Facharzt machte einen Fehler

Nachlässig ausgefüllter Totenschein sorgte für Probleme

Der Ruheforst im Kaufunger Stiftswald: Hier wurde die Urne des Vaters von Thomas W. schließlich wie geplant beigesetzt. Fotos: Wohlgehagen/privat

Helsa. Wenn ein Verwandter gestorben ist, haben Angehörige viel Organisatorisches zu erledigen. Thomas W. aus Helsa bekam es jedoch mit noch viel größeren Problemen zu tun

Was HNA-Leser Thomas W. aus Helsa jedoch nach dem Tod seines schwerkranken Vaters an Problemen bewältigen musste, überstieg seine körperlichen und seelischen Kräfte: Im Anschluss an die Urnen-Beisetzung war der 47-Jährige drei Wochen arbeitsunfähig krank.

Das ganze Drama habe mit einem unvollständig ausgefüllten Totenschein begonnen, sagte Thomas W. „Ich würde anderen Menschen so etwas gern ersparen“, so der 47-Jährige, der durch die Vorgänge erstmals mit polizeilichen Ermittlungen konfrontiert wurde.

Was war geschehen? Der schwer unter Parkinson leidende 73-jährige Vater des Facharbeiters starb an einem Wochenende im Januar in einem Senioren-Pflegeheim, wo er nach einem Krankenhaus-Aufenthalt kurzzeitig untergebracht war. Ein Facharzt aus Bad Soden-Allendorf stellte den Leichenschau-Schein aus. Todesursache: „Parkinson, schwer“. Wie sich später herausstellte, war der Leichenschau-Schein damit mehr als unvollständig ausgefüllt.

Der Leichnam wurde vom Amtsarzt und der Polizei am Einäscherungsort Herzberg (Sachsen-Anhalt) nicht für die Einäscherung freigegeben, weil man ein Fremdverschulden nicht ausschließen konnte.

Ihm sei wichtig gewesen, die Trauerfeier und die Beisetzung trotz der Probleme möglichst schnell über die Bühne zu bringen, um seiner Mutter weiteres Leid und auch Gerüchte im Dorf zu ersparen, sagte der 47-Jährige. Daher suchte er den Facharzt in Bad Soden-Allendorf auf. „Der Arzt weigerte sich, den Fehler im Leichenschau-Schein zu korrigieren“, sagte Thomas W. der HNA.

Für ihn schlossen sich aufreibende Gespräche an: Mit dem Amtsarzt und dem Krematorium in Sachsen-Anhalt, der dortigen Polizeidienststelle sowie mit der Polizei in Hessisch Lichtenau, um den Verdacht auf Fremdverschulden auszuschließen. Aber erst ein mehrstündiger Termin im Kasseler Polizeipräsidium und Recherchen der Kripo führten schließlich zum Durchbruch. Die Polizei in Herzberg gab den Leichnam dann endlich frei.

Das Problem habe aus dortiger Sicht in dem „derart unvollständig“ ausgefüllten ersten Leichenschau-Schein bestanden, bestätigte Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon von der Staatsanwaltschaft Cottbus unserer Zeitung. Dem bei der Leichenschau vor der Einäscherung beteiligten Arzt sei es zunächst nicht möglich gewesen, einen nicht natürlichen Tod auszuschließen.

Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch bestätigte, dass Ermittlungen der Polizeidirektion Kassel dazu geführt haben, ein Fremdverschulden auszuschließen. Die Staatsanwaltschaft Cottbus habe die Feuerbestattung dann im zweiten Anlauf für unbedenklich erklärt.

Thomas W. überführte die Urne nach der Einäscherung seines Vaters zur Trauerfeier in seinen Heimatort. Die Beisetzung erfolgte wie geplant im Kaufunger Ruheforst.

Von Hans-Peter Wohlgehagen

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