Seit vier Jahren

Vandalismus bei Wickenröder Karnevalisten: Narren ist der Spaß vergangen

+
Immer wenn der CCW Hiddelbeeren das Dorfgemeinschaftshaus gemietet hatte, kam es zu Sachbeschädigung, Türen wurden zerkratzt und Stühle aufgeschlitzt.

Helsa. Seit vier Jahren werden im Wickenröder Dorfgemeinschaftshaus Möbel beschädigt und sogar Schläuche von Feuerlöschern durchtrennt - immer dann, wenn der Karneval ansteht.

Die Polizei ermittelt im Fall der Sachbeschädigung im Dorfgemeinschaftshaus. Es gibt vage Hinweise, aber ein Täter steht noch nicht fest.

„Ich habe den Verdacht, dass es ein Karnevalhasser ist“, sagt der Vorsitzende des Vereins, Hugo Trebing, für den der Vandalismus mittlerweile zu einer psychischen Belastungsprobe geworden ist. Denn die Sachbeschädigungen treten nur dann auf, wenn der CCW Karneval feiern will – und das seit vier Jahren.

Hugo Trebing

Die bislang heftigste Tat passierte in diesem Jahr: Kurz vor dem Auftakt zum Kinderkarneval im Februar entdeckte man, dass mehrere Schläuche von Feuerlöschern durchtrennt waren. Die Gemeinde habe schnell reagiert, die Feuerlöscher wurden ausgetauscht. „Sonst hätten wir absagen müssen“, sagt Trebing.

Angefangen hat alles 2013. Bei der Abnahme des DGH durch den Eigentümer, die Gemeinde Helsa, wurden Kratzer an einer der Türen festgestellt. Es hatten verschiedene Veranstaltungen stattgefunden – Kinderkarneval und Prunksitzung. Man habe sich den Schaden nicht erklären können und der Verein zahlte 155 Euro an die Gemeinde für die Reparatur. „Wir dachten uns erst einmal nichts dabei“, so Trebing. Dass es sich um gezielte Sachbeschädigung handeln muss, wurde dem Verein erst mit den Jahren klar.

24 Stühle aufgeschlitzt

Denn auch im Folgejahr 2014 wurden bei der Abnahme Schäden festgestellt: 24 Stühle waren aufgeschlitzt. Die Stühle gehören zum Inventar des Hauses und damit der Gemeinde. Bei der Reinigung durch die Vereinsmitglieder am Tag vor der Abnahme seien die Stühle noch in Ordnung gewesen. Und: Abdeckungen von Heizkörpern waren durchbrochen, Wände mit Kugelschreiber beschmiert.

Hugo Trebing wollte daraufhin Anzeige erstatten, was ihm verwehrt wurde, da das nur die Gemeinde als Eigentümerin machen kann. Dann geschah etwas für Trebing vollkommen Absurdes: Er wurde von der Polizei vorgeladen und stand plötzlich selbst am Pranger „Ich dachte ich sollte von der Sachbeschädigung berichten, doch dann wurde mir Versicherungsbetrug vorgeworfen“, berichtet Trebing. Vereinsmitglieder, die die noch intakten Stühle am Tag vor der Abnahme saubergemacht hatten, sagten für ihn aus.

Nur zwei von vielen Schäden: Immer wenn der CCW Hiddelbeeren das Dorfgemeinschaftshaus gemietet hatte, kam es zu Sachbeschädigung, Türen wurden zerkratzt und Stühle aufgeschlitzt.

Trebing bat die Gemeinde, Anzeige zu erstatten. In einem von Bauamtsleiter Volker Witzel unterzeichneten Schreiben vom 2. April 2014, das der HNA vorliegt, heißt es, man werde keine Anzeige erstatten, da „keinerlei Hinweise für eine Straftat“ vorlägen, Ermittlungen „nicht nötig“ seien und Geld kosteten. Und weiter: „Sollte die Gemeinde eine Anzeige stellen wird die Polizei ggf. irre geführt und Ermittlungen in Gang gesetzt die eigentlich nicht nötig waren“. In demselben Schreiben wird Trebing darauf hingewiesen, wenn er eine Straftat „wissentlich“ vortäusche, drohten ihm „Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren“.

Die Kosten von 1540 Euro wurden dem Verein nicht angelastet, lediglich 150 Euro für die Beseitigung der Schmierereien habe man zahlen müssen. Eine HNA-Anfrage an die Gemeinde blieb bislang unbeantwortet.

Auch 2015 und 2016 waren neben den Feuerlöschern wieder Stuhlpolster aufgeschlitzt und von Brandlöchern übersäht. Dabei seien diese seit Jahren nicht mehr in Gebrauch: „Wir haben uns billige Stühle gekauft, die wir zum Karneval aus einem Lagerraum holen“. Bis heute wartet Hugo Trebing auf ein Zeichen des Täters, einen Zettel etwa. Er habe einen Menschen im Verdacht, nennen wolle er ihn nicht. „Nicht, dass ich noch wegen übler Nachrede angezeigt werde.“

Verein legte sich Kameras zu

Um Hinweise auf den Täter zu bekommen, schaffte sich der 58 Erwachsene und Kinder starke Wickenröder Karnevalverein CCW Hiddelbeeren 2014 Kameras an. Nach der eingeholten Genehmigung habe man die Kameras immer dann aufgestellt, wenn der Verein das Dorfgemeinschaftshaus gemietet hatte, berichtet dessen Vorsitzender Hugo Trebing. Ein Schild wies auf die Kameraüberwachung hin, die Kameras selbst waren im Flur und im Saal aufgestellt. „Bislang haben wir darauf nichts entdeckt.“ Zwei der Chips würden aktuell von der Polizei ausgewertet, die sich davon Hinweise auf den Täter verspricht. 

Das sagt die Polizei:

Der Polizei liegt aktuell eine Anzeige wegen Sachbeschädigung aus dem Monat Februar vor, sagt Polizeisprecher Matthias Mänz auf Nachfrage. An vier Feuerlöschern seien Schläuche durchgeschnitten worden. Die Ermittlungen dazu laufen noch. Bei den Ermittlungen zu vergangenen Anzeigen konnte kein Täter ausfindig gemacht werden. Sie wurden mittlerweile der Staatsanwaltschaft übergeben. Laut Mänz gebe es zum aktuellen Verfahren immer wieder vage Hinweise. „Sie liegen aber im Bereich von Spekulationen.“ Wegen Einbruchs werde nicht ermittelt. Aber: Es sei nicht auszuschließen, dass der Täter auch ohne Schlüssel in das Haus gekommen ist. Etwa, indem er sich hat einschließen lassen oder während Veranstaltungen in das Gebäude gelangte. „Momentan haben wir keinen konkreten Tatverdacht.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.