Musik-, Kino- und Radiogeschichte 

Alte Technik mit großem Wert: Werner Baus löst sein Museum auf

Helsa. Kommen und Sehen, Hören und Staunen – diese Worte auf der Internetseite von Werner Baus laden in sein Musik-, Radio- und Kinomuseum ein. Doch bald können seine Schätze nicht mehr bestaunt werden.

Baus macht Schluss und löst das Museum auf. Seine wertvolle und einzigartige Sammlung wird zum großen Teil verkauft.

Das tut er nicht freiwillig. Der Besitzer des Hauses, in dem Baus Räume für sein Museum gemietet hat, ist gestorben. Das Gebäude hat er innerhalb der Familie vererbt. Und die will verkaufen. Baus muss also raus. „Ich habe die Kündigung Ende Mai erhalten und kann noch bis Ende des Jahres hierbleiben“, sagt Baus, der seinen sicheren Job 1972 als Versicherungskaufmann an den Nagel gehängt hat und seitdem als Orchestrionrestaurator arbeitet.

Andere Räume für seine Stücke hat er nicht gefunden. „Ich habe aber zu Hause zum Beispiel schon die Garage umgebaut, damit ich dort ein paar Dinge unterbringe.“ Denn alles will er nicht hergeben. Wie zum Beispiel eine Popper Orchestrion, 1909 in Leipzig hergestellt. „Davon gibt es noch sieben Stück auf der ganzen Welt, die behalte ich“, sagt Baus. 18 Monate lang habe er das Instrument restauriert.

Auf den 250 Quadratmetern seines Museums gibt es noch viel mehr Besonderes: Mechanische Musikinstrumente, Radios, Spieluhren, Stücke aus der Kasseler Kinogeschichte, wie eine große Lichtreklame. Die Leidenschaft fürs Kino kommt übrigens von der Mutter – die hatte als Platzanweiserin im Kasseler Ufa-Palast gearbeitet. „Alles werde ich nicht verkaufen können“, sagt Baus. „Ich werde wohl eine Menge mit nach Hause nehmen.“ Seine Sachen bietet er in der Zeitung an, aber auch auf eigenen Flohmärkten, die er in seinem Museum veranstaltet. Interessenten für bestimmte Stücke gibt es bereits: „Mich hat zum Beispiel schon jemand aus der Schweiz angerufen.“

Wenn er nicht aus seinen Räumen herausmüsste, würde das Museum wahrscheinlich noch lange bestehen. „Ich hätte bis zum bitteren Ende weitergemacht.“ Etwa 3000 Menschen kamen in der Vergangenheit pro Jahr in sein Museum nach Eschenstruth. Reisegruppen, Wanderer und Vereine waren lange sein Publikum. Bis Ende Oktober finden noch Führungen statt. „Dann muss die Sache langsam auslaufen“, sagt der 75-Jährige.

Diese Spieluhr sollte sein Leben verändern: Werner Baus (hinten) fand dieses Stück im Jahr 1956 am Tag seiner Konfirmation auf dem elterlichen Dachboden. Klicken Sie auf das Kreuz oben rechts, um das gesamte Foto zu sehen. 

Welche Stücke unverkäuflich sind, weiß er schon jetzt. Unter anderem ist das eine Kalliope-Spieluhr, die 1890 in Leipzig hergestellt wurde. Damit fing seine Sammelleidenschaft an. „1956 entdeckte ich die Spieluhr auf dem Dachboden meiner Eltern, sie war schon lange in Familienbesitz.“ Heute ist sie eines der Stücke, die er besonders gern zeigt – bis sein Museum endgültig schließt.

Flohmärkte und Führungen 

Die Flohmärkte finden im Museum An der Langen Wiese 2a/Ecke Mühlenweg in Helsa-Eschenstruth am Samstag und Sonntag, 11. und 12. August, von 11 bis 17 Uhr und am Samstag und Sonntag, 18. und 19. August, von 11 bis 17 Uhr statt.

Führungen bietet Baus nach telefonischer Absprache an. Weitere Infos unter www.pianola.de oder telefonisch unter 0 56 02/91 88 33.

Zur Person 

Werner Baus (75) ist in Kassel geboren und war früher Versicherungskaufmann und Rentenberater. Diesen Beruf gab er auf, um Orchestrionrestaurator zu werden. 1968 lernte er den Musikinstrumentenmachermeister Heinrich Herrholz aus Kassel kennen. Bei ihm absolvierte Baus eine dreijährige freiwillige „Lehre“ und legte eine sogenannte Fachkundeprüfung bei der Firma Orgelbau Bosch in Niestetal-Sandershausen ab. 1980 erhielt er von der Handwerkskammer Kassel einen Eintrag in die Handwerksrolle, jedoch ohne Führung eines Meistertitels. Baus hat das Musik-, Radio- und Kinomuseum 2010 in Helsa-Eschenstruth eröffnet. Vorher hatte er sein Museum seit 1972 in Fuldatal-Simmershausen geführt.

Rubriklistenbild: © Theresa Novak

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