Nadine Vogelsang aus Helsa gewann eine Bergtour auf den Mont Blanc

Der Gipfel in scheinbar greifbarer Nähe: Doch sind von hier aus, dem Dome du Gouter, noch immer 500 Höhenmeter zu überwinden. Nadine Vogelsang (rechts) und Bergführer Jörn Heller brauchten zwölf Stunden für den Trip auf das Dach der Alpen. Fotos: Thomas Ebert

Helsa / Chamonix-Mont-Blanc. Nadine Vogelsang aus Helsa erfüllte sich den Traum tausender Bergsteiger: Die 38-Jährige bestieg den Mont Blanc. Gewonnen hatte sie die Tour bei einem Preisausschreiben.

Die dünne Luft war das Schlimmste. Drei Schritte vor, und schon totale Erschöpfung. Dann der Wind, minus 15 Grad kalt. Die Kälte kroch durch jede Naht.

Mit Steigeisen an den Schuhen und Pickel in der Hand arbeitete sie sich nach oben, Eisflanke folgte auf Eisflanke, der Mont Blanc - 4808 Meter hoch. Dann nur noch wenige Meter bis zum Gipfel.

Pickel, Helm, Steigeisen und gute Kondition: Das sind laut Nadine Vogelsang wichtige Zutaten für einen Gipfelgang. Foto: Naumann

Nie hätte Nadine Vogelsang aus Helsa gedacht, es auf das Dach der Alpen zu schaffen. Es war ein Parforceritt - von zwei Uhr morgens bis 14 Uhr - 1641 Meter rauf, 2446 Meter runter, das alles in zwölf Stunden.

„Hätte man mich sofort danach gefragt, ob ich den Berg noch einmal machen würde - ich hätte Nein gesagt“, sagt sie. Doch jetzt, wo sie wieder zu Hause ist, verblassen die Strapazen. Inzwischen ist sie nur noch froh, „dieses Glück“, wie sie sagt, erlebt zu haben.

Preisausschreiben gewonnen 

Dabei hatte die 38-Jährige zuvor nur einige Hüttentouren in den Alpen absolviert. Vor 2011 kannte sie die Berge sogar nur von Fotos. Eine Klettertour über den Mandelgrad bei Berchtesgaden entfachte in ihr damals das Feuer. 2012 machte sie bei Holger Winning vom Alpenverein Kassel einen Bergsteigerkurs, ein Jahr später einen Aufbaukurs und schließlich 2014 einen Kurs Spaltenrettung - für Gletschergänge unerlässlich.

„Dann kam dieses Preisausschreiben des Bergsteiger-Magazins“, sagt Nadine Vogelsang. Sie machte mit - und gewann: Mont Blanc, Traumziel für Tausende Bergsteiger. „Mir ging richtig die Düse.“ Fortan trainierte sie hart, sie ahnte, was auf sie zukam. Sie lief fast täglich zehn bis 15 Kilometer, besuchte die Kletterhalle an der Marbachshöhe in Kassel und lernte viel über die Gefahren im Hochgebirge.

„Zum Glück war der Gipfelgang super vorbereitet“, sagt sie. In der Seilschaft waren der Bergführer Jörn Heller und der Reporter Thomas Ebert. Nach nur zwei Tagen Akklimatisierung ging es los, von der Tête-Rousse-Hütte auf 3167 Metern Höhe.

Start um 2 Uhr morgens: Mit Stirnlampen ging es in schweres Klettergelände. Bergführer Jörn Heller führte die Seilschaft an.

Im Licht von Stirnlampen kletterten sie schon kurz nach zwei Uhr in steilem Fels. Dann die Eis- und Geröllrinnen, die nur sicher sind, wenn keine Sonne scheint. „Wir mussten tatsächlich schon um 8 Uhr morgens auf dem Gipfel sein, um beim Abstieg keinen Steinschlag abzubekommen.“ Noch heute schüttelt es sie bei dem Gedanken. Und dann diese Anstrengung in großer Höhe. „Ich kam mir vor wie eine Schnecke.“

Dennoch wird sie die knappen fünf Minuten bei praller Sonne auf dem Gipfel nicht vergessen. „Ich hab’ geheult“, gibt sie zu. „Und ich hatte furchtbare Kopfschmerzen.“ Der Abstieg runter zur Bergbahn Le Nid d’Aigle auf 2362 Metern war dann nur noch ein Taumeln.

Und wie geht es jetzt weiter? Beim Bergsteigen will Nadine Vogelsang bleiben. Schon hat sie sich mit dem Gedanken angefreundet, den Großglockner in Angriff zu nehmen - dann ohne Bergführer.

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