Der 28-Jährige hat zwei Somalier schwer verletzt

Nach Brand in Flüchtlingsunterkunft Helsa: Haft für Syrien-Flüchtling

Kassel/Helsa. Ein 28-Jähriger hatte im März die Flüchtlingsunterkunft in Helsa-Eschenstruth in Brand gesteckt. Zuvor hatte er zwei Somalier mit Bauchstichen schwer verletzt.

„Sie haben zwei Menschen schwer verletzt, ein Haus angesteckt und die Menschen in Eschenstruth verängstigt“, sagte Richter Volker Mütze zu dem 28-jährigen Angeklagten aus Syrien und verurteilt ihn wegen versuchten Totschlags und schwerer Brandstiftung zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und neun Monaten. Der Mann bleibt in Haft.

Die Anklage hatte für die Taten neun Jahre Haft, die Verteidigung wegen zweifelhafter Zeugenaussagen Freispruch gefordert. Doch für die 6. Strafkammer des Landgerichts gab es diese Zweifel nicht. Die Aussagen der Zeugen, so Mütze, ergäben ein stimmiges Bild.

Der 28-Jährige wurde als Sohn eines Tagelöhners in Raka geboren - bis zur Befreieung vor einigen Wochen die „Hauptstadt“ des IS. Vor dessen Terror war er 2015 nach Deutschland geflohen, hatte Asyl beantragt und war in dem Heim in Eschenstruth untergekommen.

Dort war der Syrer als „Weißbrotmann“ bekannt, der sich jeden Morgen ein Brot beim Bäcker kaufte und dann in sein Zimmer zurückzog.

Vermutlich, so der Richter, wurde er immer wieder von Flüchtlingen aus Somalia gemobbt, die den Syrer wohl gern aus dem Haus gehabt hätten, um sein Zimmer selbst zu nutzen und eine „somalische Enklave“ (Mütze) zu schaffen.

Am 14. März dieses Jahres ging der Syrer mit einem Küchenmesser mit bis zu 25 Zentimeter langer Klinge - die Tatwaffe wurde nie gefunden - ins Zimmer der Somalier und verletzte zwei mit Bauchstichen schwer. Beide überlebten nur nach Notoperationen. In seinem Zimmer steckte er dann nach Überzeugung der Kammer sein Bett in Brand, fotografierte sich sogar noch vor dem Feuer, das schnell auf das alte Fachwerk übergriff.

Rettungsversuchen von Nachbarn und Polizei widersetzte er sich gewaltsam. Vor dem Haus soll er „Gott ist groß“ gerufen haben, jedoch sah Richter Mütze weder ein politisches noch ein religiöses Motive bei den Taten. Die Ursache liege vielmehr im zwischenmenschlichen Bereich und den Spannungen zwischen Menschen verschiedener Kulturen und Sprachen, die auf engem Raum leben müssen und sich kaum miteinander verständigen können.

Die Aussage des Angeklagten, er habe im Zimmer der Somalier das Gespräch gesucht, um das Mobbing zu beenden, sei schon wegen der Sprachbarriere wenig glaubhaft, meinte Mütze.

Der schlanke, kräftige Mann mit den millimeterkurz geschorenen Haaren auf der Anklagebank verfolgte das Geschehen mit angstvoll aufgerissenen Augen und lauschte seinem Übersetzer. Volle Schuldfähigkeit hatten ihm Sachverständiger und Gericht attestiert. Er wirkte nicht so, als verstünde er das, was da gerade mit ihm geschah.

Brand in Flüchtlingsunterkunft in Helsa

Rubriklistenbild: © imago/Ralph Peters

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