Pläne für früheren Supermarkt

Türken müssen woanders feiern: Helsa verhindert Hochzeitshaus

Als Veranstaltungsort für türkische Hochzeiten vom Tisch: Der frühere Tegut-Markt in Helsa wurde von einer solchen Nutzung ausgeschlossen. Dafür sorgte das Gemeindeparlament mit einem Bebauungsplan. Foto: Wienecke

Helsa/Staufenberg. Seit fast zwei Jahren steht der Tegut-Markt am Helsaer Bahnhof leer. Alle Versuche des Eigentümers, einen neuen Mieter für die Immobilie am Ortsrand der Lossetalgemeinde zu finden, scheiterten. Ein Türkisches Hochzeitshaus soll es dort aber nicht geben.

Vor Kurzem gab es dann doch einen Interessenten - doch dessen Pläne waren der überwiegenden Mehrheit der Kommunalpolitiker offensichtlich ein Dorn im Auge.

Konkret geht es um einen Investor, der Interesse daran bekundet hat, auf dem Gelände ein Türkisches Hochzeitshaus zu eröffnen. Das bestätigte Bürgermeister Tilo Küthe (SPD) auf HNA-Anfrage. Er, Küthe, habe einen Anruf des Geschäftsmanns erhalten. In Türkischen Hochzeitshäusern finden Vermählungen nach muslimischem Ritus statt. Zu den Hochzeitsfeiern reisen oft mehrere Hundert, manchmal sogar über tausend Gäste an.

Helsas Bürgermeister Tilo Küthe.

Im Schulterschluss haben SPD und CDU nun in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung den Plänen für das Hochzeitshaus einen Riegel vorgeschoben. Gemeinsam verabschiedeten die Abgeordneten einen Bebauungsplan für das Gebiet Bahnhofstraße. Tenor: Kleingewerbe ist nur dann erlaubt, wenn es die Nachbarn nicht stört. Entscheidender Satz im Bezug auf das Türkische Hochzeitshaus: „Vergnügungsstätten und Festhallen werden in dem Gebiet nicht zugelassen“.

Gegenüber der HNA erklärte Bürgermeister Küthe, der jetzt verabschiedete Bebauungsplan habe mit der Anfrage des Investors nichts zu tun. Die Gemeinde wolle nichts verhindern. Sie müsse jetzt eben nur gefragt werden, ob eine Nutzungsänderung möglich sei.

Hochzeitshaus war 1998 Thema in Kassel

Die mögliche Ansiedlung eines Türkischen Hochzeitshauses bewegte vor 16 Jahren auch die Menschen im Kasseler Stadtteil Wesertor. Ein türkischer Architekt hatte im Frühjahr 1998 geplant, den damals bereits seit Langem leer stehenden historischen Reitstall an der Ihringshäuser Straße zu einem Hochzeitshaus umzubauen. Im Wesertor, bereits damals der Kasseler Stadtteil mit dem höchsten Ausländeranteil, regte sich Widerstand gegen das Projekt. Kassels damalige Stadtbaurätin Monika Wiebusch (Grüne) warf Bewohnern des Stadtteils, die auf bestehende Probleme mit Migranten hingewiesen hatten, Ausländerfeindlichkeit vor. Das Türkische Hochzeitshaus wurde nicht gebaut, der historische Reitstall später abgerissen. (ket)

Die Grüne Liste Helsa (GLH) widerspricht dieser Darstellung. Grund für die Beschlüsse sei allein der Plan des Investors für das Türkische Hochzeitshaus. „Wir sollten nicht den Eindruck von Ausländerfeindlichkeit erwecken“, warnte die GLH-Abgeordnete Marion Linge. Sie wies darauf hin, dass der Betreiber des Hochzeitshauses ja auch Gewerbesteuer zahlen würde.

Ihr Fraktionskollege Jürgen Fasold sprach gar von einer „Verhinderungsplanung“. Er hält die Beschlüsse für rechtlich nicht zulässig, da sie aus seiner Sicht in das Eigentumsrecht des Grundstückseigentümers eingreifen.

Während es in Helsa kein Türkisches Hochzeitshaus geben wird, gibt es in Staufenberg konkrete Pläne für eine derartige Einrichtung. Zwei türkischstämmige Geschäftsleute aus Kassel wollen im Gewerbegebiet Lutterberg unweit des Rasthofs eine Festhalle mit Platz für bis zu 500 Menschen errichten. Die Mehrzweckhalle für Feste und Familienfeiern könne von allen genutzt werden.

Eine Bauvoranfrage für das Projekt hat der Landkreis Göttingen bereits positiv beschieden. In Lutterberg wird inzwischen heftig über die Hallen-Pläne diskutiert. Dort fürchtet man Belästigungen durch laute Musik sowie an- und abreisende Besucher der Veranstaltungen. Am Mittwoch, 2. April, beschäftigt sich dort der Ortsrat mit dem Thema.

Von Peter Ketteritzsch und Peter Dilling

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