Ländern Europas nach Helsa herangekarrt und mussten unter menschenunwürdigen, höchst gesundheitsschädlichen Bedingungen in der Munitionsfabrik Hirschhagen für die Rüstung des Dritten Reichs arbeiten. „Das geschehene Unrecht ist zwar hierdurch nicht wieder gut zu machen, es kann unser Mahnung sein, nie wieder derartiges zuzulassen“, sagt Rainer Dallmann von der GLH-Fraktion, die einen entsprechenden Antrag auf die Tagesordnung für die nächste Gemeindevertretersitzung gesetzt hat, die am 18. Mai stattfindet.

Gerd Vogelsang

Unterstützung erhalten die Grünen vom Geschichtsverein Helsa. „Das ist ein guter Vorschlag und längst überfällig“, sagte dessen Vorsitzender Gerd Vogelsang auf Anfrage. Es sei aber „verwunderlich“, dass sich die Grünen nicht im Vorfeld mit dem Verein in Verbindung gesetzt hätten. Denn intern habe der Geschichtsverein schon länger diskutiert, beispielsweise eine Erinnerungstafel aufzustellen. Der Europaplatz in Eschenstruth sei dafür ein Standort, da sich in dessen unmittelbarer Nähe Zwangsarbeiterlager befanden.

Bürgermeister Tilo Küthe (SPD) äußert sich auf Anfrage zurückhaltend. Persönlich sei er der Meinung, dass Mahnmale grundsätzlich geeignet sind, die Erinnerung an schreckliche Zeiten bei nachfolgenden Generationen wachzuhalten.

Keine leichte Entscheidung

Rainer Dallmann

Letztlich müsse aber die Gemeindevertretung entscheiden. „Ich bin sicher, dass es genug Sachverstand in den gemeindlichen Gremien gibt, und dass man sich eine solche Entscheidung nicht zu leicht machen wird“, sagte der Verwaltungschef. Die Situation der Zwangsarbeiter sei in der Gemeinde in Teilbereichen bereits nachvollziehbar aufbereitet worden, beispielsweise mit dem Themenweg in Hirschhagen. Auch der Geschichtsverein habe mit seiner Broschüre über die NS-Zeit in Helsa einen großen Beitrag gegen das Vergessen geleistet. Dieses Werk liefere mehrere Ideen, wie man der Nazi-Zeit gedenken könne.

Küthe wie auch Vogelsang vermuten, dass die Grünen durch ebendiese Broschüre zu ihrem Antrag angeregt wurden. Dallmann bestreitet das teilweise. Der Plan für ein Mahnmal schwele bei den Grünen schon lange und habe schon voriges Jahr umgesetzt werden sollen. Die NS-Broschüre sei nur der Anlass gewesen, nun tätig zu werden. Die bisherige Aufarbeitung beurteilt er weniger positiv als Küthe. Innerhalb Helsas habe man die Schicksale der Zwangsarbeiter nur „sehr vorsichtig“ thematisiert.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.