Anwalt: Messerstiche waren Notwehr

Syrer will Feuer in Helsaer Flüchtlingsheim nicht gelegt haben

Helsa/Kassel. Er soll einen Brand gelegt und zwei Mitbewohner aus Somalia mit Messerstichen in den Bauch lebensbedrohlich verletzt haben. 

Seit Mittwoch muss sich der 28-jährige Mohammad A. aus Syrien vor dem Landgericht Kassel wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung und Brandstiftung verantworten. Der Vorfall war im März in einer Helsaer Flüchtlingsunterkunft passiert. Der Angeklagte ist seitdem in Untersuchungshaft.

Die Aussage des 28-Jährigen am ersten Verhandlungstag widerspricht der Anklage in allen Punkten. Er habe in Notwehr gehandelt und das 25 Zentimeter lange Küchenmesser, mit dem er seine Mitbewohner verletzt hatte, zufällig in der Hand gehalten. „Mein Mandant war gerade in der Küche und hat Essen zubereitet, als er immer wieder von vier Somaliern beleidigt und belästigt wurde“, erklärte Verteidiger Islam Nuredini. Während der Zeit in der Flüchtlingsunterkunft sei das öfter passiert. Am Tag des Brandes sei der Angeklagte dann auch körperlich attackiert worden und habe sich mit dem Messer gewehrt. „Das Leben meines Mandanten war bedroht, er handelte in Notwehr“, erklärte der Verteidiger.

Für den Brand, zu dem es in der Helsaer Flüchtlingsunterkunft unmittelbar nach dem Vorfall gekommen war, soll der Angeklagte nicht verantwortlich sein. „Er ist selbst vom Rauch überrascht worden“, so der Anwalt. Seine Erklärung, wer das Feuer stattdessen verursacht haben könnte: Ein weiterer Somalier, der in den Streit zwar nicht involviert war, aber am Tag zuvor eine Auseinandersetzung mit dem Angeklagten gehabt hatte, könne seiner Meinung nach verantwortlich sein. Der Grund: Möglicherweise wollte er den Angeklagten loswerden“, sagte Nuredini. „Mein Mandant traf im Flur auf ihn und ihm fiel auf, dass der Somalier überhaupt nicht überrascht von dem Rauch war.“

Auch die Spekulationen, dass sich der 28-jährige Syrer möglicherweise selbst umbringen wollte, bestritt sein Anwalt. Der Verdacht kam im Laufe der Ermittlungen deshalb auf, weil er sich gegen einen Polizisten gewehrt hatte. Dieser wollte ihn vor den Flammen retten. „Mohammad A. war im Zustand der geistigen Leere. Er hatte Angst und wusste nicht weiter.“

Der Polizist, der den Angeklagten aus dem brennenden Haus gebracht hatte, sprach von massiver Gegenwehr. „Im Gebäude hatte sich so dicker Rauch gebildet, dass man fast nichts sehen konnte.“ Er habe dann aber ein paar Füße entdeckt. „Ich wollte die Person retten“, schilderte der Zeuge. Er habe den Angeklagten am Fuß gepackt, worauf dieser hinfiel, und ihn die Treppe Richtung Ausgang hinuntergezogen. „Währenddessen hat er getreten, und sich am Geländer festgehalten.“ Trotzdem schaffte es der Beamte, A. ins Freie zu bringen.

Die Verhandlung wurde nach der Aussage des Zeugen abgebrochen. Der Grund: gesundheitliche Probleme des Verteidigers. Der nächste Verhandlungstermin ist Montag, 6. November, in Raum D130 im Landgericht Kassel.

Rubriklistenbild: © Novak

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