Städtische Werke wollen 2015 neun Rotoren errichten

Projekt „Kaufunger Stiftswald": Helsa stimmt Windpark zu

Blick aus Helsa Richtung Westen: Die Anwohner der Blumenstraße in Helsa werden die sechs Windräder auf dem Bielstein im Stiftswald in etwa so sehen. Die Montage der Städtischen Werke soll die je 206 Meter hohen Anlagen im richtigen Größenverhältnis wiedergeben. Montage/Foto: Städtische Werke/nh

Helsa. Der Bau des Windparks „Kaufunger Stiftswald“ mit neun Rotoren im Wald zwischen Helsa und Kaufungen rückt näher. Die Gemeindevertretung Helsa hat am Donnerstagabend grünes Licht für das Projekt der Städtischen Werke Kassel gegeben.

Wenn alles glattgeht, werden die Werke im Herbst 2015 mit der Errichtung der Anlagen beginnen; ab Ende 2015 sollen sie Strom erzeugen. Die Pläne wurden im Oktober dem Regierungspräsidium Kassel zur Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz vorgelegt.

Im Rahmen des Beteiligungsverfahrens hat die Gemeindevertretung Helsa den Plänen nun mit großer Mehrheit zugestimmt. SPD (eine Enthaltung) und Grüne Liste Helsa (GLH) stimmten für das Projekt, die CDU dagegen. Der Entscheidung war eine kontroverse Debatte vorausgegangen. Viele Zuhörer verfolgten die Diskussion, vor allem Windkraftgegner waren gekommen.

Man müsse jede Gelegenheit wahrnehmen, den Wind auf den Höhenzügen des Kaufunger Walds für die Energiegewinnung zu nutzen, sagte Rainer Dallmann (GLH). „Erneuerbare Energien ja, aber nicht um jeden Preis“, sagte Thomas Lenz (CDU). „In St. Ottilien hat keiner ein Problem mit den Windrädern“, meinte Tina Schröder (SPD). Es sei nicht Aufgabe der Politik, sich bei Entscheidungen von lautstarken Gegnern beeinflussen zu lassen. „Demonstrationen muss eine Demokratie aushalten können. Es wäre besser gewesen, über ein Gesamtkonzept zu entscheiden“, sagte Frank Williges (CDU). Denn bei Helsa seien überdurchschnittlich viele Windkraftanlagen geplant.

Vorgesehen sind im Stiftswald neun Anlagen des deutschen Marktführers Enercon: Sechs sollen auf dem Bielstein errichtet werden, drei auf dem Großen Belgerkopf. Jede der Anlagen ist 206,50 Meter hoch, die Nabe liegt 149 Meter über dem Boden. Die Flügel sind 57,5 Meter lang, der Rotordurchmesser liegt somit bei 115 Meter.

„Das ist ein sehr guter Windstandort“, sagte Projektleiter Lars Rotzsche von den Städtischen Werken bei der Vorstellung des Projekts am Mittwochabend in Helsa. Die durchschnittliche jährliche Windgeschwindigkeit betrage 6,8 Meter/Sekunde, die vom Land Hessen geforderte Mindestwindstärke von 5,75 m/s werde deutlich überschritten. Als Standorte für die Windmasten habe man großenteils Windbruchflächen ausgesucht, so gehe nicht viel Wald verloren, sagte Rotzsche.

Behelfsausfahrten von B7 

Die Schwerlasttransporter sollen über die B7 und zwei temporäre Behelfsausfahrten anfahren. Von Kaufungen geht es über die alte Kohlenstraße zu einer Wiese am Rand des Stiftswalds, wo die Riesenteile zwischengelagert werden. Nach der Bauphase werde ein Teil der Bauflächen wieder aufgeforstet. Die Grenzwerte bezüglich Schattenwurf und Schallschutz würden eingehalten. Am Ortsrand von Helsa sei mit 37 dB (A) zu rechnen, in Eschenstruth mit 39 dB (A). Dies entspreche dem Geräusch eines Kühlschrankmotors, sagte Rotzsche.

Das sagt die Bürgerinitiative

Die Bürgerinitiative Lebenswertes Helsa kritisiert die Windkraftpläne der Städtischen Werke. Sie fordert eine Reduzierung der Zahl der Windräder und größere Mindestabstände der Anlagen zum Ort. Um Sichtbeeinträchtigungen und gesundheitsgefährdenden Infraschall zu vermindern, müssten die Anlagen mindestens zwei Kilometer vom Ort entfernt sein. Das sei in Helsa nicht erfüllt.

Weiterer Vorwurf an die Städtischen Werke: Durch die Verwirklichung des Projekts schon vor der Verabschiedung des Regionalplans gebe es keine Bürgerbeteiligung. Denn die ist im Genehmigungsverfahren nach Bundesimmissionsschutzgesetz nur für Kommunen, nicht aber für Anwohner vorgesehen.

„Es ist erschreckend, dass Informationen nur vom Investor gegeben werden, aber nicht von den demokratisch gewählten Vertretern der Bürgerschaft in der Gemeinde“, sagte Wolfgang Köster als Sprecher der Bürgerinitiative am Mittwoch im Anschluss an die Sitzung des Planungsausschusses, wo die Werke die Pläne vorgestellt hatten.

Hintergrund: Rotoren ab Herbst 2015

Seit 2011 arbeiten die Städtischen Werke an dem Projekt. Es wurden Flächen gesichert, naturschutzfachliche Untersuchungen bezüglich Schwarzstorch, Fledermaus und Pflanzenschutz vorgenommen, Turbulenzgutachten erarbeitet und Untersuchungen zur Standsicherheit angestellt.

Für Februar 2015 rechnen die Werke mit der Baugenehmigung.

Ab Februar 2015 sollen dann kleinere Waldflächen gerodet werden.

Ab April 2015: Bau von Wegen, einer Logistikfläche, zwei provisorischen B7-Abfahrten sowie des Stromnetzanschlusses.

Ab Mai 2015: Bau der Fundamente.

Ab September 2015: Errichtung der neun Windkraftanlagen.

Vor dem Jahresende 2015: Die Anlagen sollen ans Netz gehen.

Von Holger Schindler und Hans-Peter Wohlgehagen

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