Test der geplanten A44-Umleitungstrecke

Helsa: Der Schwertransporter hing mehrmals fest

Helsa/Kaufungen. „Oh je, was nun?" Das dürften sich die Autofahrer gedacht haben, die am Freitag einem Schwertransporter in Helsa und Kaufungen entgegenkamen.

Aktualisiert um 14.05 Uhr

Helsa / Kaufungen. „Oh je, was nun?“ Das dürften sich die Autofahrer gedacht haben, die am Freitagvormittag einem Schwertransporter in Helsa und Kaufungen entgegenkamen. 24,60 Meter lang, sechs Meter breit, mit blinkenden Warnleuchten versehen – so versuchte der Lkw-Fahrer Dieter Knoblauch, mit seinem 680 PS starken Ungetüm durch die beiden Orte zu fahren. Doch da ging nicht mehr viel. Während der Tieflader fast die gesamte Straßenbreite von 6,50 Meter ausfüllte und langsam vorwärtsschlich, blieb entgegenkommenden Fahrzeugen nur der Rückwärtsgang. Das Szenario war ein Test: Was passiert, wenn die Autobahn 44 fertig ist und – wie von Hessen Mobil geplant – die B 7 als Ortsumgehung zurückgebaut wird?

Dann fließt der Autobahnverkehr durch die beiden Dörfer, auch der Schwerverkehr muss hier durch. Die Straße muss dann für alle anderen gesperrt werden, Staus sind programmiert. Die beiden SPD-Landtagsabgeordneten Timon Gremmels (Niestetal) und Lothar Quanz (Eschwege) hatten zusammen mit der Maschinenbaufirma Richter (Hessisch Lichtenau) den Test veranstaltet – exemplarisch für Schwertransporte, aber auch für ganz normale Lastwagen. Die Maschinenbaufirma ist zum Transport ihrer Teile auf die Straße angewiesen. Mehrmals pro Woche fahren bis zu 300 Tonnen schwere und 50 Meter lange Spezialtransporte von Hessisch Lichtenau zur A 7 und von dort in alle Welt. Und wenn die A 44 dereinst wegen Unfall gesperrt ist, eben auch durch die Dörfer.

Drei neuralgische Punkte wurden beim gestrigen Test sichtbar:

• Der Abzweig von der Berliner auf die Leipziger Straße in Helsa (Nr. 5 auf obiger Grafik). Dort mussten die Verkehrszeichen abmontiert werden, damit der überlange Lastwagen um die Kurve kam. Die Folge: Staus.

• Die enge Ortseinfahrt von Oberkaufungen. Obwohl der Lastwagen mittlerweile von sechs auf drei Meter Normalbreite zurückgebaut war, war auf der 5,50 Meter schmalen Lossebrücke kein Gegenverkehr möglich. Auch hier: lange Staus, auch wegen parkender Fahrzeuge.

• Der Kreisel (Nr. 2 in der Grafik). Auch hier Staus in allen Richtungen.

Schwertransporter testet geplante A44-Umleitungstrecke

„Die B 7 muss bleiben“, so lautete das Fazit des Firmeneigners Axel Richter. „Wenn wir die Transportwege nicht mehr haben, können wir zumachen.“ In den A 44-Tunnels könnten nur bis zu sieben Meter breite Lasten transportiert werden. „Wir haben aber Teile bis 9 Meter Breite“, sagte Richter. Damit müsse man dann im schlechtesten Fall durch die Dörfer. 160 Arbeitsplätze in Hessisch Lichtenau seien gefährdet, meinte Lothar Quanz. Der Landkreis Kassel habe dem Land angeboten, die B 7 zu übernehmen und so zu erhalten, sagte Timon Gremmels. „Eine vorhandene Ortsumgehung zurückzubauen, das wäre eine Sauerei“, äußerte sich Helsas Bürgermeister in drastischen Worten. „Wir müssten die Parkplätze an der Leipziger Straße dauerhaft beseitigen, zum Schaden der ansässigen Geschäftsleute“, merkte Kaufungens Bürgermeister Arnim Roß (SPD) zur Situation an der Lossebrücke kritisch an.

Von Holger Schindler

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