Defektes Kabel angeblich bereits repariert

Seit zwei Wochen kein Telefon: Telekom lässt Helsaer Kunden im Stich

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Da klingelt nichts: Walter Olbrich aus Helsa-Eschenstruth versucht seit zwei Wochen immer wieder, mit seinem Festnetztelefon raus zu telefonieren – ohne Erfolg. Er und seine Frau Christa sind nur zwei von Hunderten Bürgern mit diesem Problem.

Helsa. Seit der letzten Juli-Woche hört, wer Walter Olbrich aus Eschenstruth anruft, nur ein Besetzt-Zeichen. Allerdings nicht etwa, weil er neuerdings zu den Dauertelefonierern gehört, sondern weil das Telefonnetz nicht funktioniert. 

Laut Telekom ist die Störung seit Freitag, 4. August, behoben. Diese Nachricht löst bei Walter Olbrich und anderen Anwohnern des Helsaer Ortsteils Kopfschütteln aus. Denn: Ihre Telefone stehen weiterhin still.

Ursache war laut der Telekom ein defektes Kabel, das durch eindringendes Wasser stark beschädigt worden war, hieß es vergangene Woche auf HNA-Anfrage. Bis zum Wochenende sollte der Schaden behoben sein. Fakt ist: Auch am Dienstag noch, zwei Wochen nach Beginn der Störung, sind Leitungen tot – mal wieder. Denn erst im Juni waren Kunden in Helsa vom Netz abgeschnitten.

Laut Jenny Fitzenberger, die in der Straße „Neues Viertel“ wohnt, seien mehr als 300 Haushalte in Eschenstruth betroffen. Das habe man ihr beim Kundenservice gesagt. Und auch Gabriele Becker, selbst wohnhaft in St. Ottilien, deren Mutter in Eschenstruth lebt, stimmt dem zu.

Prekär: Ihre 82-jährige Mutter hat einen Hausnotruf des DRK – und auch dieser funktioniert nicht. „Ich habe da jetzt angerufen, dass sich meine Mutter nicht täglich an- und abmelden kann“, erzählt Becker. An einen eintretenden Notfall wolle sie gar nicht erst denken. Man habe der Mutter jetzt ein Seniorenhandy gekauft. „Aber mein Bruder meinte jetzt, sie geht gar nicht dran.“ So wie Beckers Mutter mag es wohl derzeit vielen älteren Menschen in Eschenstruth gehen. Wer kein Handy hat, ist aufgeschmissen. Walter Olbrich regelt derzeit einen Stromanbieterwechsel per Mobiltelefon. Da gehe viel Geld drauf – was er sich nach Behebung der Störung auch zurückholen wolle. Laut Telekom-Sprecher George McKinney sei es möglich, sich einen Teil der gezahlten Rechnung zurückzuholen – aber nur für Kunden, die die Störung gemeldet haben.

Die Eschenstruther verärgert vor allem der Umgang der Telekom mit dem Kunden. Alle, die sich gegenüber der HNA äußerten, hatten selbst den Kundenservice kontaktiert und bekamen unterschiedliche Antworten.

Der HNA sagte man schließlich, dass die Störung behoben sei. Seltsam nur, dass auch die HNA keinen der Festnetzanschlüsse erreichen konnte. Sie mögen ihre Router neu starten, hieß es da als Lösung. Doch bei Fitzenberger, Becker und Olbrich läuft der Telefonanschluss gar nicht über einen Router.

Lesen Sie hierzu auch unseren Kommentar: "Es ist ein Unding"

Hintergrund

Probleme mit Leitungen wegen eindringendem Wasser gebe es überall – nicht nur in Helsa, sagte Telekom-Sprecher George McKinney. Auch in Hann. Münden gibt es derzeit Probleme, dort sind 600 Kunden vom Netz abgeschnitten. 

Bei über zwei Millionen Kilometern Kabel, die unter der Erde verlegt sind, gebe es eben eine große Angriffsfläche. Störungen könnten verschiedene Ursachen haben: „Manchmal ist es das Alter eines Kabels, manchmal wurde bei Tiefbauarbeiten die Isolierung verletzt und irgendwann dringt dann eben Wasser ein“. Die Kabel seien manchmal so dick wie ein Oberschenkel, erklärt er. Jeder Hausanschluss habe zwei Drähte. Bei einem Kabel mit mehreren hundert Drähten könne es daher auch sein, dass in einer Straße nur einzelne Häuser von einer Störung betroffen sind, weil eben nur dorthin das Wasser vorgedrungen ist. Da Kabel manchmal mehrer Kilometer lang seien, müsste man erst einmal herausfinden, wo das Leck ist und dann die Kabel rausnehmen, neue besorgen und von Hand neu verlegen.

Das sagt das DRK

Kunden des DRK, die einen Hausnotruf nutzen, das sind in Stadt und Kreis Kassel 2500, können im Falle einer Telefonstörung innerhalb kürzester Zeit ein Ersatzgerät erhalten, das über das Mobilnetz läuft. Laut DRK ist es aber nicht rechtlich in der Pflicht, einen Ersatz kostenlos anzubieten. Hier muss der Kunde selbst entstandene Kosten zurückfordern, sagt Alexander Plewa vom DRK-Kreisverband Kassel-Wolfhagen.

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